Friedrich der Große und seine Baumeister

Zugang zur großen Hauptallee in Sanssouci  - Harald Rossa
Zugang zur großen Hauptallee in Sanssouci - Harald Rossa
König Friedrich II. war ein großer Bauherr mit ausgeprägten eigenen Vorstellungen und hohem Kostenbewusstsein. Viele Baumeister hatten es schwer bei ihm.

Der preußische König Friedrich II., wegen seiner erfolgreichen Feldzüge und der Vergrößerung seines Herrschaftsgebiets schon zu Lebzeiten als Friedrich der Große bezeichnet, hat während seiner Regierungszeit etliche Bauten errichten lassen. Sein wohl bekanntestes Werk ist das Sommerschloss Sanssouci.

Der Baumeister Friedrich II.

Friedrich mischte sich in verschiedener Hinsicht aktiv in das Baugeschehen ein. Nicht selten skizzierte er schon vorab, was seine Baumeister errichten sollten. Oder gab ihnen Vorlagen, an denen sie sich zu orientieren hatten, auf den Weg. Stilsicher war er auch. Die in der Kronprinzenzeit entwickelte Vorliebe für das Rokoko behielt auch der Alte Fritz bis an sein Lebensende. Daraus wurde eine eigene Stilrichtung, das friderizianische Rokoko, begründet. Dazu war er ein gestrenger Wächter über die Baukosten. Mit „viel Glanz für wenig Geld“ lässt sich seine Sparsamkeit am Bau wohl am treffendsten beschreiben. Denn er baute für seine Zeit und nicht für die Nachwelt. Doch die hat bis heute unter den teilweise riskanten Entscheidungen des Königs in Baufragen zu leiden.

Etliche Baumeister wirkten für Friedrich II. Einige wurden sehr bekannt. Über andere ist der Nachwelt kaum etwas übermittelt worden. Und einige trennten sich von ihm im Zorn. So verließen in der Zeit um 1764 mehrere führende Baubeamte Friedrichs mehr oder weniger überstürzt Preußen: unter ihnen Carl Ludwig Hildebrandt, Johann Georg Büring und Jean-Laurent Le Geay. Es wird vermutet, dass der König die aus Bayreuth nach Preußen strömenden Baumeister und Baukünstler den alten Mitarbeitern vorzog und ein Prozess einsetzte, der heute unter dem Stichwort „Mobbing“ vermerkt würde. Doch auch die Bayreuther um Carl von Gontard hatten unter dem Alten Fritz zu leiden.

Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff

1732 stieß Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff in Neuruppin zum Gefolge des Kronprinzen Friedrich. Er schuf für den Kronprinzen den Amaltheagarten mitsamt dem Tempel des Apollon und baute für ihn das Schloss in Rheinsberg um und aus. In Rheinsberg bereits beschäftigten sie sich mit Plänen für ein Forum Fridericianum in Berlin.

Für den jungen König baute Knobelsdorff die Oper Unter den Linden und den Neuen Flügel am Schloss Charlottenburg. Dann orientierte sich der König zunehmend nach Potsdam. Knobelsdorff baute das Stadtschloss samt Marstall um und schließlich das Sommerschloss Sanssouci. Er gestaltete Teile des Parks Sanssouci, wie den Eingang an der Hauptallee, nach dem Muster aus Rheinsberg.

Knobelsdorff ist wohl ein besonders wichtiger Künstler im Umfeld des Königs gewesen. Mit ihm entwickelte Friedrich seinen eigenen Stil, das friderizianische Rokoko. Und an dem hielt er bis ins hohe Alter weitgehend fest. Auch wenn sich ganz Europa schon auf den Klassizismus umgestellt hatte. Spätestens beim Schloss Sanssouci kam es allerdings zu Unstimmigkeiten zwischen Knobelsdorff und dem König. Dazu ließen die Kräfte seines künstlerischen Begleiters wegen Krankheit nach. 1753 starb Knobelsdorff. Andere Baumeister waren bereits in seine Fußstapfen getreten.

Johann Boumann

Jan oder Johann Boumann diente schon dem Soldatenkönig und baute das holländische Viertel. Etwa ab 1748 war er Oberbaudirektor in Potsdam und wirkte mit Knobelsdorff an der Entwicklung von Potsdam und Sanssouci mit. Dort ereilte ihn 1755 sein Schicksal. Von ihm zu verantwortende Wasserspiele hielten nicht, was versprochen wurde. Boumann fiel in Ungnade und wurde nach Berlin geschickt, wo er weiterhin mit Bauaufgaben wie der Hedwigskirche und der Erweiterung von Schloss Schönhausen befasst war.

Johann Georg Büring

Johann Georg Büring lernte das Bauhandwerk in Berlin und war unter der Leitung von Knobelsdorff in Sanssouci tätig. Nach einigen Jahren in Hamburg kehrte er auf Empfehlung von Carl Ludwig Hildebrandt 1754 nach Potsdam zurück. Hier plante er das Neue Palais und baute unter anderem die Bildergalerie und das Chinesische Haus im Park von Sanssouci. In der frühen Bauphase des Neuen Palais warf Friedrich II. ihm unkorrekte Bauabrechnungen vor und ließ ihn 1764 einsperren. Büring gelang dennoch die Flucht nach Kursachsen. Dort verlor sich 1788 die Spur des Baumeisters.

Jean-Laurant Le Geay

1745 kam Jean-Laurent Le Geay nach Berlin und bearbeite mit Knobelsdorff die Pläne für die St. Hedwigs Kirche in der Stadt. 1748 ging er nach Mecklenburg. 1756 wurde er nach Potsdam gerufen und wirkte neben Büring an den Plänen für das Neue Palais. Vor allem die Communs wurden von Le Geay entworfen. 1763 kam es zum Zerwürfnis mit Friedrich II. und Le Geay zog nach England.

Heinrich Ludewig Manger

1753 trat Heinrich Ludewig Manger als Kondukteur in Potsdam in königliche Dienste. 1763 wurde er zum Bauinspektor und 1775 zum Baudirektor ernannt. Er soll ebenfalls am Neuen Palais mitgearbeitet haben. Etliche Kasernenbauten, Bürgerhäuser und Kolonistenhäuser in Nowawes hat er erstellt und an der Erneuerung des Potsdamer Stadtkanals mitgewirkt. Dann warf Friedrich der Große ihm schlechte Geschäftsführung und Untreue vor und ließ ihn 1786 in Haft nehmen. Unter Friedrich Wilhelm II. wurde er als Garteninspektor der erste Chef über alle königlichen Gartenanlagen. Manger ist außerdem zu verdanken, dass etliche Bauakten der Zeit noch vorhanden sind. Und er veröffentlichte mehrere Werke über die königlichen Bauten.

Carl von Gontard

Nach dem Siebenjährigen Krieg fiel die Rolle des königlichen Hofarchitekten Carl von Gontard zu. Er kam 1764 nach Potsdam. Seine wichtigste Aufgabe war der Bau des Neuen Palais. Daneben errichtete er etliche kleinere Bauten im Park Sanssouci sowie viele Bürgerhäuser mit Palastfassaden in Berlin und Potsdam. Zu den Verschönerungen Potsdams unter Friedrich II. gehörte auch die barocke Umgestaltung des Militärwaisenhauses durch Gontard 1771. Weiter wirkte er bei der Gestaltung des 1770 erbauten Brandenburger Tors in Potsdam mit.

Doch sein persönliches Verhältnis mit Friedrich war gestört. Der König empfing ihn ab 1768 nicht mehr persönlich und ließ seine Anweisungen an ihn durch Georg Christian Unger überbringen. Ab 1779 war Gontard vorwiegend in Berlin tätig.

Carl Ludwig Hildebrandt

Sehr wenig ist über Carl Ludwig Hildebrandt bekannt. Er leitete von 1748 bis 1766 mit Johann Boumann den Bau des Palais für den Prinzen Heinrich, der als drittes Bauwerk des Forums Fridericianum in Berlin Unter den Linden entstand. Ebenfalls mit Johann Boumann baute er von 1753 bis 1755 das Alte Rathaus in Potsdam. Dazu lieferte ein nicht realisierter Entwurf für den Palazzo Angarano von Palladio die Vorlage für die Gestaltung der Fassaden. 1766 hat Carl Ludwig Hildebrandt Preußen heimlich verlassen und ließ sich als Zeichenlehrer in Graz nieder.

Georg Christian Unger

1763 kam Georg Christan Unger nach Potsdam. Auch er wirkte bei der Planung des Neuen Palais mit. Ab 1768 wirkte er als Bote zwischen Friedrich II. und Gontard und wuchs in die Rolle des führenden Hofarchitekten neben Gontard hinein. Seine wichtigen Werken waren unter anderem die Neuen Kammern, das Belvedere auf dem Klausberg, die Alte Bibliothek als Teil des Forums Fridericianum und die Fertigstellung der Kirchen auf dem Gendarmenmarkt.