Es genügt nicht, keine Gedanken zu haben, man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken. Dieser Spruch des Publizisten Karl Kraus wird so manchem Chef durch den Kopf gehen, wenn ein Mitarbeiter nach minutenlangen Ouvertüren versucht, mit Hilfe von Dutzenden Präsentationsfolien den Boss für eine Idee zu begeistern. Powerpoint sei Dank. Mit bunten, animierten Computergrafiken lässt sich der Gehalt eines Satzes zu einer Abendveranstaltung verlängern. Die Chefs wissen das, und sie kennen alle Tricks derartigen Anschlägen auf ihre Zeit und Nerven zu entfliehen. "Nein, der Chef ist heute den ganzen Tag außer Haus. Nächste Woche geht es leider auch nicht, Sie wissen ja, Besuch aus Japan."
Die Chance auf ein Gespräch
Dann geschieht das Unerwartete: Man steht neben dem Boss, vielleicht beim Warten in der Kantine oder im Fahrstuhl. Es wäre die Gelegenheit schlechthin, Ideen an den Mann zu bringen. Was aber sagen Sie, nachdem Sie "guten Tag" gesagt haben? "Wer in der Lage ist, Situationen pointiert zu beschreiben, seine Lösung wie ein Verkäufer zu präsentieren und den Gesprächspartner zu aktivieren, verändert in fünf Minuten seine Zukunft", sagt Unternehmensberater Kurt Beichl. "Dafür ist unbedingt eine professionelle Vorbereitung der Inhalte notwendig." Kommunikationstrainer bieten bereits Schulungen für diese "Elevator Talks" an, vor allem in den USA, wo die Liftfahrten länger dauern als in Europa.
Überzeugen in wenigen Minuten
Kurt Beichl hat für die Konversation zwischen Tür und Angel ein Vorgehensmodell: "Beschreiben Sie das Problem oder die Idee in höchstens einer Minute, das sind drei bis vier Sätze. Diese Zeit ist für eine Analyse zu kurz, daher muss eine Situationsbeschreibung ausreichen. In höchstens zwei Minuten schlagen Sie Lösungen vor und beschreiben die wichtigsten Kriterien. Vor allem, was es kostet, wer es durchführen kann, und warum es ein Erfolg wird. In der dritten Minute holen Sie die Zustimmung Ihres Gesprächspartners ein. Zu guter Letzt vereinbaren Sie die nächsten Schritte. Was muss geschehen?"
Mit wenigen Worten viel sagen
Das Rezept ist einfach, die Fallen liegen beim Detail. Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler; sieht der Angesprochene keinen Nutzen für sich oder das Unternehmen, wird der Vier-Minuten-Auftritt eine Episode ohne Folgen. Die kurze zur Verfügung stehende Zeit zwingt zur Konzentration aufs Wesentliche. So wissen etwa Radiomoderatoren, dass sich ihre Hörer Texte nur drei bis vier Sekunden lang merken und bilden daher kurze, einfache Sätze mit höchstens zwölf Silben. Diese Regel ist für den Kurzauftritt beim Chef nicht minder wichtig.
Üben für die Chance
Kurt Beichl empfiehlt, die "Elevator Talks" vor dem Ernstfall einem "Elevator Check" zu unterziehen. Wurde in wenigen Minuten alles gesagt? Proben mit Freunden und Bekannten helfen bei der Vorbereitung. Damit die Premiere klappt und der Chef nicht Karl Popper zitiert: "Wer's nicht einfach und klar sagen kann, der soll schweigen und weiterarbeiten, bis er's klar sagen kann."
