Frombork (Frauenburg): Domburg des Erzbischofs von Ermland

Domburg Fromburk - Harald Rossa
Domburg Fromburk - Harald Rossa
Der gotische Frauenburger Dom des Erzbistums Ermland steht in einer stark befestigten Kirchenburg oberhalb des Frischen Haffs.

Der Frauenburger Dom, auch Kathedrale Mariä Himmelfahrt und St. Andreas (Bazylika Archikatedralna Wniebowziecia Najswietszej Maryi Panny i sw. Andrzeja Apostola) ist die Kathedrale des Erzbischofs von Ermland. Der residiert inzwischen allerdings in Olsztyn (Allenstein) und nutzt die dortige Kirche St. Jakobus als Konkathedrale.

Der Dom steht oberhalb des Ortes Frauenburg innerhalb einer Burganlage. Diese kann, denn die Kathedrale ist das wichtigste Bauwerk innerhalb der Burgmauern, als Kirchen- oder Domburg bezeichnet werden.

Geschichte des Frauenburger Doms und der Domburg

Im 14. Jahrhundert wurde mit dem Bau der Domburg und des Domes oberhalb von Frauenburg begonnen. Der Dom entstand nach einheitlichem Plan zwischen 1329 und 1388 errichtet. Die 99 Meter lange Hallenkirche bis heute äußerlich weitgehend im ursprünglichen Zustand erhalten.

Von 1329 bis 1342 wurde der lang gestreckte Chor mit geradem Abschluss errichtet, Er zeigt noch deutlich die Formen vom Ende des 13. Jahrhunderts. Sein Innenraum erscheint in den Formen der klassischen westeuropäischen Gotik mit Sterngewölben und Dienstebündel bis zum Boden.

Das dreischiffige Langhaus entstand etwa zwischen 1355 und 1380. Nur an den Außenwänden gibt es Konsolen gestützte Dienste. Die Sterngewölbe des Mittelschiffs stützen sich direkt auf die Kapitelle der massiven achteckigen Pfeiler.

Jüngster Bauteil ist die reich ausgestaltete Vorhalle im Westen. Sie entstand etwa zwischen 1380 und 1388. Hier gibt es ein großes Portal aus gotländischem Kalkstein und eine mit Heiligenfiguren geschmückte Archivolte.

Um den Dom entstand bis in das 15. Jahrhundert eine massive Befestigung mit drei Toren, zahlreichen Türmen und Basteien. In dem Areal der Domburg „Castrum Dominae Nostrae“ entstanden Wohnhäuser für die Domherren und den Bischof. An die Innenseite der Burgmauern wurden im Lauf der Jahrhunderte verschiedene Gebäude angebaut. Die meisten waren Fluchtresidenzen von Domherren.

Im Südosten der Domburg steht das im letzten Krieg zerstörte ehemalige Palais des Bischofs. Dies ließ der Bischof Mauritius Ferber 1536 bauen. Der gotische Bau brannte 1945 aus. Zwischen 1965 und 1970 wurde er wieder aufgebaut und für Ausstellungsräume des Museums genutzt. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht das Andenken an Nikolaus Kopernikus.

Der Frauenburger Dom hat wie die Kirchen der Zisterzienser keinen Turm. Seine 4 Ecktürme dienten auch als Wachtürme. Im 17. Jahrhundert wurde der heute als Radziejowski-Turm bezeichnete allein stehende Glockenturm errichtet.

Im 18. Jahrhundert wurde die barocke Salvatorkapelle angebaut. Ihre Kuppel ist mit Fresken von Matthias Johann Meyer geschmückt.

Außerhalb des durch Mauern abgeschlossenen Domareals gab es im Westen der Domburg Gebäude der Kurie. Etliche dieser schönen und von Gärten umgebenen Bauten noch erhalten. Allerdings sind sie in ihrem Erscheinungsbild erheblich verändert worden.

Die Ausstattung des Frauenburger Doms

Innen präsentiert sich der Dom heute in einer barocken Ausstattung. Der spätbarocke Hauptaltar aus grauem und schwarzem Marmor wurde 1752 aufgestellt. Das Altarbild „Die Aufnahme Mariä in den Himmel" sowie das ovale Bild darüber, das den Kirchenpatron Andreas darstellt, stammt von dem Dresdner Hofmaler Stefan Torelli.

Besonders berühmt ist die vom Danziger Orgelbaumeister Daniel Nitrowski 1682 geschaffene Orgel. Alljährlich zieht im Sommer ein Festival der Orgelmusik mit Gastspeilen international bekannter Musiker hier statt.

Das älteste Stück im Frauenburger Dom ist das Rundbild des 1426 verstorbenen Domherrn Bartholomäus Borschow. Das bietet ein Beispiel der Malerei des so genannten Schönen Stils, unter böhmischem Einfluss. Noch erhalten ist der der ehemalige fünfflügelige Hochaltar, der 1504 im Auftrag des Bischofs Lucas Watzenrode von einer Werkstatt in Thorn geschaffen wurde. In seinem Zentrum steht eine Darstellung der Empfängnis Mariens. Die Seitenflügel zeigen Bilder der Kirchenväter. Er steht heute im Nordschiff des Langhauses.

Nikolaus Kopernikus und der Frauenburger Dom

Nikolaus Kopernikus (polnisch Mikolaj Kopernik, weitere Schreibweise Nicolaus Copernicus) lebte von 1513 bis zu seinem Tode 1543 als ermländischer Domherr überwiegend in Frauenburg. Der Wissenschaftler ist einer der Begründer des heliozentrischen Weltbildes.

Im Nordwesten der Domburg steht ihr ältester Turm. Der wird heute „Kopernikusturm“ genannt, denn in ihm hatte der Gelehrte seine Wohn- und Arbeitsräume. In seinem unteren Stockwerk dieses Turms wurde ein Raum als Arbeitszimmer eines Gelehrten aus der Zeit des Kopernikus eingerichtet. Die übrigen Räume des Turmes dienen Wechselausstellungen.

Kopernikus wurde im Frauenburger Dom beigesetzt. Doch seine Grabstätte im Dom geriet schnell in Vergessenheit. Archäologen bargen 2005 Skelettreste, die mit hoher Wahrscheinlichkeit die von Kopernikus sind. Im Dom erinnern eine Gedenktafel aus dem 18. Jahrhundert sowie eine Büste an Nikolaus Kopernikus

Die Domburg in Frauenburg heute

Heute gehört der Dom der katholischen Kirche. Der Rest der Domburg gehört dem Staat, der auch das Nikolaus-Kopernikus-Museum betreibt. Die Ausstellungsräume des Museums befinden sich im ehemaligen Bischofspalast sowie im Kopernikusturm und Radziejowski-Turm. In diesem befinden sich heute ein kleines Planetarium und darüber ein Foucaultsches Pendel. In einer Höhe von 70 Metern über dem Meeresspiegel gibt es eine Aussichtsplattform. Die bietet einen Überblick über das Frische Haff bis zur Frischen Nehrung und in die bewegte Moränenlandschaft der Elbinger Höhen im Park Krajobrazowy Wysoezyzny Elblaskie.

Mehr zum Frauenburger Dom

  • Gerhard Reifferscheid: Der Dom zu Frauenburg. Ermländische Kathedrale über dem Frischen Haff. Bischof-Maximilian-Kaller-Stiftung Münster 1984 (Ostpreußische Kirchen, Ermland 3), 978-3922727170

Quellen

  1. Gemeinde Frombork
  2. Ostpreußen.net
  3. Ordensland.de: Frauenburg
  4. Nicolai Copernici Musaeum Fromborgense
  5. Kazimierz Kolakowski: Die Pruzzen. Ostpreussen, Masuren und Ermland. Ohne Ort. 2011