Friedrich Schiller als Christ

Jubiläum – Der Dichterfürst wurde vor 250 Jahren geboren

Genialer Dichter: Friedrich Schiller - Stadt Jena
Genialer Dichter: Friedrich Schiller - Stadt Jena
Nur wenige wissen, dass Friedrich Schiller ursprünglich evangelischer Geistlicher werden wollte. Das Machtwort seines Fürsten hinderte ihn daran.

Einer der bedeutendsten Dichter und Dramatiker deutscher Sprache war Johann Christoph Friedrich (von) Schiller. 2009 begehen wir seinen 250. Geburtstag. Schiller entstammt einer Familie aus dem schwäbischen Protestantismus. Der folgende Text behandelt deshalb nicht Schillers literarische Bedeutung, sondern befasst sich mit seiner Religiosität und seiner Stellung innerhalb der Gesellschaft seiner Zeit.

Das erste Gedicht

„Bist du närrisch geworden, Fritz“? Die Frage von Johann Caspar Schiller an seinen Sohn Friedrich bezieht sich auf ein Gedicht, das der Knabe am Vorabend seiner Konfirmation geschrieben hat. Seine Mutter, Elisabeth Dorothea Schiller, hat ihn getadelt, weil er draußen auf der Straße fröhlich herumtobt anstatt sich mit dem nötigen Ernst auf die heilige Handlung vorzubereiten. Friedrich besinnt sich und verfasst sein erstes Gedicht, das allerdings verschollen ist. Es muss aber sehr fromm und voller Emotion gewesen sein, was seinen Vater zu der Bemerkung veranlasst hat.

Glaube und Liebe zur Poesie

Der junge Friedrich Schiller (geboren am 10. November 1759 in Marbach) ist sehr religiös. Er studiert eifrig an der Lateinschule seines Heimatortes Ludwigsburg, um später am Tübinger Theologenstift aufgenommen zu werden. Er fühlt sich zum evangelischen Geistlichen berufen.

Der junge Friedrich ist im Elternhaus zwei gegensätzlichen religiösen Stimmungen ausgesetzt: Sein Vater frönt einer streng rationalistischen Frömmigkeit, die sich in gesellschaftlichen Formen erschöpft. Die Mutter jedoch vermittelt den Kindern eine Religion des Herzens, die sich besonders bei Friedrich durchsetzt. Dieser Glaube und die Liebe zur Poesie prägen den Buben schon in frühen Jahren.

Schiller wird in die Militärschule gezwungen

Im Alter von dreizehn Jahren schreibt Friedrich Schiller eines seiner ersten Theaterstücke, „Die Christen“, das nicht erhalten ist. Kurz darauf wird sein Wunsch, Geistlicher zu werden, jäh zerstört: Der katholische Herzog Karl Eugen zwingt den Vierzehnjährigen (auch gegen den Willen der Eltern) zum Besuch der „Militärischen Pflanzschule“ auf Schloss Solitude bei Stuttgart, offiziell Karlsschule genannt.

Ausgangssperre und Essensentzug

Friedrich Schiller beginnt an der Karlsschule zunächst das Jurastudium. Große Erfolge scheint er darin nicht vorweisen zu können, denn er erhält keine der herzoglichen Auszeichnungen für herausragende Leistungen. Im Gegenteil: Schiller schnupft Tabak und liest zusammen mit anderen Schülern verbotene Schriften. Außerdem ist sein psychischer Zustand sehr labil, noch mit fünfzehn Jahren leidet er unter Bettnässen.

Von Jura zur Medizin

Im Jahre 1775 zieht die Karlsschule von Solitude in die Stuttgarter Innenstadt. Sie erhält zusätzlich eine medizinische Fakultät. Dem Herzog erscheint die Anzahl der Jurastudenten zu hoch, deshalb wirbt er für das Studium der Medizin. Eine günstige Gelegenheit für den jungen Schiller, das ungeliebte Jurastudium aufzugeben und das Fach zu wechseln. Nach nur kurzer Zeit verbessern sich seine Leistungen und schon nach wenigen Monaten gilt er als Klassenprimus.

Shakespeare, Voltaire, Rousseau, Goethe

An der medizinischen Fakultät hört Schiller Philosophievorlesungen bei Jakob Friedrich Abel, einem nur acht Jahre älteren Professor, der zunächst Theologie studiert, sich aber später dem Gedankengut eines Johann Gottfried Herder und eines Jean Jacques Rousseau verschrieben hat. Deshalb lehnt er die Stelle als Vikar eines Landpfarrers ab und entscheidet sich für eine wissenschaftliche Laufbahn.

Abel behandelt seine Studenten eher als Freunde denn als Schüler. Vor allem Schiller ist von ihm und seinem Gedankengut begeistert. Abel macht ihn mit den Dichtern des Sturm und Drang vertraut. Schiller vertieft sich in die Werke Klopstocks, Shakespeares, Voltaires, Rousseaus und Goethes.

Erkrankung an Malaria

Mittlerweile hat Schiller auch sein Studium beendet, sein Dissertationsthema lautet: „Versuch über den Zusammenhang der thierischen Natur des Menschen mit seiner geistigen“. Ein herzogliches Schreibverbot veranlasst Schiller schließlich zur Flucht aus Stuttgart. Er und Streicher setzen sich nach Mannheim ab, wo Schiller sein Drama „Die Verschwörung des Fiesco zu Genua“ vorlegt.

Nach einigen Irrungen findet Schiller schließlich Asyl bei Wilhelm von Wolzogen in Bauerbach. Hier vollendet er die „Luise Millerin“ (später umbenannt in „Kabale und Liebe“) und beginnt mit dem „Don Karlos“ (ursprüngliche Schreibweise). Nach der Rückkehr nach Mannheim erkrankt der Dramatiker am Sumpffieber, einer Form der Malaria, die damals dort noch wütet.

Freundschaft mit Goethe

Eine Reise nach Leipzig zu seinem Freund Christian Gottfried Körner rettet ihn aus einer finanziellen Notlage. Die „Ode an die Freude“ (vertont in Ludwig van Beethovens 9. Symphonie) entsteht. In Weimar trifft Schiller auf Herder und Christoph Martin Wieland und vertieft sich in die Werke Immanuel Kants. Eine erste Begegnung mit Johann Wolfgang von Goethe verläuft eher kühl. Als Schiller 1789 in Jena eine (undotierte) Professur als Historiker erhält, stellen sich erste Erfolge ein. Nun erlaubt ihm seine gesellschaftliche Stellung zu heiraten. Er und Charlotte von Lengefeld werden in der Jenaer Kirche getraut, die seitdem seinen Namen trägt. In Meiningen macht Herzog Georg I. Schiller zum Hofrat.

Erneut erkrankt der Dramatiker schwer: heftiger Husten, Zusammenbrüche, Ohnmachten. Offensichtlich leidet er an Tuberkulose, die er Zeit seines Lebens nicht mehr los wird. Die Französische Revolution beeindruckt ihn zunächst, als jedoch das Morden beginnt, wendet er sich voller Abscheu ab.

Allmählich entwickelt sich eine immer enger werdende Freundschaft mit Goethe. Das hält aber beide nicht ab, den jeweils anderen kräftig zu ärgern.

Kritik am christlichen Gottesbild

„Wallenstein“, „Maria Stuart“ und „Die Jungfrau von Orléans“ entstehen. Noch immer vor sich hin kränkelnd, vollendet er 1804 den „Wilhelm Tell“. Sofort beginnt er mit der Arbeit an „Demetrius“, den er allerdings nicht mehr fertig stellen kann. Friedrich Schiller stirbt am 9. Mai 1805 in Weimar.

Ist Schiller nach der Zwangseinweisung auf die Karlsschule noch längere Zeit eins mit den protestantischen Glaubensgrundsätzen, so ändert er seine Meinung mit zunehmendem Alter. Er kritisiert das christliche Gottesbild, denn es verurteilt seiner Meinung nach die Sinnlichkeit. Die christliche Kultur entfremde die Menschen von der Welt durch einen neuen Götzen, so seine Ansicht: die wissenschaftliche Vernunft. Gott selbst wirke nur im Inneren und, nach protestantisch-lutherischer Tradition, durch das Gewissen.

"Ode an die Freude"

Doch Schiller findet zurück zur christlichen Religion: In seiner „Ode an die Freude“ besingt er den „lieben Vater“, der „überm Sternenzelt“ wohne. Auch hält er nun das Christentum für die „einzige ästhetische Religion“. Schillers fast fanatischer Freiheitsdrang findet nun auch in seiner Religiosität Niederschlag, denn Freiheit ist ein wesentlicher christlicher Begriff. Wie schreibt Paulus in seinem Brief an die Galater?: „Zur Freiheit hat uns Christus befreit“.

Dr. Peter Baier, privat

Peter Baier - Dr. Peter Baier, Kurzbiographie: Geboren am 10. November 1957 in Ingolstadt. Dort humanistisches Gymnasium, Abitur. Studium der ...

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