Freiwillig Hebräisch?

Maria Häusl unterrichtet Studenten, die Althebräisch lernen wollen

Maria Häusl mit Hebräischlehrbuch - Beate Diederichs
Maria Häusl mit Hebräischlehrbuch - Beate Diederichs
Altes Testament im Original lesen? Nur mit Hebräisch, so Häusl, Professorin für Biblische Theologie. 60 Studenten lernen es bei ihr. Ohne Druck durch die Studienordnung.

Angehende Pfarrer, fand man immer, sind bedauernswerte Wesen. Müssen sie doch das Althebräische gut genug beherrschen, um das Hebraicum ablegen zu können. "Einen mittelschweren erzählenden Text aus der Bibel in angemessenes Deutsch übersetzen", wie das schriftliche Hebraicum fordert. Tröstlich nur, dass diese Theologiestudenten bereits durch Latinum und Graecum so gestählt sind, dass sie auch die Sprache des Moses meistern. Weil sie es müssen.

Hebräisch pauken, ohne es zu müssen?

Aber freiwillig Althebräisch lernen? Doch, das gibt es, nickt Maria Häusl. Die Professorin für Biblische Theologie an der Technischen Universität Dresden unterrichtet sechzig Hebräischinteressierte in einem zweisemestrigen Kurs mit vier Wochenstunden. Ein solcher Kurs findet bereits zum zweiten Mal statt, obwohl die Studienanforderungen der jungen Frauen und Männer kein Hebraicum vorschreiben. "Die Studenten wussten, dass ich Hebräisch schon gelehrt hatte. Eines Tages fragten einige: Können Sie das auch hier machen?" erzählt Maria Häusl in ihrem bayrischen Dialekt. Die 43-Jährige stammt aus der Nähe von Traunstein und hat in München studiert. "Ich bin überzeugte Bibelwissenschaftlerin. Dazu gehört Hebräisch, um die Bibeltexte im Original lesen zu können." Während ihrer Zeit an der Universität Würzburg vermittelte sie diese Sprache an die Studenten. "Doch hier in Dresden kann man anders arbeiten, weil die jungen Erwachsenen von sich aus Hebräisch lernen. Für mich ist das etwas Besonderes." Unter den Studenten sind zukünftige Theologen, die ähnlich wie die Professorin das Alte Testament auf Hebräisch lesen oder Fachtexte verstehen wollen, die hebräische Begriffe enthalten. Oder Sprachwissenschaftsstudenten, die mit dem Hebräischen ein Beispiel für eine semitische Sprache kennen lernen möchten. Fünfzehn bis zwanzig werden im Sommer das Hebraicum ablegen, schätzt Häusl. Den anderen vierzig reichen Hebräischkenntnisse. Weil sich so viele Studenten für ihre Hebräischkurse interessieren, überlegt Maria Häusl, diese ab Wintersemester dauerhaft einzurichten, auch für den neuen Masterstudiengang Antike Kulturen.

Buchstaben klingen bekannt, Verben funktionieren anders als in indoeuropäischen Sprachen

In einer halben Stunde beginnt Häusls Freitagslehrgang. Die Dozentin vertieft sich in ihr hebräisches Lehrbuch. Sie selbst vermittelt die Grammatik, eine Tutorin übt später mit den Schülern. Die vierhundert Vokabeln, die für die Prüfung nötig sind, müssen die Studenten eigenverantwortlich pauken. In den zwei Semestern merkt jeder Schüler, wie sehr sich die Strukturen des Hebräischen von denen der indoeuropäischen Sprachen unterscheiden. Gerade das findet Maria Häusl spannend. Ungewohnt ist es dennoch. Das hebräische Alphabet mit 23 Zeichen von Aleph bis Tav lernt man zwar in zwei Wochen. Zumal die Namen der Buchstaben geläufig klingen: Das Griechische leitet sein Alpha vom Aleph her, sein Beta vom Bet ... Hebräisch jedoch wird wie Arabisch von rechts nach links gelesen. Die Grammatik sei nicht sehr kompliziert, weil es keine Fälle und kaum Zeitformen gebe, meint Maria Häusl. Verbstämme aber verändern sich je nach Sinnrichtung. "Der H-Stamm ist kausativ", sagt sie. Hm.

Althebräisch hilft auch, die Sprache der Israelis zu lernen

Wer diese Hürden überwunden hat, kann das Alte Testament im Original lesen. Und hat den Grundstein dafür gelegt, sich mit einem Israeli in dessen Sprache zu verständigen. Ende des 19. Jahrhunderts erweckte man nämlich das alte Hebräisch wieder zum Leben. Es hatte seit 1.700 Jahren nur als Sakralsprache für Religion, Gesetze, Medizin und Literatur gedient. Dabei entstand Iwrit, Neuhebräisch, am Althebräisch näher dran als zum Beispiel Französisch am Latein. "Neuhebräisch kann man bei vielen jüdischen Vereinen lernen", ruft Maria Häusl noch über die Schulter zurück, als sie mit der Bibel in der Hand zu ihrem Kurs eilt. Ihr Vorname, Maria, stammt übrigens auch aus dem Hebräischen.

Passbild Beate Diederichs, Rechte bei Beate Diederichs

Beate Diederichs - Auf zwei Beinen steht man besser ..... deshalb arbeite ich in zwei Berufen. Vormittags lehre ich Schüler die Feinheiten der ...

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