Freiburg: Höllentalbahn endet in Himmelreich

Abgerissener Stromabnehmer stoppt Höllentalbahn - johapress
Abgerissener Stromabnehmer stoppt Höllentalbahn - johapress
Am Dienstag, 15. November kommen hunderte Bahnreisende zu spät zur Arbeit oder verpassen in Freiburg die Fernzüge. Zugausfall wegen defekter Oberleitung.

Wie heißt das Sprichwort so schön: „Wenn einer eine Reise tut - dann kann er was erzählen.“ So jedenfalls erging es am frühen Dienstag, 15. November unfreiwillig den Bahnreisenden auf der Höllentalbahn zwischen Neustadt und Freiburg.

Als wären die krankheits- und personalbedingten Zugausfälle derzeit auf der Dreiseenbahn zwischen Titisee und Seebrugg nicht schon genug. Nein, am Dienstagmorgen erwischte es mehrere Hundert Berufstätige und Schüler auf der Höllentalbahn. Ein defekter Stromabnehmer der Regionalbahn legte den Bahnverkehr bis zum Mittag lahm. Die Pendler kamen mit bis zu zweistündiger Verspätung zur Arbeit, Fernreisende verpassten schließlich in Freiburg ihre Anschlusszüge. Bis in die Mittagsstunden war der Taktverkehr wegen der Oberleitungsstörung behindert oder es kam zu Zugausfällen

Defekte Oberleitung legt Bahnverkehr auf der Höllentalbahn lahm

Was war passiert? Die Regionalbahn RB 26910 war pünktlich um 7.15 Uhr aus dem Bahnhof Hinterzarten in Richtung Freiburg ausgefahren. Dann im Bahnhof Hirschsprung ein unplanmäßiger Halt. „Aufgrund einer Signalstörung verzögert sich die Weiterfahrt um einige Minuten“, schallte es von der Zugbegleiterin durch die drei Wagen. Ok, kann passieren! Tatsächlich ging es dann nach einigen Minuten weiter. Der Zug schleppte sich schließlich mit verminderter Geschwindigkeit in Richtung Himmelreich – dort war dann endgültig Endstation. Kein Strom, keine Weiterfahrt. Der Fehler wurde geortet. Ein abgerissener Stromabnehmer auf der Lok und die Reise für die Pendler aus dem Hochschwarzwald endete abrupt.

Mehrere Durchsagen folgten, dass sich die Weiterfahrt verzögert. Dann nach einer Viertelstunde die Ansage der Zugführerin: „Der Fahrdienst in Karlsruhe teilte uns mit, dass wir nicht weiterfahren können. Sinnigerweise heißt es nun Endstation „Himmelreich“. „Schienenersatzverkehr (SEV) ist bestellt. Wann dieser kommt und abfährt, wurde mir nicht mitgeteilt“, ergänzt die freundliche Zugbegleiterin.

Reisende müssen teilweise über zwei Stunden auf Schienenersatzverkehr warten

Ok, Schienenersatzverkehr (SEV) will organisiert sein! Wahrlich kein leichtes Unterfangen, wenn man weiß, dass bereits in unmittelbarer Nähe zwischen Titisee und Seebrugg SEV läuft. Zunächst noch ruhig, werden die weiteren Durchsagen von den Fahrgästen hingenommen. Es ist kalt, knapp über Null Grad Celsius. Gegen 8.45 Uhr sammeln sich immer mehr der gen Freiburg Reisenden auf dem Bahnhofsvorplatz von Himmelreich. Der Bautrupp der Bahn war dort inzwischen samt Bahnpolizei angekommen und hat die Arbeiten an der defekten Lok aufgenommen. Und auch die bestellten Busse des SEV sollen alsbald eintreffen. Ein Mann am Bahnsteig nimmt es noch gelassen: „Wenn ein Verkehrsunfall auf der Straße passiert, ist diese dann auch mal zu.“

Aufatmen bei Schülern und Berufstätigen. Es ist eine Minute vor 9 Uhr. Drei große Gelenkbusse rollen in Richtung der kleinen Wendeschleife. Die Menschenmenge wird immer größer und die fröstelnde Menge bewegt sich in Richtung der Busse. Doch die Freude währt nur kurz. Alle drei Busse fahren zeitgleich in Richtung Neustadt, eine logistische Fehlplanung! „Die haben ein Rad ab, nein zwei“, schallt es über den Bahnhofsvorplatz. Denn vielleicht ein Dutzend Fahrgäste nutzt die Gelegenheit zur Rück- oder Weiterreise in den Hochschwarzwald. Der Rest bibbert weiter vor sich hin. Schließlich 9.22 Uhr: Endlich kommt der Bus in Richtung Kirchzarten. Dort wartet schon der Zug nach Freiburg – um 9.53 Uhr wird der Hauptbahnhof erreicht. Mit fast zwei Stunden Verspätung. „Thank you for travelling with Deutsche Bahn“ – den meisten Fahrgästen ist nicht zum Scherzen und sie sind von der Bahnfahrt nach Freiburg erst mal bedient. Und dabei hat der Winter noch gar nicht begonnen.

Joachim Hahne, johapress

Joachim Hahne - Freier Journalist, Media-Büro für Bild, Ton und Text Mitglied im Verband der Deutschen Sportjournalisten (VDS) berichtet ...

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