
- Kleine Helfer auf weiten Reisen - Wolfgang Reuter
Individualreisende schätzen es im Gegensatz zu Pauschaltouristen, die Planung und Organisation ihrer Reise selbstständig durchzuführen. Motto: Selberreisen statt gereist werden.
Reiseführer warum?
Für Individualreisende ist die Nutzung eines guten Reiseführers unumgänglich, da sie im Gegensatz zu Pauschaltouristen ihre Reise selbstständig planen und organisieren. Benötigt wird der Reiseführer in zwei Bereichen
- Vor der Reise: Infos zur Planung der Reise (Was ist sehenswert? Wie lang sind die Reisezeiten zwischen geplanten Zielen? Welche Einreisebestimmungen bestehen?)
- Während der Reise: Praktische Infos für unterwegs (Verkehrsverbindungen, Unterkünfte und deren Preise, Sehenswürdigkeiten.)
Da das Angebot mittlerweile recht umfangreich ist, fällt die Auswahl nicht immer leicht. Welche Ansprüche soll der richtige Reiseführer erfüllen und wie lässt er sich finden?
Wichtiges Kriterium: Aktualität
Der beste Reiseführer nützt nichts, wenn er nicht aktuell ist. Wer zum Beispiel spät abends nach einer strapaziösen Anreise sein Ziel erreicht, bei einem der im Reiseführer empfohlenen Hotels ankommt und feststellt, dass es offensichtlich schon länger in einen Bordellbetrieb umgewandelt wurde, wird das als ganz schön nervig und frustrierend empfinden. Dann geht die Suche - mit Gepäck natürlich - erst mal weiter. Wer auf einer Reise mehrere ähnlicher Pannen erlebt, hätte den Reiseführer wohl besser ins Altpapier entsorgt, anstatt sich in die Irre führen zu lassen.
Aktualität ist also eines der ganz wichtigen Qualitätskriterien. Deshalb beim Kauf auf die aktuellste Auflage achten. Auch dann ist zwar nicht sichergestellt, dass alle Angaben überprüft und aktualisiert worden sind, aber die Wahrscheinlichkeit besteht. Aus diesem Grund sollte es kein Reiseführer vom Wühltisch sein. Diese Werke sind preislich herabgesetzt, weil neuere Auflagen auf dem Markt sind. Eine Ausnahme, die für einen solchen Kauf sprechen kann: Sie wollen sich erst mal vorab über ein bestimmtes Land informieren. Dafür können die veralteten Bücher durchaus noch gute Dienste leisten.
Auswahl in der Vielfalt
Wie finden Sie nun aber aus der Vielzahl von Reiseführern, die es zu manchen Ländern und Regionen gibt, einen geeigneten heraus? Bei den meisten Zielen kommen mehrere Reiseführer als geeignet in Frage. Das Angebot ist inzwischen recht groß geworden und die Qualität der miteinander konkurrierenden Verlage hoch. Seit Ende der 1970er Jahre die ersten Helfer zum Selberreisen erschienen - häufig im Selbstverlag, mit einer zumindest aus heutiger Sicht schlechten Aufmachung und zudem teilweise durch eine individualistische Sichtweise der Welt durch die Verfassenden beeinträchtigt - hat sich dieser Markt ganz enorm professionalisiert.
Aus manchen Selbstverlagen sind bekannte Verlage geworden, die Autorinnen und Autoren sind in der Regel profunde Landeskenner, die eine Menge interessantes Hintergrundwissen vermitteln können, der praktische Informationsteil ist zuverlässig recherchiert. Es gibt eine Reihe von Verlagen beziehungsweise Verlagskooperationen, die kundige und zuverlässige Reiseführer anbieten. Manche von ihnen haben sich auf bestimmte Gebiete spezialisiert. Da die einzelnen Führer in der Regel von unterschiedlichen Autorinnen und Autoren verfasst wurden, sind Qualitätsschwankungen innerhalb einer Reihe durchaus üblich. Erprobt und empfehlenswert sind zum Beispiel die Veröffentlichungen der Verlage Reise-Know-How, Stefan-Loose oder Michael Müller.
Was der Reiseführer bieten sollte: Infos zur Planung
Zunächst kommt es auf einen mehr oder weniger umfangreichen Teil mit Hintergrundwissen zum Land oder zu der Region an, die Sie bereisen wollen. Hier erfahren Sie etwas über Geschichte, Kultur, Bevölkerung, Klima, Reisezeiten und vieles mehr. Schauen Sie sich diesen Informationsteil ausführlich dahingehend an, ob Ihnen die Art und Weise zusagt, in der das Wissen weitergegeben wird und ob die Informationen für die eigenen Ansprüche ausreichend sind.
Achten sollten Sie auch auf die Beschreibung von Sehenswürdigkeiten und Orten sowie Gegenden oder Landschaften. Es liegt in Ihrem Interesse, dass die Schilderungen möglichst realistisch und ausführlich sind, damit Sie eine Entscheidungsgrundlage haben, was Sie sich ansehen, wo Sie Ihre Reise unterbrechen und sich vielleicht länger aufhalten wollen. Den Darstellungen von Autorinnen und Autoren, die nahezu alles interessant, sehenswert oder gar einzigartig finden, ist mit einer gewissen Skepsis zu begegnen.
Hilfreich kann es sein, die Beschreibung einer Region oder eines Ortes in mehreren prinzipiell in Frage kommenden Reiseführern zu vergleichen. Die Darstellung, die am meisten anspricht, kann durchaus ein Argument für den Kauf sein.
Vorteilhaft ist es bereits bei der Planung, wenn es Informationen gibt, wie die Verkehrsverbindungen von einem Ort zum anderen (Bus, Eisenbahn, wann und wie häufig) und wie lange die Fahrzeit ist - in Dritte-Welt-Ländern kann eine Strecke von 300-400 KIlometern durchaus eine Fahrtdauer von 10 und mehr Stunden bedeuten. Diese Angaben entheben allerdings nicht der Notwendigkeit, die Abfahrtszeiten noch einmal vor Ort zu überprüfen. Auch bei uns ändern sich die Fahrpläne in der Regel halbjährlich.
Ebenfalls wichtig: praktische Informationen
Wichtig sind die praktischen Hinweise. Bei der Ankunft am Flughafen ist beschrieben, ob eine Verbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln besteht und ob diese empfehlenswert sind (die Linien von und zu den Flughäfen gehören zu den klassischen Touristenverbindungen, die in manchen Gegenden entsprechend stark von Dieben frequentiert werden - solche und andere Sicherheitshinweise sind ernst zu nehmen!). Andernfalls ist bekannt, wie viel die Taxifahrt in die Stadt ungefähr kostet - der Preis ist meist allerdings erst noch auszuhandeln.
Hilfreich sind die Angaben zu Unterkünften. Auch hier sind Vergleiche sinnvoll. Die Anzahl der zu einem Ort aufgeführten Unterkunftsmöglichkeiten kann erheblich schwanken. In dem einen Führer werden nur beispielhaft einige genannt, während andere eine nahezu lückenlose Aufzählung anstreben. Sehr sinnvoll ist es auch, wenn einige Erläuterungen dazu gemacht werden. Stichworte: Preiskategorie, Zimmerstandard, ruhiges oder lautes Umfeld, günstige Lage ... So ist aufgrund der individuellen Prioritäten recht schnell ersichtlich, ob ein Haus in Frage kommt oder eher nicht.
Gute Reiseführer bieten zudem eine kleine Sprachhilfe. Damit können Reisende, die der Landessprache nicht mächtig sind, auf einen kleinen Wortschatz zurückgreifen, der typischerweise benötigt wird.
Unpraktische und ungeignete Reiseführer
Was auf der Reise ungeeigent ist sind zum Beisiel großformatige Bildbände. Die können zwar sehr schön sein, sind es praktischerweise allerdings vor und/oder nach der Reise zu Hause. Wer will etwa zwei Kilogramm Buch ohne praktischen Informationswert mit sich herumschleppen?
Anders kann es allerdings für die aussehen, die zum Beispiel nicht nur Kulturdenkmäler besichtigen wollen, sondern mit besonderen Interessen an diese herangehen. Dann kann die Mitnahme eines speziellen Kunst-Reiseführers durchaus empfehlenswert sein. Aber, der Mitnahme eines richtigen Reiseführers enthebt das nicht.
Weiterhin außer Acht bleiben können die schmalen Büchlein der Verlage, die Instant- oder Kurz-Reiseführer produzieren. Sie erhalten weder Hintergrundwissen zum Reiseland, noch die praktischen Informationen für unterwegs.
Nur für Extremisten
Noch ein Hinweis: Wer nicht gerade zum Extremen tendiert und zum Beispiel Wüsten mit dem Fahrrad, Polargebiete mit dem Hundeschlitten oder größere Dschungelgebiete zu Fuß durchqueren will, kann Überlebens- beziehungsweise Survival-Führer oder ähnliche Stilrichtungen im Geschäft liegen lassen. Für die Art des Reisens, um die es hier geht, sind sie absolut überflüssig und nutzlos.
