Serie "Fünf Sterne" im ZDF floppt total

Die Hotelserie mit Ralf Bauer endet nach zwei Staffeln erfolglos

Ralf Bauer und Susanna Knechtl - ZDF/Christa Köfer
Ralf Bauer und Susanna Knechtl - ZDF/Christa Köfer
Die Serie um das Berliner Hotel Lindbergh hat es nicht geschafft, in der Verlängerung mehr als vier Millionen Zuschauer zu erreichen. Das Finale flog aus der Primetime.

Der Schauspieler Ralf Bauer spielte in der Serie "Fünf Sterne" Stefan Lindbergh, den Juniorchef des Berliner Luxushotels gleichen Namens, der sich mit den verschiedensten Schwierigkeiten in Hotel und Familie auseinanderzusetzen hatte.

Konzept und Inhalt von "Fünf Sterne"

Stefan brach seine erfolgreiche Laufbahn als Bootsbauer in den Staaten ab, um sich des elterlichen Luxushotels anzunehmen. Sein Vater Albrecht (gespielt von Reiner Schöne) mußte die Leitung desselben aus gesundheitlichen Gründen abgeben. Was Albrechts Schwiegersohn und Geschäftsführer Rene Holsten, der mit Stefans Schwester Jana verheiratet ist, nicht gefiel.

Amelie Amann (Susanna Knechtl) begann nach dem frühen Tod ihres Mannes und auf Empfehlung ihres Onkels Paul im Hotel Lindbergh zu arbeiten. Paul (Hans Teuscher) war Doorman des Traditionshauses. Zwischen Stefan und Amelie entwickelte sich fortan eine romantische Liebesgeschichte. Von dieser Lovestory, zahlreichen Intrigen und den geschäftlichen Grabenkämpfen um Hotelanteile erzählte die Serie neben Episodenhandlungen um die Gäste des Hotels.

Hotelserien haben im Fernsehgeschäft eine lange Tradition

Am 21. September 1983 startete in den USA beispielsweise die unvergessene Serie "Hotel", die die Geschichten des mondänen St. Gregorys in San Francisco erzählte. Shea Farrell, James Brolin, Connie Sellecca und Shari Belafonte gehörten zum Hauptcast der fünf Staffeln und 88 Folgen.

Die Serie "Girlfriends – Freundschaft mit Herz“ zählte in Deutschland zu den großen Erfolgen dieses Genres. Das Publikum fühlte sich durch die Lovestory zwischen Marie Malek (Mariele Millowitsch) und dem Hotelchef Ronaldo Schäfer (Walter Sittler) sowie durch die Frauenfreundschaften innerhalb des Schreibpools des Hotels Hansson sehr gut unterhalten. Insgesamt wurden von 1995 bis 2005 sieben Staffeln in Hamburg und Hitzacker gedreht. Der hochwertige Look der von der Objektiv Film produzierten Serie entsprach der Sorgfalt, mit der Charaktere, Drehbücher und Umsetzung entwickelt worden sind.

Die Qualität von "Girlfriends" konnte "Fünf Sterne" nicht erreichen

Die erste Staffel "Fünf Sterne" wurde von Oktober 2005 bis März 2006 mit eher verhaltenem Erfolg ausgestrahlt. Viel zu viele Figuren im Hauptcast und zu viele Handlungsstränge wurden zeitgleich eingeführt; die Spannung blieb dabei auf der Strecke. Stefan Lindberghs frühere Freundin versuchte, sich im Porsche das Leben zu nehmen; Stefans Bruder drohte gleichzeitig zu erblinden: Die Serie spielte zeitweise mehr in Krankenhäusern als im Hotel. Wiederholungen auch sonst: Ständig Vater- / Sohn- oder Vater- / Tochter-Konflikte; im Hauptcast wie in den Nebenhandlungen. Vieles wiederholte sich.

Weder wußten die Figuren zu fesseln, noch die Aufnahmen aus dem Hotel. "Fünf Sterne" wurde im Gebäude eines früheren Finanzamtes am Kurfürstendamm gedreht, während die Außenfassade in einer Seitenstraße des Gendarmenmarktes zu finden war und ist. Vom Glanz eines Luxushotels und der glamourösen Weltstadt Berlin zeigte die Serie nicht viel.

Schwächen der Serie: Klischees, wohin man blickte

Der Vater, der mit dem Sohn nie zufrieden ist, der böse Schwiegersohn und Geschäftsführer, der das Unternehmen in die Hände des Feindes (eine Hotelkette) spielen will, eine Mutter, die brav und nichtssagend am Rande stand und eine Liebesgeschichte zwischen den Hauptfiguren, die vor sich hinplätscherte. Immer wieder endloses Gerede um Hotelanteile. Wohl mit ein Grund dafür, dass nur durchschnittlich 3,82 Millionen Zuschauer "Fünf Sterne" sehen wollten. Zu wenig für die Primetime. Mitten in’s Herz des Publikums trafen die Macher von "Fünf Sterne" weder mit den Schauspielern und ihren Figuren noch durch die Handlung der Serie.

Ralf Bauer war als ins Lindbergh zurückkehrender Juniorchef vom Konzept her als Schlüsselfigur der Serie angelegt. Tatsächlich aber hangelte sich die Figur von Szene zu Szene: Die Eigenschaft einer Hauptfigur, die Handlung bestimmend zu beeinflussen, fand man bei Stefan Lindbergh nicht. Auch nicht in der Lovestory mit Amelie, in der es nur um Ja oder Nein zur Hochzeit geht - ohne jedoch wirklich dauerhaft dramatisch und spannend zu verlaufen.

Die Rolle der Amelie mischte sich in nicht nachvollziehbarer Weise in das Privatleben ihrer Hotelgäste ein. Unglaubwürdiger konnte man die Leiterin eines Roomservice nicht konzipieren. Im Grunde hatte Amelie keine Aufgabe und ist damit ebensowenig weibliche Hauptrolle, wie Stefan, der im männlichen Cast unterging. Entsprechend uninspiriert wirkte demensprechend die Leistung der beiden Schauspieler - was nicht deren Schuld war, sondern in der lieblosen Art begründet war, in der die Macher mit ihrer Serie umgegangen sind.

Zu schnell durchgehechelte und zu zahlreiche Nebenplots sorgen zwar vordergründig für Tempo, doch etwas, was den Zuschauer fesselt oder woran er sein Herz hängen kann, fehlte völlig. Ebenso, wie spannungshaltende Cliffhanger zur nächsten Folge.

Der Produzent Matthias Walter hat es offenbar versäumt, sich an den erfolgreichen Serien dieses Genres zu orientieren. Der Schreibpool war bei "Girlfriends“ ein absoluter Sympathieträger – bei "Fünf Sterne" gab es nichts dergleichen zu erleben. Sowohl ZDF wie auch die erfolgverwöhnte Produktionsfirma ndf ("Um Himmels Willen“, knapp sieben Millionen Zuschauer pro Folge) haben schon deutlich bessere Serien an den Start gebracht.

Zu Beginn der zweiten Staffel zeichnete sich der Flop schon ab

Die zweite Staffel mit dreizehn Folgen (donnerstags 20:15 Uhr) startete somit trotz Regenwetters wenig erfolgversprechend: 3,32 Millionen Zuschauer schalteten insgesamt ein (Marktanteil: 12,2 Prozent). Mit den vier Millionen Zuschauern – dem Minimum eines Ziels für eine Primetimeserie nach 20 Uhr 15 – ist es auch am Ende der zweiten Staffel zurückblickend wieder nichts geworden. Nur einmal erreichte "Fünf Sterne" mit rund 3,3 Millionen Zuschauern ab drei Jahren die Dreimillionengrenze.

Die beiden letzten Folgen der Serie wurden als großes Staffelfinale in Spielfilmlänge deklariert und ins Sonntagnachmittagprogramm verschoben: Um 13 Uhr 45 am 28. September 2008 endete eine gewaltige Verschwendung von Fernsehgebühren. Wäre, wie bei anderen Produktionen der ndf üblich, ein wenig mehr Grips und Feinarbeit investiert worden, hätte man viel erfolgreicher sein können. So, wie mit "Der Bergdoktor" von derselben Produktionsfirma, der jedoch glücklicherweise von der Chefin, Frau Dr. Sihler-Rosei, selbst produziert wird und doppelt so hohe Quoten einfährt, als "Fünf Sterne".

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