Friedrich-Flick-Gymnasium Kreuztal

Eine Schule mit einem belasteten Namen

Die Schule trägt den Namen eines Kriegsverbrechers - biba-bildbank/kmHoefer
Die Schule trägt den Namen eines Kriegsverbrechers - biba-bildbank/kmHoefer
Das Gymnasium im Kreis Siegen-Wittgenstein ist nach einem Kriegsverbrecher benannt. Alle paar Jahre wird das thematisiert.

Friedrich Christian Flick besitzt eine der größten und teuersten privaten Kunstsammlungen. Flick stammt aus einer der reichsten Familien Deutschlands, ist Enkel von Friedrich Flick. Das Geld für die Kunstsammlung habe Enkel Flick aber selbst verdient, sagt er. Großvater Friedrich Flick war der einst reichste Mann Deutschlands, wurde als Kriegsverbrecher verurteilt, weil er jüdischen Besitzern enteignete Firmen in seinen Konzern einverleibte. Fest steht auch, dass der Flick-Konzern im Dritten Reich Zwangsarbeiter beschäftigte. Entschädigungen hat Friedrich Flick dafür nie gezahlt. Die Kunstausstellung des Enkels und die Schuld des Großvaters - ein in den vergangenen Wochen viel diskutiertes Thema. Nicht jedoch in der Heimatstadt von Friedrich Flick. In Kreuztal im Siegerland gibt es sogar ein Gymnasium, das nach ihm benannt wurde. Auch dafür hat Flick Geld gegeben. Doch anrüchig findet das in seiner Heimat kaum jemand. Eher noch sind alle genervt über die erneute Diskussion.

Glücksfall für die Stadt

Das Jahr 1968 war für die Stadt Kreuztal ein Glücksfall - davon gehen auch Jahre später noch die Verantwortlichen aus. Stadtrat Horst-Helmut Siebel: "Unser Gymnasium wäre nicht oder zumindest nicht zu dem damaligen Zeitpunkt entstanden, wenn es nicht die Startspende von drei Millionen damals gegeben hätte." Friedrich Flick, der Industrielle, im Dritten Reich und in der Bundesrepublik der reichste Mann Deutschlands, aber auch der von einem amerikanischen Militärgericht verurteilte Kriegsverbrecher, schenkte seiner Heimatgemeinde eine Schule - und die bedankte sich bei Flick dafür, dass sie dem Gymnasiusm seinen Namen gab. Siebel: "Er hat hier in seiner Heimatgemeinde auch eine Menge Gutes bewirkt." Davon sind viele Kreuztaler überzeugt. Volkstümlich sei er gewesen, umgänglich, den einfachen Menschen zugetan, erinnern sich einige Ältere an den betagten Senior, der noch in den sechziger Jahren zu Weihnachten oder an anderen hohen Feiertagen seine Heimat besuchte. Siebel weiter: "Er hat sich darüber hinaus engagiert bei der Ausgestaltung der Kreuztaler Friedhofskapelle und auch bei der Evangelischen Kreuzkirche, so dass man daraus sicherlich schließen kann, dass er seiner Heimatstadt eine gewisse Verbundenheit entgegengebracht hat."

Flick-Stiftung hilft Schülern

Horst-Helmut Siebel verwaltet die Flick-Stiftung, die Schüler des Gymnasiums unterstützt, mit 3.000 bis 4.000 Euro im Jahr - eigentlich ziemlich wenig im Vergleich zu dem Reichtum, den Flick im Laufe seines 90-jährigen Lebens angehäuft hat. Dass ihre Schule nicht nach Goethe, Schiller oder etwa den Widerstandskämpfern Graf Stauffenberg oder den Geschwistern Scholl, sondern nach einem Kriegsverbrecher benannt ist, spielt für die meisten Schüler des Flick-Gymnasiums keine Rolle. "Ich habe mich selber noch nicht so damit befasst; es besteht jetzt kein so großes Interesse, dass ich mich damit auseinandergesetzt hätte", sagt der 17-jährige Johannes. Seine Mitschülerin Iris: "Sie heißt so, und das hat für die meisten auch keine Bedeutung." Und Fragen finden sie nur nervig. "Die werden von den meisten als lästig empfunden."

Auch Schulleiter Hoß will nicht mehr als sonst üblich über Friedrich Flick diskutieren. "In Kreuztal oder in unserer Schulgemeinde ist das kein Thema. Ich persönlich sehe keinen Grund, wegen einer Kunstausstellung, die umstritten ist, in die Schule Unruhe hineinzutragen."

Verantwortungsvoll mit Geschichte umgehen

„Der Name der Schule ist Anlass, sich verantwortungsbewusst der Gesamtheit der deutschen Geschichte zu stellen", heißt es im Schulprogramm des Gymnasisums. Alle paar Jahre gibt es eine Projektwoche zu dem Thema, jedes zehnte Schuljahr sieht einen Film über Friedrich Flick. Studiendirektor Gerhard Sprenger kann schon verstehen, dass viele Schüler nicht mehr über den Namensgeber diskutieren wollen. Andererseits macht mich das betroffen, dass relativ viel Indifferenz trotz allem diesem Namen gegenüber steht. Weil die meisten der Schüler schon der Meinung sind, dass der Name keine besondere Bedeutung hat für sie, für ihr Schulleben und für ihre Einstellung zu dieser Schule."

Unfair gegenüber Geldgeber?

"Er hat drei Millionen für dieses Gymnasium gespendet, deswegen ist es auch nach ihm benannt worden. Es wäre unfair ihm gegenüber, es dann anders zu benennen", sagt der 17-jährige Rouven. Doch muss man „fair" gegenüber einem Kriegsverbrecher sein? "In Anbetracht der Tatsache, was er da getan hat und dass er sich geweigert hat, Reparationen zu zahlen, ist es natürlich ein Knackpunkt. Ich finde trotzdem, man solllte die Geschichte jetzt mal ruhen lassen."

Positiver Aspekt: Diskussion der Vergangenheit

Seinen Namen wird das Friedrich-Flick-Gymasium auf absehbare Zeit wohl behalten. Für Studiendirektor Sprenger ein Ärgernis, aber auch eine Herausforderung: "Der Name Friedrich Flick- Gymnaisum kann ja auch eine Aufgabe sein, kann ein Grund dafür sein, diese Vergangenheit zu diskutieren und dazu Stellung zu nehmen und zu Stellungnahmen aufzufordert. Das kann auch ein positiver Aspekt dieses Namens sein."

Klaus Martin Höfer, Robert Frie

Klaus Martin Höfer - Freier Rundfunk-, Print- und Online-Journalist. Ich beschäftige mich mit Hochschul-, Bildungs-, Wissenschafts- und ...

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