
- Friedenskirche in Potsdam - Harald Rossa
Friedrich Wilhelm IV. war von 1840 bis 1861 König von Preußen. Zeitgenossen wie Historiker kommen zu sehr unterschiedlichen Urteilen über diesen König. Seinem Vater Friedrich Wilhelm III. war der Kronprinz wohl ein wenig unheimlich. Denn dieser Romantiker hatte ein Faible für das Mittelalter und träumte von der Wiederherstellung der ständischen Ordnung früherer Jahrhunderte und verfocht aus Überzeugung die Idee des Gottesgnadentums der Monarchen. Andere sahen und sehen in Friedrich Wilhelm IV. vor allem den Künstler auf dem Thron. Wohl kein anderer preußischer König hat sich so intensiv mit der Kunst und der Architektur beschäftigt wie er. Viele Bauten hat er selbst skizziert und von seinen Baumeistern, allen voran Ludwig Persius und Friedrich August Stüler, realisieren lassen.
Dann wird ihm das Scheitern der Einigung Deutschlands im Zuge der Märzrevolution von 1848 vorgehalten. Die deutsche Kaiserkrone aus den Händen des Volkes musste er als preußischer König von Gottes Gnaden ausschlagen. So wurde erst sein Bruder und Nachfolger Wilhelm I. nach drei Einigungskriegen zum Einer des kleindeutschen Reiches. Dann war Friedrich Wilhelm im Alter schwer krank. Nach mehreren Schlaganfällen war er in seiner kognitiven Leistungsfähigkeit erheblich eingeschränkt. Und litt wohl auch unter Depressionen. Er legte in dieser Phase die Regierungsgeschäfte in andere Hände und beauftragte seinen Bruder Wilhelm mit der Regentschaft. Und gönnte sich eine Reise in den Süden wie einst in seiner Jugend.
Kindheit und Jugend
Friedrich Wilhelm kam am 15. Oktober 1795 zur Welt. Seine Eltern waren der damalige Kronprinz und spätere König Friedrich Wilhelm III. und dessen Gattin Luise von Mecklenburg-Strelitz. Ein Einschnitt im Leben des Kronprinzen war die Niederlage der preußischen Armee gegen die Truppen Napoleons in der Schlacht bei Jena und Auerstedt am 14. Oktober 1806. In der Folge floh die königliche Familie nach Ostpreußen. Der junge Kronprinz erlebte in dieser Zeit erstmal die Verantwortung, die mit der Führung eines Landes verbunden war. Erzieher des Kronprinzen war zunächst Friedrich Delbrück. Der wurde von Jean Pierre Frédéric Ancillon abgelöst. Der bleib bis an sein Lebensende ein wichtiger Vertrauter des Kronprinzen. Als junger Mann wurde Friedrich Wilhelm als schüchtern und zurückhaltend bezeichnet. Er war umfassend gebildet und entwickelte eine große Neigung zu Kunst und Architektur. Daneben wurde er zu einem Romantiker, der mittelalterlichen Idealen folgen wollte.
Heirat
Am 29. November 1823 heirateten der Kronprinz Friedrich Wilhelm und Prinzessin Elisabeth Ludovika von Bayern. Diese Vermählung kam trotz konfessioneller Schwierigkeiten zustand. Denn Elisabeth wollte nicht zum Protestantismus konvertieren. Der preußische König konnte aber eine katholische Kronprinzessin nicht akzeptieren. Es kam zu dem Kompromiss, dass Elisabeth ihre Konfession zunächst behalten sollte. Sie verpflichtete sich aber zu Unterweisungen in den protestantischen Glaubenslehren. Schließlich trat sie dann zum reformierten Bekenntnis der Hohenzollern über. Über die Beziehung zwischen Friedrich Wilhelm und Elisabeth wurde nur Gutes berichtet. Die Ehe blieb kinderlos.
Regierungszeit von 1840 bis 1861
Friedrich Wilhelm IV. folgte 1840 seinem Vater auf dem Thron Preußens. Er beendete die restaurative Politik seines Vaters und schloss einen Burgfrieden mit der katholischen Kirche. Auch durften die Altlutheraner sich zu ihrem Glauben bekennen. Viele Todesurteile hob er auf. Die Demagogenverfolgung endete und etliche Liberale kamen wieder in Freiheit. Nur auf die Zensur der Presse mochte er nicht verzichten. Die bürgerliche Revolution von 1848 überstand er mit Geschick und List. Ab 1850 war er trotz einer nun erlassenen Verfassung praktisch wieder absolutistischer Herrscher über Preußen. Mehr zu diesen Themen bietet der Beitrag „Friedrich Wilhelm IV.: die wichtigen Ereignisse seiner Regierung“.
Der Bauherr Friedrich Wilhelm IV.
Schon als Kronprinz wirkte Friedrich Wilhelm, wie schon sein Idol Friedrich II., als Architekt beim Schloss Charlottenhof und den römischen Bädern mit. Mit Ludwig Persius und Friedrich August Stüler fand er zwei Baumeister, die seine Ideen meist teilen konnten und die Wünsche des Königs Friedrich Wilhelm IV. umsetzten. So begann der König mit der Schöpfung eines preußischen Arkadiens um Potsdam.
Das lange Leiden ab 1857
1857 erlitt Friedrich Wilhelm IV. mehrere Schlaganfälle. Sprachstörungen und andere Folgen schränkten seine kognitiven Leistungen deutlich ein. Seine Frau Elisabeth Ludovika von Bayern überzeugte ihn davon, dass er am 7. Oktober 1858 seinen Bruder Wilhelm I. als Regenten einsetzte. Der König und seine Gattin starteten mit großem Gefolge eine große Tour durch Europa. Friedrich Wilhelm besuchte noch einmal die Orte, an denen er sich in der Jugend künstlerische Anregungen holte. Sein Vertrauter und Hofarchitekt Stüler begleitete ihn und hielt in Skizzen die besuchten Bauten fest. Höhepunkt der Reise war ein Treffen mit dem Papst.
Tod und Bestattung
Am 2. Januar 1861 starb Friedrich Wilhelm IV. nach einem weiteren Schlaganfall im Schloss Sanssouci zu Potsdam. In seinem Testament hatte er verfügt, dass er in der Friedenskirche in Potsdam beigesetzt wird. Sein Herz sollte zuvor aus dem Körper entnommen und im Mausoleum im Park des Schlosses Charlottenburg vor den Sarkophagen seiner Eltern Friedrich Wilhelm III. und Luise beigesetzt werden. Womit er den schon lange gepflegten Kult um die früh verstorbene Königin Luise noch mal kräftig förderte. Sein Bruder folgte ihm als Wilhelm I. auf den preußischen Thron und wurde 1871 deutscher Kaiser.
Mehr über Friedrich Wilhelm IV.
- Ludwig Dehio: Friedrich Wilhelm IV. von Preußen Zusatz: ein Baukünstler der Romantik. Hrsg. von Hans-Herbert Möller. Mit einem Nachwort zur Neuausgabe von Goerd Peschken. Verlag Gebr. Mann Berlin 2001, 143 Seiten, ISBN 978-3786123569
- Gerd Bartoschek: Das Vermählungsalbum von 1823. Zeichnungen deutscher Künstler in Italien für das das preußische Kronprinzenpaar; 127 Seiten, zahlreiche Illustrationen, Neue Auflage der Ausgabe von 1976 zur Ausstellung „Das Vermählungsalbum von 1823“, Herausgegeben von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg Potsdam 2008, ISBN 3-910068-22-7
- Evelyn Zimmermann und Silke Kreibich: Von Bayern nach Italien. Skizzen einer Reise Friedrich Wilhelms IV. und seines Architekten Stüler; 80 Seiten, zahlreiche Illustrationen, Katalog zur Ausstellung „Von Bayern nach Italien“ vom 4. August bis 31. Oktober 2007, Herausgegeben von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg Potsdam 2007, ISBN 3-910068-05-7
- Peter Krüger und Julius H. Schoeps in Verbindung mit Irene Diekmann (Hrsg.): Der verkannte Monarch. Friedrich Wilhelm IV. in seiner Zeit; 460 Seiten, Verl. für Berlin-Brandenburg Potsdam 1997, ISBN 3-930850-67-2
