Bedeutung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels

Mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels wird jeweils eine Persönlichkeit, die vor allem auf den Gebieten Literatur, Wissenschaft und Kunst zur Verwirklichung des Friedensgedankens beitragen kann, geehrt. Der Preis ist mit EUR 25.000,00 dotiert und wird anlässlich der Buchmesse in Frankfurt am 14. Okt. 2012 in der Paulskirche überreicht.

Auszeichnung für Liao Yiwu

Der Stiftungsrat des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels verleiht dem chinesischen Schriftsteller Liao Yiwu den diesjährigen Friedenspreis. Geehrt wird damit „der chinesische Schriftsteller, der sprachmächtig und unerschrocken gegen die politische Unterdrückung aufbegehrt und den Entrechteten seines Landes eine weithin hörbare Stimme verleiht. Liao Yiwu setzt in seinen Büchern und Gedichten den Menschen am Rand der chinesischen Gesellschaft ein aufrüttelndes literarisches Denkmal. Der Autor, der am eigenen Leib erfahren hat, was Gefängnis, Folter und Repression bedeuten, legt als unbeirrbarer Chronist und Beobachter Zeugnis ab für die Verstoßenen des modernen China“.

Biographie

Der in China verfolgte Schriftsteller Liao Yiwu wurde am 04. August 1958 in Chengdu, der Hauptstadt der Provinz Sichuan, geboren. Es ist die Zeit der großen Hungersnot, in der rund 15 Millionen Chinesen ums Leben kommen. Sein Vater, ein Hochschullehrer, bringt ihm schon im Alter von drei Jahren das Lesen und Vortragen klassischer Lyrik bei. Während der Kulturrevolution 1966 wird der Vater als Revolutionsgegner angeklagt und musste sich von Frau und Sohn trennen. Liao Yiwu durchlebte eine schwierige Zeit mit großen Hungersnöten und ohne geregelten Schulbesuch als Straßenkind und arbeitet nach Schulabschluss als Küchenhilfe und Lastwagenfahrer, nachdem er sich vergeblich um ein Studium bemühte. Er findet später Arbeit bei einer Zeitschrift und verfasst Gedichte, für die er sogar mehrere nationale Auszeichnungen erhält bis er 1987 nach Veröffentlichungen im chinesischen Untergrund auf die sog. „schwarze Liste“ gesetzt wird und Schreibverbot erhält. Nach der Veröffentlichung der Gedichte „Die gelbe Stadt“ und „Held“ wird er mehrmals verhört.

Das schriftstellerische Leben

Unter dem Eindruck der Massendemonstrationen auf dem „Platz des Himmlischen Friedens“ verfasst Liao Yiwu am Vorabend des Geschehens das Gedicht „Massaker“, in dem er das brutale Vorgehen der Staatsmacht am 4. Juni 1989 vorwegnahm. Da er keine Möglichkeit der Veröffentlichung hatte, nimmt er das Gedicht auf Tonband auf, Kopien davon werden im ganzen Land verteilt. Im Frühjahr 1990 wird er verhaftet und zu vier Jahren Freiheitsentzug verurteilt. Nach seinen schlimmen Erfahrungen im Gefängnis schlägt er sich mit einer Flöte, die er im Gefängnis zu spielen gelernt hatte, als Straßenmusiker durch.

Die Begegnungen mit den Menschen im Gefängnis und auf den Straßen verarbeitet er 1998 in Form von 60 Interviews in einem Buch, das von den Behörden umgehend verboten wird. 2009 wird es in Deutschland unter dem Titel „Fräulein Hallo und der Bauernkaiser. Chinas Gesellschaft von unten“ veröffentlicht. Seine Gespräche mit den unteren Geschichten der Gesellschaft zeichnen die Wirklichkeit der Gegenwart Chinas nach und wurden somit ein Porträt des Landes im Gegensatz zur offiziellen Darstellung.

In „Chronik des großen Erdbebens“ veröffentlicht Liao Yiwu 2009 in Hongkong die Interviews, die er mit den Überlebenden des großen Erdbebens in der Region Sichuan mit mehr als 80.000 Toten geführt hat.

Liao Yiwu erreicht Asyl in Deutschland

Liao Yiwus Motto lautet: „Leben heißt, die Freiheit zu haben, sich der Unfreiheit zu widersetzen.“

Da er dies in China nicht erreichen konnte und ihm mehrfach die Ausstellung eines Reisepasses und die Ausreise verweigert wurde, gelingt ihm im Juli 2011 über Vietnam eine Ausreise nach Deutschland. 2012 erhält er ein einjähriges Stipendium des Berliner Künstlerprogramms des DAAD. Im Herbst 2011 erschien in Deutschland auch die dritte Version seiner Erinnerungen an die vierjährige Gefangenschaft unter dem Titel »Für ein Lied und hundert Lieder«, für das Liao Yiwu in China erneut eine Haftstrafe angedroht wurde. Das mit dem Geschwister-Scholl-Preis 2011 ausgezeichnete Buch ist lt. Neuer Züricher Zeitung ein „politisches Zeugnis erster Güte“.

Im Herbst 2012 erscheint sein Buch »Die Kugel und das Opium – Leben und Tod am Platz des Himmlischen Friedens«.

Lieferbare Titel in Deutschland (alle S. Fischer Verlag)

Fräulein Hallo und der Bauernkaiser: Chinas Gesellschaft von unten

544 Seiten, € 10,99

Für ein Lied und hundert Lieder. Ein Zeugenbericht aus chinesischen Gefängnissen

592 Seiten, € 24,95

Die Kugel und das Opium. Leben und Tod am Platz des Himmlischen Friedens

592 Seiten, € 24,99, erscheint Okt 2012

außerdem :

„Massaker: Frühe Gedichte“

28 Seiten, € 8,00, hochroth Verlag

„Erinnerung, bleib ...“

Audio-CD und DVD, € 24,90, Lieblingsbuch-Verlag,

erscheint Sept. 2012

Quellen:

- Börsenverein des Deutschen Buchhandels

- Süddeutsche Zeitung