Schnurren, Treteln, Köpfchengeben, Reiben

Für Katzen typisches Verhalten besser verstehen

Kommunikation unter Katzen - Ruth Lisa Knapp
Kommunikation unter Katzen - Ruth Lisa Knapp
Schön, dass die Katze schnurrt - aber wie und warum? Von Ursprung und Sinn natürlicher Verhaltensweisen, die Hauskatzen auch im Umgang mit dem Menschen zeigen.

Was hat es auf sich mit dem gemütlichen Schnurren, dem manchmal nervenden Treteln und anderen typischen Verhaltensweisen der Katzen? Es sind Formen der Kommunikation mit Artgenossen und anderen Wesen, die letztlich der Erhaltung der Art dienen.

Wie und warum Katzen schnurren

Noch immer ist wissenschaftlich nicht vollständig geklärt, wie das Schnurren der Katzen zustande kommt. Viel spricht dafür, dass der eigentümliche Stimmapparat dafür verantwortlich ist. Neben den normalen Stimmbändern besitzt die Katze nämlich ein zweites, „falsches“ Paar, auch Vorhof-Falte genannt. Die beim Ein- und Ausatmen darüber strömende Luft verursacht den typischen, als gemütlich empfundenen Laut, den die Katze über lange Zeit und ohne Anstrengung hervorbringen kann und der den ganzen Körper leicht vibrieren lässt. Der Mund ist dabei geschlossen.

Warum die Katzen schnurren, ist geklärt: Nicht nur, weil sie sich wohlfühlen, denn oft beobachtet man gebärende, verletzte und sogar sterbende Katzen, die laut und ausdauernd schnurren. Bereits im zarten Alter von einer Woche beginnen die Kätzchen zu schnurren, während sie an der Mutter saugen. So signalisieren sie, dass die Milch fließt, dass also alles in Ordnung ist. Und die Mutterkatze bestätigt dies den Jungen ihrerseits durch Schnurren. Als Sekundäreffekt bleibt diese Mutter-Kind-Kommunikation auch bei erwachsenen Katzen erhalten. Wenn sie sich gegenseitig oder ihren Menschen anschnurren, zeigen sie, das sie freundlicher Stimmung sind. In Notlagen (zum Beispiel bei Krankheit oder beim Tierarzt) setzen sie das sogenannte "Angstschnurren" ein, um auf sich aufmerksam zu machen oder um das Gegenüber freundlich zu stimmen.

Das Treteln oder Trampeln

In den gleichen Zusammenhang gehört das Treteln. Oft ist das Schnurren auch bei der erwachsenen Katze mit einem rhythmischen Auf-der-Stelle-Treten verbunden, wobei die Krallen ausgefahren und eingezogen werden. Besonders gern tun die Katzen dies auf einer weichen Unterlage oder auch auf der Brust des Menschen, was wegen dem Kralleneinsatz durchaus lästig bis schmerzhaft sein kann. Es ist der Milchtritt des Welpen, den die Katze beibehalten hat und ihr Leben lang gerne ausführt, wenn sie sich wohl fühlt. Was ursprünglich dazu diente genug nahrhafte Milch abzubekommen, hat sich als Ausdruck wohliger Stimmung erhalten.

Reiben und Köpfchengeben

Katzen, die sich mögen, reiben manchmal ihren Kopf aneinander oder sie streichen so umeinander herum, dass ihre Flanken sich berühren. Dies dient dem Austausch von Körpergerüchen, mit deren Hilfe die Katze Freund und Feind unterscheidet. So gibt sie ihren Geruch weiter und nimmt den Geruch des anderen Tiers auf. Bekannter Geruch bedeutet, dass man sich vor dem anderen nicht zu fürchten braucht und dass man ihm nichts tun muss. Durch Duftdrüsen an den Schläfen und in der Mundhöhle wird dieses feine Parfüm, das die groben menschlichen Nasen nicht riechen können, ausgeschieden. Eine weitere solche Drüse befindet sich unter der Schwanzwurzel. Auch dort kann die Zugehörigkeit zum Freundeskreis schnuppernd überprüft werden.

Das arteigene Ritual wird auf den Menschen übertragen. Die Katze kommt an und reibt Kopf und Flanken an der Hand oder am Bein des Menschen, um ihn der Zugehörigkeit zu ihrer „Familie“ zu versichern. Da Gerüche nicht lange vorhalten, wird der Vorgang öfter wiederholt, vor allem zur Begrüßung. Da der Mensch so groß ist, stellen sich viele Katzen dazu auf die Hinterbeine oder machen sogar einen Hopser. Auch dies wurde in frühester Jugend bereits angelegt: Wenn die Mutterkatze zurück ins Nest kommt, recken die Jungen ihre Köpfchen zu ihrem Gesicht hoch, und später strecken sie sich nach oben oder streben leicht hüpfend zum Kopf der Mutter, der sich gleichzeitig senkt, um den Kleinen das Begrüßungsritual zu erleichtern.

In einem weiteren Artikel erfahren Sie mehr über arttypische Verhaltensweisen, die uns Menschen weniger willkommen sind, wie das Krallenschärfen und das Markieren.

Ruth Lisa Knapp, Ruth Lisa Knapp

Ruth Lisa Knapp - Nach dem Studium der Germanistik, Anglistik und Philosophie war ich als Lehrerin im In- und Ausland tätig, später als ...

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