
- Triumphtor in Potsdam - Harald Rossa
Schon als Kronprinz beschäftigte sich Friedrich Wilhelm mit Kunst und Architektur. Seine Kenntnisse auf diesem Feld wurden auch in Fachkreisen anerkannt. Als junger Mann mischte er sich in Bau- und Kunstprojekte ein und diskutierte mit den bekannten Baumeistern Karl Friedrich Schinkel, Friedrich August Stüler und Ludwig Persius, den Gartenkünstlern Peter Joseph Lenné und Hermann von Pückler-Muskau sowie den Bildhauern Christian Daniel Rauch und Johann Gottfried Schadow.
Die Sehnsucht nach Italien
Friedrich Wilhelm beschäftigte sich intensiv mit der Architektur der Antike und der Renaissance. 1928 gestatte sein Vater ihm eine Reise durch Italien. Dort konnte er seine architektonischen Vorbilder intensiv studieren. Er strebte dann an, die Formen der Antike und der Renaissance im „Preußischen Arkadien“ rund um Potsdam umzusetzen.
Der Kronprinz als Bauherr und Planer
Sein Vater hielt den Kronprinzen finanziell ziemlich kurz. Seine jüngeren Brüder Wilhelm und Carl errichteten sich in Babelsberg und Glienicke Sommerresidenzen beachtlicher Größe. Friedrich Wilhelm ließ sich ab 1826 im Park Sanssouci ein Gutshaus in das vergleichsweise bescheidene Schloss Charlottenhof umbauen. Als Architekten waren Karl Friedrich Schinkel und Ludwig Persius tätig.
1829 begann der Bau der Römischen Bäder im Park Sanssouci, die der Kronprinz mit Schinkel und Persius bereits 1826 mit geplant hatte. Der Bau dieses romantischen Ensembles zog sich hin. Erst 1839 war es fertig.
Ab 1826 wurde die Burg Stolzenfels am Rhein bei Koblenz als Sommersitz wieder aufgebaut. Englische Neugotik und Schinkels Romantik vereinen sich in dem Bauwerk. Der Rittersaal wurde nach dem Vorbild der Marienburg bei Danzig gestaltet. Das Umfeld des Schlosses schuf der Gartenarchitekt Peter Joseph Lenné. 1842 konnte Friedrich Wilhelm IV. das Haus, ein Inbegriff der Burgenromantik, beziehen.
Friedrich Wilhelm gehörte zu den großen Bewunderern seines Vorgängers Friedrich II. So begann er 1830 gemeinsam mit Schinkel mit der Planung einer Triumphstraße für sein Idol durch den Park von Sanssouci. Nach Schinkels Tod trieb Persius die Planungen weiter voran. Aber erst 1850 begannen konkrete Arbeiten im Rahmen dieses Projektes.
König Friedrich Wilhelm IV. als Bauherr
Ludwig Persius und Friedrich August Stüler waren schon für den Kronprinzen tätig. Persius kümmerte sich für den König intensiv um die Verschönerung von Potsdam durch den Bau von italienisch anmutenden Stadtvillen, die Villa Schöningen bietet ein Beispiel dafür, mit den typischen Türmen. Stüler ernannte er 1842 zum Architekten des Königs.
Nach Plänen von Stüler und Hesse entstand ab 1843 das neugotische Jagdschloss Letzlingen in Anlehnung an die Tudorarchitektur am Rand der Colbitz-Letzlinger Heide.
Große Werke schob der junge König im Rheinland an. So sicherte er die Finanzierung des Weiterbaus des Kölner Domes und ließ die Kirche des Zisterzienserklosters in Altenberg wieder aufbauen. Dieser „Bergische Dom“ wird auf Order von Friedrich Wilhelm IV. bis heute als Simultankirche von der katholischen und protestantischen Gemeinde genutzt.
Friedrich Wilhelm IV. ließ viele Kirchen in Preußen errichten. Etliche wurden als Basilika mit Campanile ausgeführt. Einige Beispiele dafür sind:
- Heilandskirche in Sacrow von 1844
- St. Jacobikirche von 1845 in Berlin-Kreuzberg
- Kirche St. Matthäus von 1846 im Kulturforum in Berlin-Tiergarten
- Friedenskirche von 1854 im Park Sanssouci
- Kirche von 1847 in Birkenwerder, Landkreis Oberhavel
- Kirche von 1852 in Caputh
- Umbau der Dorfkirche in Bornstedt 1856 nach italienischen Vorbildern
- Erweiterung der Kirche St. Johannis in Berlin-Moabit um Portikus, Säulengang, Pfarrhaus und Kirchturm 1857
- Evangelische Trinitatiskirche von 1860 in Köln
- Dorfkirche Stolpe am Stölpchensee im heutigen Ortsteil Wannsee von Berlin von 1859
Begonnen, aber nicht zu Ende gebaut, wurde ein Neubau für den Berliner Dom in der Form einer romanischen Basilika.
Dazu kamen etliche Kirchen in neugotischen Formen. Beispiele dafür werden in dem Beitrag „Friedrich August Stüler: seine Sakralbauten“ genannt.
1843 begann der Bau des Neuen Museums auf der Museumsinsel in Berlin. Das konnte 1855 eingeweiht werden. Stüler errichtete hier einen Leichtbau unter Einsatz modernster Techniken und begründete damit seinen Ruhm als Meisterarchitekt.
Das ehemalige Dampfmaschinenhaus vom Park Sanssouci gleicht äußerlich einer Moschee. Es wurde von Persius geplant und versorgte ab 1843 den Park Sanssouci. 100 Jahre nach ihrer Planung funktionierten dort die Wasserspiele endlich so, wie Friedrich der Große sie gern gesehen hätte.
Zwischen 1847 und 1863 entstand das Belvedere auf dem Pfingstberg. Die ursprünglichen Planungen wurden nur teilweise umgesetzt.
1850 gliederte Friedrich Wilhelm IV. die Fürstentümer Hohenzollern-Sigmaringen und Hohenzollern-Hechingen als Regierungsbezirk Hohenzollerische Lande in Preußen ein. In diesem Jahr begann auch der Bau der Burg Hohenzollern. Der romantische Zeitgeist und den verklärten Vorstellungen des Königs von der mittelalterlichen Ritterwelt fanden hier zusammen. In Stein wurde das Repräsentationsbedürfnis der Hohenzollern mit ihrer prunkvollen Stammburg gemeißelt. 1867 weihte Wilhelm I. den Bau ein.
1851 entsteht mit dem Triumphtor am Mühlenberg in Potsdam der Ausgangspunkt der von Friedrich Wilhelm IV. geplanten Triumphstraße über die Bornstedter Höhen des Parks Sanssouci. Vom Weinberg und vorbei an Schloss Sanssouci bis zum Belvedere auf dem Klausberg sollte dieser Weg führen. In diesem Jahr beginnt auch der Bau des Orangerieschlosses. Das war das gewaltigste Bauprojekt in der Regierungszeit von Friedrich Wilhelm IV. und wurde nach seinem Tod 1864 fertig.
Als letztes Projekt begann 1858 der Bau des Schlosses Lindsteddt nördlich des Neuen Palais. Es war vermutlich als Alterssitz geplant. Doch wurde es erst nach seinem Tod fertig.
Friedrich Wilhelm IV. und das Schloss Sanssouci
Ab 1840 nutzte das Königspaar endgültig die Gästezimmer in Sanssouci. Das vorhandene Mobiliar blieb in den Räumen und wurde bei Bedarf durch Stücke aus friderizianischer Zeit ergänzt oder ersetzt. Es war beabsichtigt, das unter Friedrich Wilhelm II. umgestaltete Sterbezimmer Friedrichs des Großen in seinen ursprünglichen Zustand zurück zu versetzten. Doch authentische Darstellungen und Entwürfe gab es nicht. So wurde nur der Sterbesessel 1843 an seinen alten Platz zurück gebracht.
Das Schloss war zu dieser Zeit dank der friderizianischen Eile und Sparsamkeit ein Sanierungsfall. Vor allem die Seitenflügel samt Wirtschaftsräumen waren in einem schlechten Zustand. Ludwig Persius erarbeitete Pläne für die Seitenflügel mit den Gestaltungselementen des Wenzeslaus von Knobelsdorff. Diese wurden bis 1742 durch Ferdinand von Arnim verlängert und um ein Mezzaningeschoss erhöht. Die Räume im westlichen Seitenflügel wurden im Stil des friderizianischen Rokokos gestaltet. Der östliche Seitenflügel nahm Küche und Wirtschaftsräume auf.
Nach schwerer Krankheit starb Friedrich Wilhelm IV. am 2. Januar 1861 im Schloss Sanssouci. Sein Nachfolger Wilhelm I. stoppte die ehrgeizigen Bauprojekte seines Bruders und ließ nur fertig stellen, was schon begonnen war. Seine Witwe Elisabeth Ludovika von Bayern war die letzte Bewohnerin des Schlosses Sanssouci.
