Frösche und Kröten in Gefahr

Ein Pilz löst weltweites Amphibiensterben aus

Grünfrosch - Frank Hollenbach
Grünfrosch - Frank Hollenbach
Rätselhafte Todesfälle traten Mitte der 1980er Jahre bei Fröschen in Costa Rica auf. Seit 1998 kennt man die Ursache: Batrarchochytrium dendrobatidis, der Chytridpilz.

Ungefähr 5.800 Amphibienarten sind heute bekannt. In tropischen Ländern werden fast täglich neue Arten entdeckt, so dass Schätzungen bei 8.000 Arten liegen. Frösche, Kröten, Unken, Molche und Salamander zählt man zu den Amphibien.

Gefahren drohen ihnen durch Verschmutzung von Seen und Teichen, Pestizide, Straßenverkehr und der Vernichtung von Laichgewässern. Die neue Gefahr lauert jedoch durch eine Pilzkrankheit. In den letzten 25 Jahren sind bereits 34 Arten ausgestorben. Nun sind weltweit Amphibien gefährdet, die von diesem Chytridpilz befallen sind.

Wie kam es zur Erkrankung?

Begonnen hatte es in Mittelamerika, genau genommen in Costa Rica mit der artenreichen Fauna und Flora. Erste unerklärliche Todesfälle traten bei Amphibien auf. 1998 wurde der Übeltäter entdeckt, der Chytridpilz, der Frösche und Kröten befällt. Wahrscheinlich wurde er durch den Afrikanischen Krallenfrosch verbreitet. In einem Museumsobjekt dieses Frosches aus dem Jahr 1938 konnte der Pilz nachgewiesen werden. Von Mittelamerika begann nun die Ausbreitung des Chytridpilzes über alle Kontinente. In Europa traten erste Fälle in Großbritannien, Spanien, Italien, Schweiz und Deutschland auf.

Krankheitsbild bei Amphibien

Die Haut ist das wichtigste Organ der hauptsächlich im Wasser lebenden Tiere. Über die Haut nehmen sie Flüssigkeit, Mineralien und Sauerstoff auf, Abfallstoffe werden über die abgegeben. Hier greift genau der Pilz an. Er zerstört das Strukturprotein Keratin. Es treten Hautveränderungen auf, die Haut wird milchig, stumpf. Die Amphibien werden lethargisch, verweigern die Nahrungsaufnahme, bleiben lange im Wasser, häuten sich oft. Am Ende drohen die Tiere zu ersticken. Die Krankheit verläuft jedoch unterschiedlich stark. Faktoren durch die Klimaänderung, Stress und Kombination mit anderen Erregern begünstigen den Ausbruch der Krankheit. Einige Arten können anscheinend mit dem Pilz leben oder werden gar nicht erst befallen. Symbiotische Bakterien auf der Haut verhindern offenbar die Infektion.

Forschungsprojekte

Wissenschaftler haben weltweit die "Amphibien-Arche" ins Leben gerufen. Bereits im Jahr 2000 sammelten Forscher um Karen Lips, Universität Southern Illinois, Amphibien ein, um sie in Zoos zu behandeln und in Quarantäne zu halten. Weitere stark gefährdete Arten werden so gesammelt und wenn nötig behandelt. Ungefähr 500 Arten werden beobachtet und mit Pilzmittel behandelt, sofern sie schon erkrankt sind. In Quito, dem Zoologischen Museum der Ponificia Universidad Catolica del Ecuador hat Luis Coloma und Santiago Ron eine Zuchtstation für jetzt 16 Arten aufgebaut. Geplant sind die Kapazitäten für 100 Arten. Gerade in den tropischen Ländern ist der Artenschwund durch den Pilz dramatisch. Teilweise werden Hunderte Tiere dahingerafft. Auch bei Terrarientieren ist die so genannte Chytridiomykose die häufigste Todesursache.

Ausblick

Noch weiß man zu wenig über die Ursachen des Pilzbefalls. Interessanterweise werden die Larven der Frösche und Kröten, die Kaulquappen nicht befallen. Arten, die gegen den Pilz immun sind, könnten vielleicht helfen, eine Art Impfschutz herzustellen. Sie besitzen Hautbakterien, die die Immunabwehr mobilisieren helfen. Auch Laien können helfen, indem sie bei Schutzaktionen Tiere untersuchen lassen und Auffälligkeiten im Verhalten an die zuständigen Stellen melden. (Quellen: National Geographic Mai 2009, 130 ff und NABU).

Sabine Wirth, Fotostudio Balsereit, Hahnenstr. 2, 50667 Köln

Sabine Wirth - 1979-1985 Studium der Vor- und Frühgeschichte, Geologie und Geographie in Bonn und Marburg/L. Tätigkeit in Museen und in der ...

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