
- 2. Haut Die Kleidung - U.Reppmann-Wörsdörfer
Der Maler Friedensreich Hundertwasser ist weniger bekannt durch seine Gemälde als durch seine Architekturprojekte. Dabei waren das Lineal und grade Linien "Teufelszeug". Die moderne geradlinige Architektur war für ihn eine Krankheit, er sah sich als "Achitekturdoktor, der kranke Häuser heilte. Sein bekanntestes Markenzeichen ist neben krummen Linien und dunkelbunten Farben die Liebe zur Spiralform. Sie symbolisiert für ihn stetiges Wachstum und Unendlichkeit. Der Künstler entwickelte im Laufe der Jahre seine eigene Philosophie. Er stellte die Theorie auf, dass der Mensch fünf Häute besitzt:
Die erste Haut
Die erste Haut ist die natürliche Haut. Hundertwasser war sehr weltoffen und es war ihm wichtig, dass sich jeder Mensch, unabhängig von seiner Hautfarbe, in dieser Haut körperlich und seelisch wohl fühlt und sich verwirklichen darf. In seinen „Nacktreden“ hielt der Künstler ein spektakuläres Plädoyer für dieses Wohlgefühl und für Individualität.
Zweite Haut: Kleidung
Die Kleidung bildet sozusagen die zweite Haut des Menschen. Auch darin sollte er sich wohlfühlen und sie sollte seine Individualität ausdrücken. Hundertwasser trug deshalb keine Kleidung von der Stange. Er fertigte sie häufig selbst, sogar die Schuhe. Er bevorzugte bunte, leuchtende Farben, sein unverzichtbares Accessoire war die kunterbunte Ballonmütze. Er liebte gestreifte Hemden, weil die Streifen sich den Bewegungen des Körpers anpassten und fließend waren und trug stets zwei verschiedene Strümpfe.
Dritte Haut: Das Haus
Hundertwasser forderte eine gesunde Architektur, eine Wohnung, in der sich der Mensch als Individuum wohl fühlt. Gleichzeitig sollte er sich dessen bewusst sein, dass mit jedem Haus, das er baut, auch ein Stück Natur weggenommen wird. Dieses Stück Natur solle er wieder zurückgeben, indem er sein Haus begrünt und ihm Bäume schenkt. Er bezeichnete dies als „Baumpflicht“. Neben der Baumpflicht forderte er ein "Fensterrecht". Jeder sollte die Fassade rund um die Fenster individuell gestalten dürfen, soweit sein Arm reicht.
Hundertwasser legte selbst Hand an und entwarf „gesunde“ und ökologisch geprägte Konzepte für bestehende und neue Gebäude. Er verteufelte die moderne Architektur, insbesondere die gerade Linie. Er selbst sah sich nicht als Architekt, sondern als „Architekturdoktor“, der wieder gut machte, was beim Häuserbau seiner Ansicht nach schief gelaufen war. Das bekannteste der von ihm entworfenen Häuser ist das Hundertwasserhaus im Wien, dem viele andere folgten. Ein Markenzeichen sind neben der Baumbepflanzung bunte Stelen und goldene Türme und Kuppeln. Neben dem berühmten Hundertwasserhaus plante er beispielsweise einen Bahnhof , ein Fernwärmewerk, ein Besucherhaus für Eltern krebskranker Kinder, eine Kirche, eine Markthalle und einen Kindergarten. Stets ist es sein Zeil, dass Menschen sich verwirklichen und zusammenkommen können.
Vierte Haut: Das soziale Gefüge
Als vierte Haut bezeichnete Hundertwasser die umgebenden Menschen, die einem etwas im Leben bedeuten. Der Maler hatte zeitlebens eine sehr enge Bindung an seine Mutter. Ansonsten gab es im Leben des Künstlers nur wenige Menschen, die ihm so wichtig waren, dass er sie als Freund bezeichnet hätte. Wenn er allerdings eine Freundschaft mit jemanden geschlossen hatte, blieb diese über Jahrzehnte bestehen.Innerhalb seiner Kunst entwarf er viele farbenfrohe Briefmarken, denn Schreiben war für ihn ein Stück Kommunikation von Mensch zu Mensch und von Land zu Land.
Fünfte Haut: Die Erde
Schon von Kindheit an war der Künstler hypersensibel für seine Umgebung. Später erwies er sich als leidenschaftlicher, ja fanatischer Umweltschützer und schlug gerne einen apokalyptischen Ton an, wenn es um den Erhalt der Erde ging.
Er forderte umweltschützende Maßnahmen nicht nur, sondern er lebte sie vor. So erfand er eine Humus-Toilette und eine Pflanzen-Kläranlage, die er auch in seiner Wohnstätte betrieb. Er sah es als wesentliche Aufgabe des Menschen, der Zerstörung der Erde entgegenzuwirken, anstatt sie zu betreiben.
Künstlerisch engagierte er sich für diese Forderung in ausdrucksstarken Plakaten und zahlreichen Umweltaktionen und Baumpflanzungskampagnen.
