Friedhof Ohlsdorf: Prominent in Ewigkeit

Parkführungen und Prominentengräber

 Der Friedhof in Ohlsdorf ist außergewöhnlich - Katharina Hamberger
Der Friedhof in Ohlsdorf ist außergewöhnlich - Katharina Hamberger
Der Friedhof in Ohlsdorf ist nicht nur der weltgrößte Parkfriedhof, sondern auch letzte Ruhestätte für viele Berühmtheiten.

Auf dem Friedhof im Hamburger Stadtteil Ohlsdorf befinden viele Gräber prominenter Personen. Auf einer Führung zu diesen Grabstätten können Friedhofsbesucher den verstorbenen Vorbildern die letzte Ehre erweisen, etwas über sie lernen oder sich auch einfach nur die unterschiedlichen Facetten von Beerdigungskultur erklären lassen.

Letzte Ruhestätte vieler Berühmtheiten

Monica Bleibtreu liegt in Planquadrat U7 362. Diese Auskunft bekommt man, wenn man an der Information des Ohlsdorfer Friedhofs nach dem Grab der 2009 verstorbenen Schauspielerin fragt. Sie ist aber nicht die einzige Prominente, die im Hamburger Norden ihre letzte Ruhe gefunden haben. Auch die Gräber anderer Hamburger Berühmtheiten, oder solcher, die der Hansestadt in einer besonderen Weise verbunden waren, sind hier zu finden. So zum Beispiel Schaupieler Gustav Gründgens, Entertainer Hans Albers, HAPAG-Generaldirektor Albert Ballin, die Verlegerfamilie Jahr oder auch der Gründer des Hamburger Tierparks, Lorenz Hagenbeck. Wo genau sie zu finden sind, steht in alphabetischer Reihenfolge auf der Homepage des Friedhofs. Ein Großteil derer, die auf die Prominenten-Liste kommen, wird von der Kulturbehörde der Stadt vorgegeben, erklärt Lutz Rehkopf. Er ist Pressesprecher in Ohlsdorf, denn sogar so einen benötigt der größte Parkfriedhof der Welt.

Aber nicht nur die Verwaltung und die Behörde treffen die Entscheidung, wer hier aufgelistet steht. Zu allererst werden die Verwandten gefragt. Meist warte man ein Jahr, so Rehkopf, bis die Angehörigen besser mit der Trauer umgehen könnten und holt dann die Erlaubnis ein. Bei manchen Verstorbenen ist das Publikumsinteresse so groß, dass man die Familie schon früher fragt, ob man den Platz des Grabes verraten darf. Aktueller Fall: Monica Bleibtreu.

Auf Entdeckungstour über den Friedhof

Selbst suchen ist aber nicht unbedingt nötig, denn es gibt sogenannte Prominentenführungen über die größte zusammenhängende Grünfläche Hamburgs. Seit 14 Jahren lassen sich Lebende die letzte Ruhestätte von Vorbildern und Angebeteten zeigen. Manchmal sind es zehn bis 15 Menschen, die durch der 1877 gegründeten Friedhof auf Entdeckungstour gehen. Ein anderes Mal waren es aber auch schon 100 bis 200 Personen, sagt Rehkopf. Dann „nehmen wir eine Trittleiter mit, damit die Menschen einen verstehen.“ Einige der Besucher kämen sogar mehrmals. Die Menschen verhielten sich immer völlig unterschiedlich, erzählt der Pressesprecher: Manche trotteten nur so mit, andere plauderten mit Bekannten oder Fremden über die verstorbene Person.

Grab ist nicht gleich Grab

Es gibt verschiedene Arten von Führungen. Bei einigen werden die Lebensdaten der Verstorbenen vorgetragen, bei sogenannten literarischen Führungen Texte oder Briefe vorgelesen. Immer wird außerdem die „Art und Gestaltung der Grabstätte“ erklärt. Denn dabei gibt es einiges zu wissen. Auf dem Ohlsdorfer Friedhof gibt es unter anderem einen Teil nur für Frauen, Paargrabstätten, beeindruckende Mausoleen oder auch einen Rosengarten. Auch die Gräber von Menschen unterschiedlichster Religionen befinden sich unter den gut 260.000 Grabstätten. So können sich schon seit 1943 Muslime hier bestatten lassen. Seit 1998 sogar auch ohne Sarg, nur im Leintuch. Alle Gräber dieses Friedhofteils sind nach Mekka ausgerichtet.

Ein Hauch von Geschichte

Der Grund, warum so viele Menschen an die Stätten toter Berühmtheiten pilgern, sieht der Pressesprecher unter anderem darin, dass dort „ein Hauch von Geschichte“ wehe. Außerdem sei es ein „authentischer Ort, der einen mit einer besonderen Person verbindet.“ Er selbst verehre Wolfgang Borchert. An dessen Grab auf dem Friedhof bekomme er mehr das Gefühl für die Person, „als wenn man nur zu Hause sitzt und die Texte liest.“ Aber nicht nur das sind Gründe, sondern manchmal spiele auch einfach „Promigeilheit“ eine Rolle. „Aber was ist schlecht daran? Die Promis sind ein Vorbild. Hinter ihrer Prominenz steckt oft eine Lebensleitung, und so haben andere die Möglichkeit, an sie zu denken,“ findet Rehkopf, der heute selbst nur noch wenige wichtige Gruppen über den Friedhof führt. Kritik gäbe es heute, sagt er, nicht mehr: „Niemand hat mehr etwas gegen Friedhofsführungen einzuwenden.“

Die Angst vor dem Friedhof verlieren

Mit den Führungen will die Verwaltung „die Menschen auf den Friedhof holen.“ Aber eben schon vor dem Ableben. „Und sie sollen nicht erst kommen, wenn sie einer Trauerfall haben, sondern den Friedhof schon zuvor als positiven Ort begreifen und einen Trauerfall dadurch besser verarbeiten können“ so Rehkopf. Bis jetzt habe noch nie jemand den Park ungerührt verlassen.

Katharina Hamberger, Katharina Hamberger

Katharina Hamberger - Ich bin Journalismus-Studentin an der Hamburg Media School und arbeite auch als freie Journalistin. Geboren wurde ich in Bayern (Landkreis ...

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