Frisch auf den Müll und die Welt hungert

Lebensmittelmüllberge - www.daserste.de
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Die Hälfte aller in den Industriestaaten produzierten Lebensmittel landet im Müll und trotzdem hungern nun eine Milliarde Menschen.

Das System der industrialisierten Landwirtschaft zeigt sein wahres Gesicht nicht erst durch immer neue Skandale, sondern schon auf allen Welthungergipfeln und den Konferenzen der Welthandelsorganisation (WTO). Die gigantische Überproduktion an Lebensmitteln der westlichen Welt, überschwemmt die Welt und ist leider die Ursache für den Hunger von nun einer Milliarde Menschen, obwohl über 50% dieser Nahrung auf dem Müll landet.

Ein nicht nachhaltiges System frisst sich selbst auf

Jean Ziegler, UN-Kommissar für das Recht auf Ernährung, legt seit über zehn Jahren aller Welt die Zahlen vor, dass nämlich auf dieser Erde Lebensmittel im Überfluss produziert werden und trotzdem alle drei Sekunden ein Kind an Hunger stirbt. Das industrielle System des Westens, dass Massen produzieren muss, um rentabel zu sein und damit die Erzeugerpreise stabil bleiben können, zerstört automatisch global die gesamte kleinbäuerliche Landwirtschaft. Diese jedoch ist für die Ernährung der Weltbevölkerung unerlässlich, abgesehen davon, dass die industriell erzeugten Lebensmittel derart ungesund sind, dass eine Vielzahl von Krankheiten in Industrieländern auf die Ernährung, den Verzehr dieser Massenprodukte zurückzuführen sind.

Es gibt keinen vernünftigen Grund, dieses System der Landwirtschaft weiter zu betreiben

Selbst die Agrarminister in der EU beginnen darüber nachzudenken, ob nicht die Landwirtschaft in den letzten 40 Jahren in eine falsche Richtung gegangen ist. Wenn sie etwas für ihre Landwirte tun wollen, müssen sie das industrielle System verändern, am Besten ganz aufgeben. Wenn sie etwas für die Verbraucher tun wollen, müssen sie ihnen wieder gesunde Lebensmittel zur Verfügung stellen. Wenn sie etwas für die Umwelt tun wollen, müssen sie eine bäuerliche, ökologische Landwirtschaft fördern.

Die Lebensmittel im Discounter sind gar nicht billig

Geiz ist geil ist eine der verbreiteten Lügen der Werbung, die das völlig verrückte System am Leben halten. Werden alle Subventionen der Agrarhaushalte in der EU gestrichen, werden die wirklichen Kosten der Lebensmittel zu Tage treten und den Verbrauchern bewusst werden. Die Differenz zwischen dem Ladenpreis und den wirklichen Kosten zahlen sie nämlich über ihre Steuern. Dazu gehören sogar die Zahlungen für Entwicklungshilfe und ihre jährlichen Spenden für die Hunger-Bekämpfungsaktionen.

Die Lebensmittel- und Agrarindustrie wirbt mit dem Hunger für ihre Produkte

Die Agrarchemie behauptet, nur durch den Einsatz von noch mehr Düngemitteln, Insektiziden und Pestiziden oder Genveränderter Saat könne der Hunger in der Welt bekämpft werden. Wahr ist, dass genau der Verzicht auf all diese Produkte dazu führt, dass die Landwirtschaft global gesunden kann und wieder an allen Orten der Welt die Menschen dort ernährt. Wenn die Konserven aus der EU und den USA in den Läden der dritten Welt verschwinden, können die lokalen Landwirte wieder existieren, ihre Produkte verkaufen, die schon versteppten Äcker regenerieren und langfristig den Hunger eliminieren.

Eine ökologische und am Bedarf orientierte Landwirtschaft benötigt viel weniger Fläche

Zahllose Studien der EU haben gezeigt, dass in Europa mindestens 35% der landwirtschaftlichen Fläche bei Beibehaltung der Produktivität nicht benötigt werden. Kehrt man zu einer bedarfsgerechten Produktion zurück, vermeidet also, dass die erzeugte Nahrung nicht mehr im Müll landet, sonder verzehrt wird, reduziert sich die benötigte Ackerfläche in der EU auf weniger als 50%. Bioland und Demeter hatten schon in den 80er Jahren ermittelt, dass bei einer völligen Umstellung auf Biolandwirtschaft die Hälfte der Ackerflächen in der EU genutzt werden können, um andere Rohstoffe anzubauen, für Bekleidung und andere nachwachsende Rohstoffe.

Die Kornkammern Afrikas produzieren Rosen für den Westen

Die fruchtbaren Flächen in Afrika, Asien und Lateinamerika werden von Großkonzernen gekauft oder auf 99 Jahre gepachtet und der lokalen Landwirtschaft entzogen. Auf diesen Flächen werden dann nicht etwa Lebensmittel angebaut, die in den jeweiligen Ländern den Hunger lindern könnten, nein, es werden zum Beispiel auf riesigen Plantagen in Äthiopien Rosen für den Weltmarkt angebaut. Gleichzeitig werden an den Börsen Preise für Nahrungsmittel so verfälscht, dass sie nichts mehr mit dem eigentlichen Wert zu tun haben.

Nur die Ausschaltung der Industrie kann die Ernährungskrisen lösen

Auf der grünen Woche in Berlin 2011 bekennen sich erstmals öffentlich Vertreter der Bauernverbände, ja sogar die Landwirtschaftsministerin zu einer dringend erforderlichen Kehrtwende in der Erzeugung von Nahrungsmitteln. Ob nach diesen blumigen Versprechungen auch noch der Mut bleibt, die erforderlichen Schritte zu vollziehen bleibt abzuwarten. Letztlich müssen die Verbraucher in Europa und den USA es in die Hand nehmen und nicht nur dann, wenn wieder neue Skandale ans Licht kommen nach ökologisch erzeugten Lebensmitteln verlangen. Die gesamte Landwirtschaft in Europa kann auf ökologischen Landbau umgestellt werden, auf ein nachhaltiges Wirtschaften. Die finanzielle Entlastung für die Mitgliedsländern wird immens sein, da die Steuermittel nun für sinnvolle Maßnahmen eingesetzt werden können und alle Ernährungswissenschaftler jubeln, weil die Volksgesundheit allein durch das Verschwinden von Allergien und Ernährungsbedingten Krankheiten enorm zunehmen könnte.

Volker Marx, Volker Marx

Volker Marx - Nach dem Abitur (1973) Studium der Germanistik, Philosophie und Musik in Göttingen (1974 bis 1976). Dann gehörte ich bis 1981 ...

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