Ein Vogelhaus auf einem Stadtbalkon zieht andere Arten an als ein Futterplatz für Vögel in einem ländlich gelegenen Garten auf dem Dorf. In den Städten leben für gewöhnlich weniger vielfältige Vogelarten. Sie haben sich an die urbanen Lebensbedingungen angepasst, akzeptieren beispielsweise Hauswände als Ersatz für Felsen und brüten darin. Unverzichtbare Rückzugsgebiete für die heimischen Stadtvögel sind Parks, Gartenanlagen und Grünflächen mit naturnaher Bepflanzung. Die fortlaufend wachsende Bebauung von Naturräumen, monotone Rasenflächen, exotische Ziergehölze, hohe Mengen an Pestiziden und auch der gegenwärtige Klimawandel vertreiben leider zunehmend zahlreiche Vogelarten bis hin zu ihrem völligen Verschwinden in Europa.

Wann Winterfütterung? Nur bei Schnee, Frost und Eis!

Angesichts der steigenden Bedrohung für die heimische Vogelwelt ist es durchaus nützlich, Futterplätze auf Balkonen und in Gärten einzurichten, um den Piepern dort im Winter Futter anzubieten. Gefüttert werden sollte allerdings nur, wenn Schnee liegt, Frost herrscht und Böden und Pflanzen vereist sind, denn dann sind ihre natürlichen Futterquellen, wie Früchte, Beeren, Samen, Würmer, Spinnen, Insekten, Schnecken, Knospen, Nüsse und Eicheln kaum zugänglich. Nur dann ist das Zufüttern ein helfender menschlicher Eingriff in das biologische System der natürlichen Auslese. Wie beim Menschen fordert der Kältestress den endothermen Vögeln mehr Energie ab, damit sie ihre Körpertemperatur gleichwarm aufrecht erhalten können. Nahrungsmangel bei Schnee und Eis kann darum schnell zum Verhungern und Erfrieren führen. Zum Schutz vor Feinden, wie auch Hauskatzen sollte das Vogelhaus auf einem Pfahl erhöht aufgestellt oder möglichst in Nähe von Sträuchern und Bäumen als Zufluchtsorte aufgehängt werden.

Vogelfutter: Was und wie viel füttern?

Ganz wichtig ist, dass während der harten Winterzeit kontinuierlich, d.h. je nach Anzahl der gefiederten Besucher mehrmals täglich, zugefüttert wird, wenn einmal damit begonnen wurde. Die angelockten Wildvögel verlassen sich auf die Futterstelle. Als Vogelfutter eignen sich im Handel angebotene und auf Ambrosia-Verunreinigungen geprüfte fettreiche Körnermischungen, (enthülste) Sonnenblumenkerne, Hirse, Ramtil sowie Distel- und Kardensamen. Meisen, insbesondere Blaumeisen bevorzugt an dünnen Ästen hängendes Futter und sind daher eher an Meisenknödeln und -ringen anzutreffen. Geschickt picken sie mit ihren kräftigen Schnäbeln Sämereien heraus. Auch zerstoßene Erdnüsse, Trockenfrüchte wie Rosinen und Äpfel, Beeren und auch frische Kokosnüsse lieben die Meisen, Rotkelchen, Grünfinken, Kleiber, Eichelhäher, Schwarzdrosseln, Haussperlinge und Amseln. Zum Vogelfutter kann regelmäßig lauwarmes Wasser angeboten werden; das gefriert nicht so schnell.

Naturerlebnis Vogelfütterung im Winter

In sehr strengen Wintern finden sich sogar Buntspechte, Buchfinken und Stieglitze an Futterhäusern ein. Unter den Vögeln einer Art bestimmt die Rangordnung die Reihenfolge am Futterplatz, d. h. Hähne vor Hennen sowie ältere, starke und erfahrene Vögel vor Jungen und Kranken. Jede Vogelart versucht die Nahrung so gut wie möglich zu verteidigen. So lassen sich Zank und Streit mit Drohgebärden, Gezeter und Gehacke eindrücklich beobachten. Es geht schließlich um Leben und Tod. Apropos beobachten, ein Vogelhäuschen im Winter bietet die faszinierende Möglichkeit, wild lebende Vögel aus unmittelbarer Nähe zu sehen und so Verständnis für die Bedürfnisse der heimischen Natur zu wecken.

Weiterführende Quellen:

  • Lohmann, M.: Vögel am Futterhaus
  • Haag, H.: Vögel füttern im Winter