
- Bärlihupf - Harald Rossa
In der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde ist es schon lange guter Brauch, dass jeweils Mittwoch und Sonntag um 15 Uhr eine Führung durch die Dauerausstellung „Flucht im geteilten Deutschland“ angeboten wird.
Am 5. Mai 2010 gab es eine besondere Premiere. Zum ersten Mal startete eine offizielle Kinderführung durch die Dauerausstellung. „Nepomuck und Bärlihupf – Fluchtgeschichten für Kinder“ lautet die Überschrift zu diesem Programm, das sich an Kinder im Alter von 9 bis 13 Jahren wendet.
Die Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde
Das Notaufnahmelager für Flüchtlinge und Übersiedler aus der DDR in dem Berliner Ortsteil Marienfelde nahm 1953 seinen Betrieb auf. Bis zum Ende der DDR 1990 passierten etwa 1,35 Millionen Menschen dieses „Tor zur Freiheit". Seit einigen Jahren ist dieser authentische Ort die „Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde“. In der Dauerausstellung „Flucht im geteilten Deutschland“ werden über 900 Exponate gezeigt. Darunter sind zahlreiche Originaldokumente, Fotografien, Gegenstände aus dem Lager und von Flüchtlingen. Die bieten Einblicke in dieses Kapitel der deutsch-deutschen Geschichte und stellt die Verbindungen zwischen politischen Entwicklungen und den persönlichen Erfahrungen von Flüchtlingen und Ausgereisten her. Und dies auch zu den Kindern, die auch von der Fluchbewegung von Deutschland nach Deutschland mit betroffen waren.
Die Namensgeber „Nepomuck und Bärlihupf“ für die Kinderführung
Nepomuck und Bärlihupf sind zwei Stofftiere, die in der Dauerausstellung der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde zu sehen sind. Diese beiden begleiteten zwei Kinder auf ihrem Weg in den Westen. Am Beispiel dieser Stofftiere kann über die damaligen Ereignissen eindrucksvoll berichtet werden.
Das Ziel der Kinderführung
Kinder und Jugendliche können nicht mehr selbst erfahren, was die Spaltung der Welt in zwei feindliche und sich waffenstarrend gegenüber stehende Lager für praktische Folgen für die Menschen hatte. Die Teilung Deutschlands in zwei Staaten ist überwunden. Die praktisch unpassierbar vermauerte und verbarrikadierte Grenze zwischen zwei Staaten gibt es nicht mehr. Eine eingeschränkte Mobilität ist für die heutige Jugend eine unbekannte Erfahrung.
So wollen die Museumsleute in Marienfelde den Kindern Antworten auf Fragen wie diesen geben: Warum sind Menschen aus der DDR in die Bundesrepublik geflohen? Auf welchen Wegen ist ihnen die Flucht von einem Teil Deutschlands in den anderen gelungen? Wie haben sich Kinder gefühlt, die ihr Zuhause und ihre Freunde verlassen mussten?
Dabei wollen sie insbesondere auf die von diesen Fluchten betroffenen Kinder eingehen und so den heute aufwachsenden Kids vermitteln, was vor etwas mehr als 20 Jahren in Deutschland real ablief.
Der Auftakt zu den Kinderführungen
Am 5.Mai 2010 begann das Programm der Kinderführungen. Zum offiziellen Auftakt begrüßte Dr. Axel Klausmeier, Direktor der Stiftung Berliner Mauer, die kleinen Gäste besonders herzlich. Özcan Mutlu, Bildungspolitischer Sprecher der Fraktion Die Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus, überbrachte Grüße der großen Politik an den Ort, wo viele Menschen die Folgen der ganz großen Politik ausbaden mussten. Und Bettina Effner, die Leiterin der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde, erläuterte schließlich das Programm der Kinderführungen.
Bei dem anschließenden Gang mit den Kindern wurde deutlich, wie ambitioniert das Vorhaben ist. In 90 Minuten kann die pralle Vielfalt der deutsch-deutschen Geschichte und der Flucht und Vertreibung natürlich nur angerissen werden. Die Kinder waren aber voll bei der Sache und haben Impulse bekommen. Die können in Ruhe wirken und für eine weitere Beschäftigung mit dem Thema der Auslöser sein. Von daher ist der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde sehr zu danken, dass sie dieses Bildungsangebot macht und bei entsprechender Nachfrage hoffentlich auch ausweiten wird. Der Abgeordnete Özcan Mutlu hat jedenfalls seine Unterstützung für solche Projekte zum Ausdruck gebracht.
Die Termine für Nepomuck und Bärlihupf
Dieses Programm für Kinder wird einmal monatlich an einem Sonntag ab 15 Uhr angeboten. Die konkreten Termine werden auf der Internetseite der Erinnerungsstätte unter den Veranstaltungen angekündigt.
