
- Steinkreuz unterhalb der Pfalz Tilleda - Harald Rossa
Eine fast vollständig von Archäologen ausgegrabene Pfalz mit teilweise rekonstruierten Bauten gibt es nur in Tilleda. Zwischen 1935 und 1979 wurde die Pfalz unter der Leitung des Archäologen Paul Grimm ausgegraben. 1983 begann der Ausbau des Geländes zu einem Freilichtmuseum. Das ist heute eine Station an der Straße der Romanik.
Das Freilichtmuseum Pfalz Tilleda
Das fränkische Reisekönigtum nutzte eine große Zahl von Pfalzen im ganzen Reich für temporäre Aufenthalte des Hofes. Nur eine dieser mittelalterlichen Pfalzen konnte bis heute vollständig ausgegraben werden: die zu einem Freilichtmuseum rekonstruierte Pfalz Tilleda. Hier sind wesentliche Teile der Anlage aus verschiedenen Stufen der baulichen Entwicklung als Rekonstruktionen zu sehen. Wehranlagen, Wohn- und Wirtschaftsgebäude, technische Einrichtungen und Repräsentationsbauten sind dafür am originalen Standort nachgebaut worden. Ausgrabungsfunde, Schrift- und Bildquellen sowie Modelle erläutern in den verschiedenen Ausstellungshäusern die Pfalz und ihre Funktionen.
Schon während der Ausgrabung wurden einzelne Befunde nicht wieder bedeckt. Zwischen 1983 und 1991 entstanden entlang der Umfassungsmauer und des Unterbaus des Kammertores einige Hütten. 2001 wurde unter fachlicher Leitung mit einen neuen Konzept der Ausbau zu einem Freilichtmuseum fortgesetzt. Das umfasst etwa 4 Hektar der ehemaligen Pfalzfläche von 5,6 Hektar. Bis zu 20.000 Besucher werden pro Jahr in Königspfalz Tilleda gezählt. Angeboten werden Führungen, Workshops und Seminare. Veranstaltungen zu archäologischen, historischen, handwerklichen und technischen Themen finden hier statt. Für Schulklassen gibt es besondere museumspädagogische Angebote.
Die Geschichte der Pfalz Tilleda
Der Pfingstberg bei Tilleda war schon in ur- und frühgeschichtlichen Zeiten bewohnt. Die Zeugnisse der Besiedlung im frühen Mittelalter reichen bis zum Jahr 700 zurück. Anfang des 9. Jahrhunderts wurde der Ort im Güterverzeichnis des Klosters Hersfeld erstmals urkundlich erwähnt. 972 übergab anlässlich ihrer Hochzeit Kaiser Otto II. seiner Gemahlin Theophanu unter anderem die Pfalz „Dullede“ als Witwensitz. Zwischen 974 und 1042 wurden in „Tullide“ von den ottonischen und salischen Herschern des Ostfrankenreiches Urkunden ausgestellt. Sie zeugen von Aufenthalten von Otto II., Otto III., Konrad II. und Heinrich III. in dieser Blütezeit der Pfalz.
Danach verlor die Pfalz an Bedeutung. Ihre Verteidigungsfunktion übernahmen die neuen Burgen auf dem Kyffhäuser. 1174 sammelte Kaiser Friedrich I. Barbarossa hier ein Heer für einen Kriegszug nach Oberitalien. 1194 legten König Heinrich VI. und Herzog Heinrich der Löwe während eines Hoftages in Tilleda den schon lang andauernde Streit zwischen Staufern und Welfen bei. Ab 1194 wurde über die Pfalz Tilleda nicht mehr berichtet. Funde belegen allerdings ihre weitere Nutzung. Aber am Ende des 12. Jahrhunderts wurde die Pfalz endgültig aufgegeben und die Bauten verfielen. Das Gelände auf dem Pfingstberg wurde ab dem 14. Jahrhundert landwirtschaftlich genutzt. Störende Ruinen wurden im Lauf der Zeit abgetragen oder überpflügt. Nur noch Andeutungen der Wälle und Gräben sowie zwei kleine Mauerreste blieben als Zeugnisse der Pfalz sichtbar.
Die archäologische Erforschung der Pfalz Tilleda
1871 wurden die im Gelände auf dem Pfingstberg sichtbaren Spuren durch den Heimatforscher Karl Meyer aus Nordhausen als Teile der mittelalterlichen Pfalz Tilleda gedeutet. 1935 begann der Archäologe Paul Grimm mit den Grabungen auf dem Pfingstberg am Rand des Ortes. Bis 1939 erkundete er das Gelände der Pfalz Tilleda. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges mussten die Arbeiten eingestellt werden. Erst 1958 konnten die Archäologen, wieder unter der Leitung von Paul Grimm, die Arbeiten fortsetzen. 1979 war die Anlage, bis auf Kontrollflächen, vollständig ausgegraben. 1983 begann der Ausbau des Geländes zu einem Freilichtmuseum. Das ist seit 2001 der Öffentlichkeit zugänglich.
Literatur zur Pfalz Tilleda
Zwei Autoren beschäftigen sich intensiv mit der Pfalz Tilleda. Da ist einmal der Ausgräber Paul Grimm. Die Grabung Tilleda war ein Schwerpunkt seines Lebenswerkes und er verfasste zwei Monographien über Tilleda.
- Paul Grimm: Tilleda. Eine Königspfalz am Kyffhäuser. Teil 1. Die Hauptburg. Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Schriften der Sektion für Vor- und Frühgeschichte 24. Berlin 1968.
- Paul Grimm: Tilleda. Eine Königspfalz am Kyffhäuser. Teil 2. Die Vorburg und Zusammenfassung. Deutsche Akademie der Wissenschaften. Schriften zur Ur- und Frühgeschichte 40. Berlin 1990. ISBN 3-05-000400-2
- Hans Eberhardt und Paul Grimm: Die Pfalz Tilleda am Kyffhäuser. Ein Führer durch Geschichte und Ausgrabung. 6. überarbeitete Auflage. Tilleda 2001. ISBN 3-910010-61-X
Der zweite wichtige Autor ist Michael Dapper. Er ist der derzeitige Leiter des Freilichtmuseums Tilleda. Er macht darauf aufmerksam, dass im Lichte neuerer Forschungsergebnisse die Schlüsse von Paul Grimm nicht immer Bestand haben. Er rät zur Vorsicht bei der Nutzung der Werke von Paul Grimm.
- Michael Dapper: Die Neuinterpretation der Grabungsergebnisse auf der Pfalz Tilleda. In: Die deutschen Königspfalzen. Beiträge zu ihrer historischen Erforschung. 7. Band. Zentren herrschaftlicher Repräsentation im Hochmittelalter. Geschichte, Architektur und Zeremoniell (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte 11/7, hrsg. v. Capar Ehlers, Jörg Jarnut und Matthias Wemhoff, Göttingen 2007, S. 151-169)
- Michael Dapper und Dieter Kauffmann: Neue Pläne für ein altes Projekt - das Freilichtmuseum Königspfalz Tilleda. In: Archäologie in Sachsen-Anhalt 4/II/06, S. 490-501
- Michael Dapper: Neuentdeckungen auf der Königspfalz Tilleda. Das neue Museumskonzept und seine wissenschaftlichen Grundlagen. In: Beiträge zur Heimatforschung. 12, 2002, S. 154-163
- Michael Dapper: Das Reisekönigtum und die Pfalz Tilleda. In: Heiliges Römisches Reich deutscher Nation. 962 bis 1806. Von Otto dem Grossen bis zum Ausgang des Mittelalters. In: Katalog der 29. Ausstellung des Europarates in Magdeburg und Berlin und Landesausstellung Sachsen-Anhalt, hrsg. v. Matthias Puhle und Claus Peter Hasse, Dresden 2006, S. 120 -129
Quellen
