Die ersten Frühblüher im Jahr sind die Schneeglöckchen. Wer kennt ihr Geheimnis? Schneeglöckchen halten wie alle Blumen jedes Jahr ihren Winterschlaf. Doch sie sind die vorwitzigsten. Die ersten Schneeglöckchen zeigen sich manchmal schon, wenn der letzte Schnee noch nicht geschmolzen ist - auch nach der winterlichen Kältewelle. Bei den vorhergesagten moderaten Frühlingstemperaturen lugen die langen schmalen Blätter schon früh aus der winterlichen Erde, der Frühling ist noch weit entfernt und schon streckt sich – hervorgelockt von einigen Sonnenstrahlen - auch der zarte weiße Blütenkelch hervor. Weshalb kann das Schneeglöckchen das, was andere Blütenpflanzen in der kalten Jahreszeit nicht fertigbringen? Und wie schaffen es die Schneeglöckchen, die frostigen Nächte zu überstehen?

Frühblüher: Das Geheimnis der Schneeglöckchen

Ihr Geheimnis liegt in ihrer eigenen Natur. Im Grunde sind es sogar zwei Geheimnisse. Zum einen werden die zarten milchigweißen Blüten von einem festen Hochblatt geschützt, wenn sie austreiben. Zum andern bringt es der Frühblüher fertig, es sich selbst schön warm zu machen: mit der sogenannten „Biowärme“. Die beträgt 8 bis 9 Grad und wird von dem einzigartigen Schneeglöckchen in eigener Produktion hergestellt. Mit dieser Eigenwärme schafft es die Pflanze, sogar den Schnee in ihrer Umgebung rundherum zum Schmelzen zu bringen. Durch diesen genialen biologischen Trick der „Schneeglöckchen-Heizung“ ist gleichzeitig dafür gesorgt, dass die Pflanze bewässert wird. Auch die Kälte der Nacht schreckt das Schneeglöckchen nicht. Wunderbarerweise werden die Blütenglöckchen einfach wieder geschlossen und die Pflanzenstängel legen sich nachts an den Boden, um sich bei den nächsten Sonnenstrahlen wieder 15 Zentimeter hoch aufzurichten und die Glöckchen erneut zu öffnen.

Frühling: Ameisen verbreiten das Schneeglöckchen

Das wilde Schneeglöckchen, das ursprünglich aus dem Kaukasus kommt, ist trotz seiner wundersamen Fähigkeiten, der Kälte zu trotzen, selten geworden. In Deutschland ist es geschützt und darf nicht gepflückt oder gesammelt werden. Zur sogenannten "Schafskälte" um den 11. Juni herum haben sich die Pflanzen wieder in die Erde zurückgezogen. Ein wenig geheimnisvoll ist die Art und Weise, wie Schneeglöckchen verbreitet werden. Wenn die Blüten verblüht sind und die Samen sich herausbilden, werden sie von Ameisen gesammelt. Sie fressen das Fruchtfleisch der Samenkapseln. Indem es wieder ausgeschieden wird, werden die Schneeglöckchen weiter verbreitet. Je nachdem, wo die Ameise gerade herumläuft, tauchen dann plötzlich an ganz anderen Stellen die ersten Frühlingsboten wieder auf.

Blütenpflanzen: Begeisterte Sammler von Schneeglöckchen

Inzwischen werden die beliebten weißen Blümchen auch gezüchtet und sind überaus begehrt. Bekannte Zuchtformen sind etwa Schneeglöckchen mit grünen Spitzen, besonders üppig gefüllten Blütenkelchen, stark duftende Sorten oder großblumige. Geradezu enthusiastisch sind vor allem die Engländer mit ihren legendären Schneeglöckchen-Ausstellungen in Wisley, wo seltene Sorten zu horrenden Preisen gehandelt werden. In großen Reisebussen erscheinen Besucher aus ganz Europa inzwischen auch zur beliebten Sammlerbörse im rheinischen Nettetal, wo die Schneeglöckchen auch getauscht werden können. Eine eng verwandte Art sind die sogenannten Märzenbecher, die auch als Frühlingsknotenblume bekannt sind. Etwas später folgen weitere Frühblüher wie der beliebte Elfenkrokus, der Winterling und das zauberhafte Himmelsschlüsselchen.