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Für Boxer – Trainingstipps zum Sparring

Wie Sparringspartner im Training sind und wie Sessions ablaufen

Sparring zwischen Robert Rolle und Benjamin Simon - Robert Rolle
Sparring zwischen Robert Rolle und Benjamin Simon - Robert Rolle
Über den Sinn von Sparring machen gibt es unter den Boxern zwei Philosophien. Welche die Beste ist, versucht Suite101 mit einem Blick hinter die Kulissen herauszufinden.

Sparringspartner nennt man anonyme Fighter, die von nicht so anonymen Boxern engagiert werden, um bei der Vorbereitung auf einen Kampf zu helfen und als „lebender Sandsack“ zu dienen. Sie sind so wichtig wie Crash-Test-Dummies in der Automobilindustrie. Sie geben den Top-Modellen die nötige Sicherheit und Erfahrung.

Beruf Sparringspartner – Geld fürs Schläge kassieren

Das Berufsbild eines Sparringspartners ist alles andere als berauschend. Festgeschriebene Arbeitsverträge, medizinische Versorgung oder soziale Versicherung? Fehlanzeige. Geregelte Arbeitszeiten? Hängen ab von Kampfplanungen oder Trainingsgewohnheiten und sind alles andere außer zuverlässig und verbindlich. Selbst die Bezahlung erfolgt sehr unterschiedlich und ungeregelt. Durchschnittlich wird bereits für weniger als 50 Euro täglich gearbeitet. Sehr gute Boxer dagegen können schon mal 1000 Euro für eine Campwoche einstreichen, was aber nicht der Regelfall ist. Wenn ein normaler Sparringspartner „Boxerglück“ hat, gibt’s für ihn noch einen Rahmenkampf auf einer Boxveranstaltung als finanzielle Zugabe obendrauf.

Was muss ein Sparringspartner beachten?

Eins haben die meisten Sparringsboxer gemein: Sie dürfen nicht zu gut sein, wenn sie zurückschlagen oder ausweichen, aber auch nicht zu schlecht dabei. „Wenn du deinen Chef zu viel oder zu hart triffst, bekommst du schnell einen Tritt in den Hintern“, berichtete einst Exweltmeister John Ruiz, der von Schwergewichtslegende Lennox Lewis als Sparringspartner entlassen wurde, weil er ihm zu unbequem zu boxen war. Sparringspartner müssen imitieren, dürfen Schläge antäuschen, aber richtig zuzuhauen ist meist unerwünscht. Nur der eine darf dem anderen wehtun. Ungestraft natürlich. Er lässt die Gerade vor Recht ergehen.

Ein guter Sparringspartner sollte außerdem verschwiegen sein und nicht mit den schlechten Tagen eines Meisters prahlen. Diese Erfahrung hat der frühere Maske-Gegner John Scully gemacht: „Es gibt Sparringsboxer, die es jeden wissen lassen, wenn sie einmal den Champ voll erwischt haben. Solche Typen müssen sich nicht wundern, wenn ein Training zu einer Schlacht ausartet und sie bei der nächsten Einheit eine Lektion bekommen. Ich kenne einen, der wurde beim Sparring völlig blutig geprügelt und man ließ ihn hinterher sogar den Ringboden aufwischen, weil er ganz rotgespritzt war. Dieser Junge hat nie mehr schlecht von seinem Sparringspartner gesprochen.“

Sparringspartner oder Sparringsgegner?

Die bereits verstorbene Boxlegende Bubi Scholz empfand das Training mit Gegnern in amerikanischen Gyms immer als besonders psychische Belastung. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten sind schwache Tage peinvoll und schlechte Werbung fürs eigene Image. Als auf Bubi Scholz ein amerikanischer Sparringsgegner wie ein wilder Stier auf ihn losging, stoppte der Deutsche seinen Kontrahenten mit einem rechten Konter und zertrümmerte ihm damit die Nase. Der Ami verließ blutüberströmt den Ring, ein Opfer seines Ehrgeizes und Willens, das trostlose Ghetto hinter sich zu lassen.

In vielen europäischen Trainingsstätten wäre das ein ärgerlicher Unglücksfall gewesen, nicht zuletzt wegen versicherungstechnischer Fragen. Scholz wollte sich daher bei seinem Gegner entschuldigen und sagte, dass der Amerikaner ihm direkt in den Schlag gelaufen war und er nicht anders konnte. Der Betreuer dagegen winkte ab mit den Worten: „Du solltest es aber wollen! Was glaubst du, wofür die Männer ihr Geld kriegen? Für jede zerschlagene Nase finden wir zehn neue. Brich so viele Nasen wie möglich. Das ist die beste Publicity und bringt mehr Kohle und Aufmerksamkeit, als du dir denken kannst.“

Wie sieht richtiges Sparring aus?

Die in Boxerkreisen legendären „Philly Wars“ (knüppelharte Sparringsessions in Philadelphia) haben viele Boxer ruiniert und vernichtet, jedoch nicht nur in „Philly“. Auch die Detroiter und ihr Kronk-Gym waren in der Szene für ihre berüchtigten Sparringeinheiten bekannt und viele „Old School“-Anhänger sind noch heute der Ansicht, dass nur eine wahre Trainingsschlacht den Boxer auf einen richtigen Kampf vorbereiten kann: Im Gym an die Grenzen gehen. Blut, Schweiß und Tränen vergießen. Aus diesem Stoff müssen Champions geschnitzt werden. Und die Boxhistorie scheint ihnen Recht zu geben.

Rubin Carter zum Beispiel kannte im Training nur ein Ziel: seinen Boxpartnern die Lebenslichter auszublasen. Jake LaMotta prügelte auf einige Sparringsgegner derart ein, bis sie die Besinnung verloren. Und selbst Muhammad Ali versprach seinen Kollegen eine extra Prämie, wenn ihnen im Sparring ein Niederschlag gelingen sollte. Eine ähnliche Strategie verfolgte auch Ray Leonard vor der WM gegen Marvin Hagler. Leonard hatte jahrelang nicht mehr im Ring gestanden und so probte er hinter den verschlossenen Türen seines Gyms den Ernstfall: Es fanden richtige Fights statt. Ohne Kopfschutz und mit Acht-Unzen-Boxhandschuhen durften Leonards Sparringsgegner Vollgas geben.

„Er hat seinen Kampf im Gym gelassen“, lautet eine alte Boxerweisheit, in der einige Wahrheit steckt. Um für einen einzigen Meisterschaftsfight bestens vorbereitet zu sein, braucht man schon mal 100 Runden Sparring und sollte die Distanz im Boxtraining einige Male gegangen sein. Allerdings kosten solche Einheiten immer viel Energie und Substanz. Sie verschleißen, können das Verletzungsrisiko erhöhen und den Boxer ausbrennen. Ein Teufelskreis, denn jeder Fighter tickt anders und jeder braucht eine andere Mischung für den optimalen Trainingsplan.

Es gibt Leute, die können nicht locker boxen und für sie ist selbst ein Trainingskampf eine Schlacht. Dann sind da natürlich auch Boxer, die nehmen sich im Sparring lieber zurück, konzentrieren sich auf ihre Defensive und Technik und sparen sich die Härte für den richtigen Fight auf. Zum Ziel führen beide Wege, wie die Praxis beweist. Leute wie Bernard Hopkins, Vinny Paz oder James Toney schwörten auf die harte Tour, während Faustkämpfer wie Oscar De La Hoya, Mark Breland oder Lennox Lewis eine leichtere Gangart im Sparring bevorzugten.

Vom Sparringspartner zum Weltmeister

Sparringspartner sind nicht unbedingt immer Masochisten, die sich das antun. Gelegentlich sind es sogar hoffnungsvolle Boxer, die antreten, um sich Schläge abzuholen. Riddick Bowe gab einst für Evander Holyfield den bezahlten Prügelknaben – und nahm ihm Jahre später in aller Freundschaft den WM-Titel weg. Anders Mike Dixon aus Atlanta, der für 500 Dollar die Woche Mike Tyson zur Verfügung stand: „Natürlich hatte ich immer die kleine Hoffnung, dass ich entdeckt werde und selbst mal ein Champion werden kann. Aber ich merkte, dass mir etwas fehlte. Ich konnte meine Leistungen im Sparring nicht im richtigen Kampf umsetzen. Ich hatte einfach nicht die boxerische Klasse eines echten Champions.“ Das Schicksal der Helfershelfer ist halt überwiegend doch vorherbestimmt: einmal Stuntman, immer Stuntman.

Marco Theuer, Boxjournalist, Sportautor

Marco Theuer - Marco Theuer, Jahrgang 1972, Sportautor und Boxjournalist war selbst jahrelang aktiver Boxer und Leistungssportler. Als Landesmeister und ...

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