Friedrich-Glauser- und Martin-Preise 2009

Die fünf begehrten Krimipreise wurden auf der Criminale vergeben

Preisträger - www.das-syndikat.com
Preisträger - www.das-syndikat.com
Der Glauser-Preis und der Hansjörg-Martin-Preis zählen zu den begehrtesten Auszeichnungen der deutschsprachigen Kriminalliteratur.

Auf dem „Tango Criminale“, der Abschlussgala der Criminale, dem größten Festival deutschsprachiger Krimiautoren, vergab die Jury des Syndikats die diesjährigen fünf Krimipreise. Seit 1987 werden die Auszeichnungen vom Syndikat, die Autorengruppe deutschsprachige Kriminalliteratur, alljährlich im Rahmen der Criminale vergeben. Die 23. Criminale fand heuer erstmals länderübergreifend in der Region Singen-Schaffhausen statt, 265 Krimiautoren aus Deutschland, der Schweiz und Österreich nahmen daran teil.

Der Glauser-Preis wird in den Kategorien Kurzkrimi, Romandebüt, Roman und Lebenswerk verliehen, mit dem Martin-Preis wird der beste Kinder- und Jugendkrimi ausgezeichnet. Die Jury setzt sich aus den Vorjahrespreisträgerinnen und -preisträgern sowie aus namhaften Kriminalschriftstellerinnen und -schriftstellern aus den Reihen des Syndikats zusammen. Die Preisgelder werden von den mittlerweile über 500 Mitgliedern des Syndikats selbst aufgebracht.

Die Preisträger der Friedrich-Glauser-Preise 2009

Der Glauser-Preis ist nach dem gebürtigen Wiener Schriftsteller Friedrich Glauser benannt, der in der Schweiz lebte und 1938 in Italien starb. Er gilt als Vater des deutschsprachigen Kriminalromans, weil er sich als erster ernsthaft mit diesem Genre befasste.

In der Sparte "Roman" ging der mit 5.000 Euro dotierte Preis an die Kriminalschriftstellerin Gisa Klönne für ihren Kriminalroman "Nacht ohne Schatten", erschienen im Ullstein Verlag. Kommissarin Judith Krieger und ihr Kollege haben es in ihrem dritten Fall mit einem erstochenen S-Bahn-Fahrer, einem bei lebendigem Leib verbrannten Lokalbesitzer und zwei misshandelten Frauen zu tun. Alles deutet auf einen Täter hin, der Frauen hasst. Die Jury: "Gisa Klönne zeichnet in ihrem Roman ein düsteres und beklemmend aktuelles Bild der Welt, in der wir leben. […] Konsequent und mutig geht Gisa Klönne bis an die Schmerzgrenze dessen, was ein Autor seinen Lesern zumuten kann. Dank der poetischen Kraft ihrer Sprache gelingt es ihr immer wieder, die Schönheit und das heilende Potential der scheinbar unscheinbaren Nichtigkeiten des Lebens in einer von Menschen deformierten Welt aufscheinen zu lassen."

Bestes Debüt von Lucie Klassen

In der Kategorie "bestes Debüt“ erhielt die Kriminalschriftstellerin Lucie Klassen für ihren Kriminalroman "Der 13. Brief“, erschienen im Verlag Grafit die mit 1.500 Euro dotierte Auszeichnung. Es geht darin um Lila Ziegler, Tochter eines Oberstaatsanwaltes, die ihren Eltern zuliebe in Bielefeld Jura studieren soll. Aber Lila hasst den Traum ihres Vaters, aus ihr eine Anwältin zu machen. Auf dem Weg zur Uni gibt sie einer inneren Eingebung nach und landet in Bochum, wo sie bei dem Privatdetektiven Ben Danner einen Schlafplatz findet und sich in dessen Fall einmischt. "Lucie Klassen gelingt es, einen erkennbar klassischen Ermittlerkrimi sehr kreativ zu variieren und dabei eine Menge frischen Wind in das Arsenal der Klischeesituationen zu bringen", so die Jury.

In der Sparte "Kurzkrimi“ wurde die Kriminalschriftstellerin Judith Merchant für ihren Kurzkrimi "Monopoly“ aus "Money. Geschichten von schönen Scheinen", erschienen im Verlag Johannes Heyn, ausgezeichnet. Der Preis ist mit 1.000 Euro dotiert. Es geht darin um die Geschichte einer gekränkten Frau, die zu blutiger Rache schreitet. "Doch was Judith Merchant daraus macht, ist furios und messerscharf: Wie ein Wirbelwind stürmt ihre Protagonistin voran, mit nichts als einem roten Mantel bekleidet", so die Begründung der Jury.

Den Friedrich-Glauser-Ehrenpreis der Autoren 2009 für besondere Verdienste um die deutschsprachige Kriminalliteratur erhielt der in Köln lebende Kriminalschriftsteller Hans Werner Kettenbach.

Christian Linker erhielt den Hansjörg-Martin-Preis 2009

Dieser Krimipreis ist nach Hansjörg Martin benannt, der 1920 in Leipzig geboren wurde und 1999 auf Mallorca verstarb. Er war einer der bekanntesten deutschen Kriminalschriftsteller. Die Auszeichnung ist mit 2.500 Euro dotiert und wird von einer Jury von Autorinnen und Autoren sowie Kindern und Jugendlichen vergeben.

Der Hansjörg-Martin-Kinder- und Jugendkrimipreis 2009 geht an den Schriftsteller Christian Linker für seinen Jugendroman "Blitzlichtgewitter“, erschienen bei dtv. Der Schriftsteller zeigt darin die Gefahren der Mediengesellschaft auf. Gar zu nachlässig setzen die Jugendlichen Informationen und Bilder ins Netz und schrecken nicht vor Slappingfilmen zurück, die ohne Skrupel Opfern jegliche Würde nehmen. Aus dem Juryspruch: "Der Leser durchlebt mit Fabian einen wahren Alptraum. […] Christian Linkers Jugendroman macht deutlich, wie schnell die schöne neue Welt der Technik und der Medien sich verselbstständigen und zu einem Fluch werden kann.“

Weitere Informationen zu den einzelnen Preisträgern sowie die ausführlichen Begründungen der Jury können auf der Website des Synikats nachgelesen werden.

Ilona Mayer-Zach, Sabine Windsor

Ilona Mayer-Zach - Geboren in Graz, Wahlwienerin. Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaften; Medienkundlicher ...

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