
- Deutsche Meisterschaft der Friseure - ZV Friseurhandwerk
Ihre Homepage sei ein Thema, das sie sich immer wieder vornehme, sagt Kirsten Ellen Vietze. Denn schließlich lebe ihr Salon auf der Friedrichstraße in Berlin-Mitte auch vom „Friseurtourismus“. Es gebe viele Kunden, die ihren Berlinbesuch nutzen, um zum Friseur zu gehen. „Und die suchen im Internet nach einem passenden Salon“, sagt die Vizeweltmeisterin i.T. von 1994. Seit 2002 hat die „Kirsten Ellen Vietze Friseur & Kosmetik GmbH“ eine Homepage, erstellt von einem Semi-Profi aus dem Bekanntenkreis. So soll es auch bleiben, auch wenn momentan an einem Relaunch gefeilt wird. Die Texte schreibt Vietze selbst, mit einer Kundin zusammen. „Das Ganze soll nicht zu aufwendig werden, aber auf jeden Fall die Möglichkeit bieten, mit uns per E-Mail in Kontakt zu treten. Das entlastet vom Beratungsaufwand am Telefon“, sagt Vietze.
Zu viel Geld für Werbung
Nicht als Ent- sondern als Belastung würde Sven Reitmeyer eine eigene Homepage empfinden. „Seine Homepage muss man permanent aktualisieren, dafür habe ich keine Zeit“, sagt der 46-Jährige. In Wesel kennt man ihn, er ist seit 25 Jahren vor Ort. Der 100-qm-Salon mit drei Vollzeitkräften, vier Azubis und einer Rezeptionistin ist gut ausgelastet. „Ich setze auf Mund-zu-Mund-Propaganda, für Werbung wird ohnehin viel zu viel Geld ausgegeben“, meint der Intercoiffeur. Auch seine Kundschaft hält er nicht unbedingt für internetaffin. Und weil er selbst sich wenig mit den elektronischen Kommunikationsformen auskennt, fürchtet er sich sogar vor einem Imageschaden, zum Beispiel durch unfreundliche Kommentare über seinen Salon, die irgendwo unlöschbar gepostet werden könnten. Auffindbar mit Anschrift und Telefonnummer ist sein Salon über die gängigen Adressenportale – mehr braucht Reitmeyer nicht.
Professionelle Internet-Agentur beauftragen
„Es ist heute schon fast unseriös, nicht im Internet vertreten zu sein“, hält Thomas-Armin Mathes dagegen. Es komme eben darauf an, ob sich der Friseur als Unternehmer begreift: „Ein Unternehmer braucht die Homepage unbedingt als Plattform.“ Mathes hat sich zusammen mit Thomas Mück unter der Marke Tom/CO 1996 selbstständig gemacht, von Anfang an mit Salon und Seminarangeboten. Inzwischen ist das Unternehmen auf vier Salons gewachsen und um einen Shop-Bereich erweitert worden. „Je umfangreicher die Unternehmensdarstellung im Internet, umso zwingender müssen Homepage-Aufbau und –Pflege in professionelle Hände gegeben werden“, sagt Mathes. Denn im Vordergrund müsse die Aktualität stehen. Newsletter, Twitter, Facebook, Verknüpfungen? „Na klar, ich muss in Kontakt mit meiner Außenwelt treten, muss schauen, dass ich für Nachwuchs sorge“, findet der Friseurmeister. Als oberster Grundsatz gilt für ihn, dass man mit seinen Angeboten und vor allem mit sämtlichen Kontaktdaten schnell auffindbar ist. Das gelte es schon beim Seitenaufbau zu beachten. Und die Sprache, und die Zugriffszahlen und –zeiten, und die Verweildauer der Besucher, und, und, und… Für den 48-Jährigen kein Problem. TOM/CO hat diese Arbeit in die Verantwortung einer professionellen Internetagentur gelegt.
Homepage-Baukasten zum Selberbauen
Hildegard Deniz vertraut dagegen nur auf sich selbst – und auf das bei ihrem Internetanbieter zur Verfügung stehende Tool (deutsch: Werkzeug) zum Selberbauen einer Homepage. „Wenn man sich ein wenig auskennt, ist es selbsterklärend“ sagt die 39-Jährige. Sie findet es sehr gut, dass es für Kleinunternehmer, die sich eine teure Agentur nicht leisten können, dieses Angebot gibt. Seit die Homepage fertig ist, investiert Deniz nur noch etwa eine Stunde im Monat, um aktuelle Änderungen vorzunehmen. „Mittlerweile habe ich Erfahrung und weiß, welche Informationen notwendig sind.“ Von den etwa 1.500 Kundennamen in der Salonkartei von „Cutters“ nutzt ein Drittel die Homepage des Salons, um sich über Sonderangebote, Aktionen oder darüber zu informieren, wann der Lieblingsstylist im Salon anzutreffen ist. Denn der Kölner Szene-Salon ist täglich bis 22 Uhr geöffnet, die 13 Mitarbeiter arbeiten quasi im Schichtdienst. „Für gute Friseure ist die eigene Homepage ein Muss“, sagt Deniz selbstbewusst.
Das ist auch Martina Acht inzwischen bereit zu glauben. Sie sei 2005 von einer Mitarbeiterin quasi zur eigenen Salon-Homepage gezwungen worden. „Ich habe mich überhaupt nicht damit beschäftigt, aber dann hat mir das Ergebnis gut gefallen“, sagt die Top-Stylistin und Weltmeisterin i.T.. Im vorigen Jahr fand eine Web-Designerin, Achts Internetauftritt sei zu männlich. Abermals also ein Anstoß von außen, der den Anlass für weitere Überlegungen gab. „Die meisten jungen Frauen machen sich im Internet ein Bild von mir, und viele glauben, dass eine so bekannte Stylistin zu teuer für sie sei. Deshalb werden auf der neuen Homepage auch Preise und Öffnungszeiten genannt, um ihnen die Schwellenangst zu nehmen“, erzählt die Offenbacherin. An Facebook müsse sie sich aber noch herantasten, bekennt sie freimütig.
Internet als Bewerbungsplattform
Was Martina Acht allerdings wundert, ist, dass viele junge Leute, die sich bei ihr um einen Ausbildungsplatz bewerben, das Internet nicht nutzen, um sich vorab über die potenzielle zukünftige Arbeitgeberin zu informieren. „Vielleicht erwarten sie ja nicht, dass auch Friseurbetriebe eigene Homepages haben“, meint sie. Thomas-Armin Mathes ist in dieser Beziehung knallhart: „Bei Bewerbern setze ich voraus, dass sie unsere Homepage als Informationsquelle nutzen. Wenn ich im Gespräch feststelle, dass nicht, landen diese Bewerber im Auswahlstapel ganz hinten.“
Vielleicht ist das ein wichtiger Aspekt für diejenigen, die das Internet (noch) nicht als Werbeplattform für eine Branche entdeckt haben, die Trendsetter hervorbringt und sich modisch gerne einen Schritt voraus sieht: Die Friseure von morgen müssen’s einfach auch elektronisch drauf haben!
