
- Typisch für Holland sind Windmühlen - Reinhard Hefele
Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Zumindest aus nord- und westdeutscher Sicht ist es nicht weit in die Niederlande. Warum nur immer spötteln über die Wohnwägen mit holländischen Kennzeichen, die auf deutschen Autobahnen in Richtung Süden unterwegs sind ? Warum nicht einmal die Reise-Richtung umdrehen aus deutscher Sicht?
Keukenhof, die größte Blumenschau der Welt
Das kleine Nachbarland mit 16,5 Millionen Einwohnern hat einiges zu bieten, besonders jetzt im Frühling. Den Keukenhof bei Lisse nördlich von Leiden müsste man eigentlich zu den modernen Weltwundern zählen, wenn zwischen März und Mai Millionen Tulpen in allen Farben blühen. Dazu kommen fast ebenso viele Hyazinthen, Narzissen, Krokusse, Lilien, Gladiolen. Es ist auf 60 Hektar die größte Blumenschau der Welt, ein Klassiker im niederländischen Tourismus, wie der neue Polyglott-Reiseführer „Niederlande on tour“ schreibt. Rund sieben Millionen Blumenzwiebeln werden dort angeblich jedes Jahr von Hand gepflanzt, in wechselnden Farbteppichen. Ein El Dorado für alle Fototouristen, aber keine Empfehlung für Pollen-Allergiker.
Das Fahrradparadies
Hinfahren mit dem Auto und dann Umsteigen aufs Fahrrad – das ist fast ein Muss in den Niederlanden. 45.000 bestens gepflegter Fahrradwege, die sogenannten Fietspade, machen das Land zu einem Paradies für Radler. Es gibt nicht nur Angebote, Fahrräder kostengünstig zu mieten, es gibt sogar Waschanlagen extra für Drahtesel, von guten topografischen „Fietskarten“ ganz zu schweigen. Die Autoren, eine Reiseleiterin, ein niederländischer Reisebuchverfasser und ein Reisejournalist, haben alles rund ums Rad zusammen getragen. Sehr sinnvoll etwa die Anlaufadresse für „Schlafen bei Radfreunden“ . Dort erhält man reichlich Tipps für preisgünstige Unterkünfte mit Frühstück. Oder die Daten zu einem Veranstalter, der Radtouren mit Hausbootfahrten verbindet. Noch so eine wunderbare Verbindung aus Abenteuerurlaub und Erholung: ein Hausboot mieten!
Grachtenidylle und Windmühlenromantik
Wasser, das Meer und das Rheinmündungsdelta, die Grachten, sie dominieren das Land an der Nordsee. Ein Viertel des Landes liegt unter dem Meeresspiegel. Die holländischen Ingenieure sind führend im Deichbau und in der Landgewinnung, dem Meer abgerungen. Imposante Beispiel ist der Afsluitdijk, der das riesige Ijsselmeer vom Wattenmeer abschließt. Viele erinnern sich noch, als bei Flutwarnung vor ein paar Jahren sich die riesigen Stahltore am Hafeneingang von Rotterdam schlossen. Eine Hafenrundfahrt in der zweitgrößten Stadt der Niederlande ist ein Erlebnis, besonders für Familien mit Kindern. Amsterdam, die größte Stadt, bezeichnet der Reiseführer als Dreisterne-Sehenswürdigkeit mit seiner spektakulären Architektur aus fünf Jahrhunderten an den Grachten, mit 100 Museen, 1.000 Cafes und Bars.
Feierbiests und gute Küche
Es gibt so viel zu sehen und zu erleben in den Niederlanden, da reicht ein Oster-Ausflug nicht. Im Sommer locken die herrlichen, langen Sandstrände, kinderfreundlich obendrein. Nur ein zweites Mal vergibt der Polyglott drei Sterne für Kinderdijk im Naturschutzgebiet, für die 19 Mühlen aus dem Jahr 1740, die im Süden von Rotterdam der Welt größten Mühlenkomplex bilden und von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde.
Die Niederländer, die Oranjes, wie sie sich auch nennen, sind ein fröhliches Volk und können feiern und gut essen. Die niederländische Küche ist eine herzhafte Küche, die schon am Morgen mit einem deftigen Frühstück beginnt. Unübertroffen die Fischspezialitäten, die Muscheln, Austern und besonders ab Mai der Hering. Nirgendwo schmeckt er so gut wie dort, einfach am Schwanz gepackt, durch einen Zwiebelhaufen gezogen, den Kopf zurückgelegt und dann abgebissen – köstlich. Und dann die Apfelkuchen mit Sahne oder die Pannekoeken in unglaublichen Variationen, dazu zu jeder Tages- und Nachtzeit eine starke Tasse Kaffee.
Egon Boesten, Siggi Weidemann, Dirk Sievers, Christine Rettenmeier: Polyglott on tour. 148 Seiten. 9.95 Euro, mit herausnehmbarer Karte. Polyglott Verlag München 2010. ISBN 978-3-493-55706-0
