Freiberuflicher Texter –Blick hinter die Kulisse

Was macht Ihr Werbetexter eigentlich für das ganze Geld?

Was machen Texter für ihr Geld? - Sabrina Sann
Was machen Texter für ihr Geld? - Sabrina Sann
Klar: Texter formulieren Werbetexte - Slogans, Webseiten, Kundenmailings. Doch wie kann ein Claim, ein einziger Satz, vielleicht nur drei Wörter, 2.000 Euro kosten?

So mancher Jungunternehmer fällt glatt vom Stuhl, wenn er das Angebot eines freiberuflichen Werbetexters erhält: 2.000 Euro für einen Claim, 700 Euro für einen Flyer, 300 Euro für eine Überschrift, genauso viel für ein DIN A4-Anschreiben – ja spinnt denn der? Und dann ist damit noch nicht mal die Grafik abgedeckt! Ab in den Müll damit. Und schnell auf die Suche nach einem Texter, der pro Wort abrechnet.

Texter und Texter – ein Unterschied wie Tag und Nacht

Oft wird der Texter mit dem Texter verwechselt. Zugegeben: Die Unterscheidung erfordert einen Blick hinter die Kulissen, doch die Mühe ist es wert. Denn am Ende scheitern Text-Projekte häufig an unterschiedlichen Erwartungen. Der Auftraggeber schaut auf den Preis und beauftragt den günstigsten Texter. Der Texter liefert die verabredeten 300 Wörter und der Auftraggeber ist enttäuscht, weil der Text nichts hermacht, schon gar nicht sein Unternehmen im üblichen Stil repräsentiert. Schlechter Texter am Werk? Mitnichten. Wohl eher falsch gebrieft. Der schnelle Pro-Wort-5-Cent-Texter macht seine Arbeit ebenso gewissenhaft wie der teure Konzept-Texter. Die Arbeit ist nur von Grund auf eine andere, auch wenn beide Texter Texte verfassen.

Was leistet der Pro-Wort-5-Cent-Texter?

In der Regel sind es Web-Content-Produzenten, die solche Textdienstleistungen brauchen. Sie wollen „Content“, also Inhalte für ihre Webseiten, meistens unter Verwendung bestimmter Begriffe (Keywords) zur Beeinflussung von Suchmaschinen wie Google oder Yahoo. Diese nämlich erkennen und registrieren unter bestimmten Umständen den Inhalt von Webseiten und zeigen dem Online-Leser bei Eingabe eines Suchbegriffs die relevantesten Treffer zu diesem Begriff an. Um nun mit der eigenen Webseite möglichst unter den ersten Fünf auf dieser Liste zu stehen, werden die Texte auf der Webseite nach allen Regeln der Kunst präpariert: Bestimmte Suchbegriffe werden gezielt an ganz bestimmten Stellen eingebaut und müssen sogar einen bestimmten Prozentsatz der gesamten Textmenge auf dieser Seite ausmachen, um maximalen Erfolg zu erzielen.

Bei dem Boom, den das Web derzeit erlebt, werden natürlich Unmengen an Texten benötigt, die genau diese Funktion erfüllen. Zwar sind auch hierbei Qualitätskriterien wie Rechtschreibung, Zeichensetzung und verlässlicher Inhalt zu beachten, doch in erster Linie geht es um Quantität. Die Ergebnisse können nicht mit dem Maßstab konzeptioneller Marketing-Kommunikation gemessen werden. Texter, die ihre Leistung pro Wort anbieten, richten sich damit in der Regel auch speziell an die auf Quantität fokussierte Zielgruppe.

Andere Anforderungen werden an den teuren Konzept-Texter gestellt

Der Texter hingegen, der nach Zeit abrechnet oder vergleichsweise teure Pauschalangebote für einzelne Text-Projekte anbietet, richtet sich damit eher an Unternehmen, die Image-Texte im Rahmen ihrer Marketing-Kommunikation benötigen. Hier geht es weniger um eine bestimmte Anzahl von Wörtern als vielmehr um eine bestimmte Marktpositionierung oder zielgruppengerechte Kundenansprache. Der Text ist dabei in der Tat ein Stilmittel und der Texter ein Designer. Er muss sich mit der Unternehmensphilosophie, dem Produkt- und Markenversprechen, den Werten und Zielen des Unternehmens, mit der bisherigen und der angestrebten Außenwirkung wie auch mit der des Wettbewerbs auseinandersetzen, bevor er zu texten beginnt. Systematisch und konzeptionell bringt der Werbetexter dann einen Text zu Papier oder ins Netz, der Hand in Hand mit dem Corporate Design steht, das Image des Unternehmens stärkt und ganz gezielt die definierte Kundengruppe anspricht.

So kann die Entwicklung eines Slogans durchaus 40 Stunden in Anspruch nehmen, besonders wenn das Briefing des Auftraggebers nur oberflächlich ausgearbeitet oder unstrukturiert aufbereitet ist, wenn Beratungs- und Abstimmungszeit, Korrekturläufe und Inputgespräche hinzukommen.

Anzeigen, Werbebriefe, Broschüren: Pro-Wort-Texter oder Konzept-Texter?

Nachdem der Unterschied zwischen Texter und Texter nun klar ist, dürfte es auch für den Laien keine Schwierigkeit mehr sein, den richtigen Texter für seine Text-Projekte zu finden. Für Texte mit konzeptionellen Anforderungen wie Anzeigen und Werbebriefe, Broschüren oder der Internetauftritt eines Unternehmens lohnt es sich auf jeden Fall, etwas mehr Geld auszugeben und etwas weiter auszuholen mit dem Briefing.

Texterin und freie Autorin, Sabrina Bodo

Sabrina Bodo - Sabrina Bodo schreibt, konzipiert und korrigiert. Werbetexte und Sachtexte. Für Unternehmen und Privatpersonen. Bei Suite101 ist sie ...

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