Die Frühsommer-Meningoenzephalitis, auch Zeckenenzephalitis oder zentraleuropäische Enzephalitis genannt, ist eine Virusinfektion, welche durch Zecken übertragen wird. Besonders Kinder sind beim Spielen im hohen Gras gefährdet und sollten deshalb in Risikogebieten geimpft sein. Kommt es zum Ausbruch der Krankheit, kann sie zu einer Entzündung von Gehirn und Hirnhäuten und im weiteren Verlauf auch zu Lähmungen und Tod führen.
Epidemiologie: Erreger, Vorkommen und Übertragung der FSME
Verursacht wird die FSME durch das FSME-Virus, welches, wie etwa auch das West-Nil-Virus, zu den Flaviviren zählt. Es gehört dort zur Untergruppe der Arboviren, auch arthropod borne viruses genannt, als welche Viren bezeichnet werden, welche durch Zecken, Mücken oder Vögel verbreitet werden. Als Überträger des FMSE-Virus fungiert vor allem die Schildzecke, auch Ixodes ricinus oder gemeiner Holzbock genannt. Als Wirt für das Virus dienen hingegen hauptsächlich Kleinsäugetiere wie Mäuse, Igel oder Maulwürfe. Von diesen wird das Virus dann über die Zecke auf den Menschen übertragen.
FSME kommt vor allen in Gebieten in Süddeutschland etwa Bayern und Baden-Württemberg vor. Außerdem in Österreich, der Schweiz, in Osteuropa einschließlich Russland sowie in Skandinavien vor allem in Schweden. Das Virus ist in diesen Gegenden allerdings unterschiedlich stark vertreten, die genauen und aktuellen Daten sind, vor allem für Deutschland, auf der Seite des Robert-Koch-Institutes einzusehen.
Ist eine Zecke einmal mit dem FSME-Virus infiziert, so bleibt sie ihr Leben lang Überträger. Durch ihren Biss überträgt sie neben dem Virus auch anästhesierende Substanzen in den Organismus des Betroffenen, weswegen der Stich meistens nicht bemerkt wird. Eine weitere Möglichkeit der Übertragung des Virus besteht durch Rohmilch, insbesondere Kuh-, Schaf- und Ziegenmilch. Diese Art der Übertragung kommt allerdings nur sehr selten vor.
Symptome und Komplikationen bei FSME
Eine Infektion mit dem FSME-Virus bleibt in bis zu 70% aller Fälle ohne Symptome. Besonders bei Kindern sind Krankheitsausbrüche seltener als bei Erwachsenen und der Verlauf der Erkrankung ist bei ihnen in der Regel auch leichter. Für die Krankheit besteht ein zeitlicher Höhepunkt im Frühjahr, besonders in den Monaten Mai und Juni, sowie ein zweiter Höhepunkt im September.
Bei 30% der Fälle kommt es aber zum Auftreten von Symptomen. Die Inkubationszeit, also der Zeitraum zwischen Infektion und Auftreten der ersten Symptome, beträgt dabei 2-14 Tage. Die häufigsten Anzeichen einer FSME-Infektion sind zunächst grippeähnliche Symptome wie Fieber, Muskel- und Gelenksschmerzen sowie Abgeschlagenheit, welche 3-4 Tage anhalten.
In weiterer Folge kommt es meist zu einem symptomlosen Intervall von etwa einer Woche, nach welchem hohes Fieber bis über 40°C und Infektionen des Nervensystems auftreten können. In 60% der Fälle bildet sich eine Meningitis, eine Entzündung der Hirnhäute, in 30% eine Meningoenzephalitis, eine Entzündung von Gehirn und Hirnhäuten und in 10% der Fälle eine Meingeoenzephalomyelitis, eine Entzündung von Gehirn, Hirnhäuten und des Rückenmarks. Anzeichen, vor allem für die Myelitis, sind unter anderem Fieber, Erbrechen, Nackensteifheit und Kopfschmerzen. Diese Phase dauert meist 1-2 Wochen an.
Als Folge vor allem bei einer Entzündung des Gehirns und Rückenmarks, kann es 5-10 Tage nach Abfiebern zu Lähmungserscheinung insbesondere der oberen Extremitäten kommen, die denen der Kinderlähmung ähneln. Auch können, insbesondere bei älteren Menschen, Psychosen und Koma auftreten. Die Letalität, also die Sterbehäufigkeit, liegt bei einer FSME-Infektion mit Entzündung des Gehirns bei etwa 1%.
Therapie und Impfung bei FSME-Infektion
Eine Therapie gegen das FSME-Virus gibt es nicht. Die Behandlung erfolgt somit symptomatisch, also auf Linderung der Symptome und Komplikationen gerichtet. Da die Gabe, insbesondere von fiebersenkenden Medikamenten in diesem Fall nicht ganz ungefährlich ist, sollte für die Therapie immer ein Arzt zu Rate gezogen werden.
Als Schutz vor einer FSME-Infektion existiert ein Totimpfstoff. Dieser besteht aus nicht mehr vermehrungsfähigen FSME-Viren und führt im Organismus zur Bildung von Antikörpern. Dieser Vorgang wird auch als aktive Immunisierung bezeichnet. Geimpft werden sollten hauptsächlich Personen, welche in Risikogebieten leben oder einen längeren Aufenthalt in diesen Gebieten planen. Der Impfstoff wird in einer dreimaligen Gabe verabreicht und bietet erst nach der dritten Impfung einen Schutz für die Dauer von 3 Jahren. Danach sollte er wenn nötig aufgefrischt werden.
Bei dem Impfstoff gilt weiterhin zu beachten, dass er nicht gegen die Folgen eines Zeckenbisses gerichtet ist, sondern nur der Infektion mit FSME-Viren vorbeugt. Dies ist wichtig, weil die Impfung oftmals auch als Zeckenschutzimpfung bezeichnet wird. Allerdings wirkt er beispielsweise nicht gegen die ebenfalls durch Zecken übertragene Borreliose.
Ein weiterer wichtiger Schutz vor Zeckenbissen und somit auch vor der FMSE-Infektion ist die Expositionsprophylaxe, also das Vermeiden des Kontaktes mit dem Erreger oder der Zecke. Es ist deshalb ratsam, in Zecken-Risikogebieten abdeckende Kleidung zu tragen sowie gegen Zecken gerichtete Insektenmittel zu verwenden. Auch sollte der Körper inklusive des Kopfhaares nach Aufenthalt im Freien auf Zeckenbisse untersucht und gefundene Zecken sofort entfernt werden. Das Entfernen von Zecken funktioniert am besten mit einer Zeckenzange, welche etwa in vielen Apotheken zu erhalten ist.
Bitte beachten Sie, dass Suite101-Artikel niemals fachlichen Rat – zum Beispiel durch einen Arzt – ersetzen können.
Verwendete Literatur:
Herbert Hof, Rüdiger Dörries; Medizinische Mikrobiologie – Duale Reihe; 4. Auflage; Georg Thieme Verlag Stuttgart 2009
Friedrich Carl Sitzmann; Pädiatrie – Duale Reihe; 2. Auflage; Georg Thieme Verlag Stuttgart 2002
Gerd Herold und Mitarbeiter; Herold - Innere Medizin 2009; Selbstverlag
