
- Dr. Thiedmann informiert über das geplante Museum - Patricia Kutsch
In Weimar bei Marburg an der Lahn werden die Weichen für ein großes Projekt gestellt: In den nächsten Jahren soll dort ein Freilichtmuseum entstehen und fünf vorgeschichtliche Epochen zum Anfassen auferstehen lassen. Ein Thema, für das sich auch der Arbeitskreis Lokalgeschichtsforschung interessiert und sich daher vor Ort informiert hat.
Informationsveranstaltung für die Lokalhistoriker
Bezirksarchäologe Dr. Andreas Thiedmann, der zugleich Vorsitzender des Fördervereins „Zeiteninsel – Archäologisches Freilichtmuseum im Marburger Land“ ist, hat eine zweistündige Veranstaltung organisiert, um die Lokalhistoriker über das Projekt aufzuklären. Nach einer kleinen Wanderung über unwegsame Felder standen die rund 50 Interessierten auf den Ackerflächen und Wiesen, auf denen sich in Zukunft das Museumsgelände erstrecken soll.
Bezirksarchäologe hat Museum schon genau vor Augen
Thiedmann beschrieb, wie das Gelände modelliert werden solle: Eine Insel, die von der ParAllna, einem künstlich angelegten Fluss umflossen werden soll. Dort werden fünf Epochen mit ihren typischen Gebäuden errichtet, ebenso wie die passende prähistorische Bepflanzung angesiedelt. Eventuell könne man dort auch Tiere ansiedeln. Ein Rundgang soll die verschiedenen Zeiten miteinander verbinden und hautnah erlebbar machen. „Wir stehen hier mitten auf dem zukünftigen Museumsgelände, auch wenn man noch nichts sehen kann“, sagt Thiedmann. Mit bildhaften Worten und vielen Gesten versucht er allerdings, seinen Zuhörern das Projekt bildlich vor ihren Augen entstehen zu lassen. „Ich kann schon richtig alles vor mir sehen“, so der Archäologe, der seinem Empfinden nach stundenlang über die Zeiteninsel sprechen könnte.
Das Museumsdorf soll auf einer alten Siedlung entstehen
Gebaut werde an der ausgesuchten Stelle, da man dort in den 90er Jahren bei Ausgrabungen sehr viele Reste der prähistorischen Siedlungen finden konnte. Abdecken werde man mit dem Projekt einen Zeitraum von 4 500 Jahren. Um den Besuchern auch etwas von seiner Begeisterung übermitteln zu können, brachte der Bezirksarchäologe einen ganzen Kofferraum voller gut erhaltener Fundstücke mit. Was auf den ersten Blick wie einfach Steine oder Scherben wirkt, entpuppt sich für den Kenner als Mahlstein oder Keramik, die mehrere tausend Jahre in der Erde lag. „Auf Grund der Muster können wir die Keramik den Epochen zuordnen“. Schließlich sei damals wie heute zu jeder Zeit etwas anderes modern gewesen. So auch der Schmuck an alltäglichen Schüsseln und Töpfen aus Ton. In Weimar konnte man aber auch Haarnadeln aus Bronze und antike Sicherheitsnadeln ausgraben. Schmiedeschlacke bewies, dass vor Ort Eisen verarbeitet wurde und verkohlte Reste gaben den Archäologen Aufschluss darüber, welche Getreidesorten vor Ort angebaut wurden.
Förderverein unterstützt Museumsprojekt
Nach dieser Einführung in die Funde und die Siedlungsgeschichte informierte Thiedmann über den Sachstand des Projekts und warb für eine Mitgliedschaft im Förderverein, der „die Idee vermitteln und für Akzeptanz in der Bevölkerung werben soll“. Das Amt für Straßen- und Verkehrswesen Marburg habe bereits mit der Umsetzung des Maßnahme ParAllna begonnen. „Das Amt übernimmt Geländemodellierung und Bepflanzung als Teil der Ausgleichsmaßnahme für den Lückenschluss der B3“. Bis Anfang 2011 solle das Gelände dann fertig sein und übergeben werden. „Wir wollen nun Schritt für Schritt vorgehen. Der Schlüssel für weitere Entwicklungen ist eine bereits präsentierte Machbarkeitsstudie, die Kosten ermittelte und ein tragfähiges Modell für den Betrieb vorgeschlagen hat“. Nach seiner Vorstellung sollte das Museum getragen werden vom Land Hessen, dem Landkreis und der Gemeinde Weimar. Das ist allerdings noch Zukunftsmusik.
