
- UNO-Klimachefin mit UNO-Generalsekretär - UN Photo/Mark Garten
Da nicht weniger als die Zukunft der Menschheit auf dem Spiel stünde, müssten die Regierungen weiterhin an einer gemeinsamen Basis für Fortschritte im Kampf gegen den Klimawandel arbeiten, erklärte die neue Klimachefin der Vereinten Nationen zu Beginn der gegenwärtig in Bonn ausgetragenen Verhandlungsrunde zur Verminderung des Treibhausgas-Ausstoßes.
“Ob wir den Stürmen des Klimawandels erliegen oder uns verbünden, um das ferne Ufer zu erreichen, liegt allein an uns“, sagte Christiana Figueres, Exekutivdirektorin des Sekretariats der UNO-Konvention zum Klimawandel (UNFCCC) in Anlehnung an Christoph Columbus’ Reise vor mehr als fünf Jahrhunderten.
“Als Individuen, Regierungen oder Weltgemeinschaft müssen wir über uns selbst hinauswachsen, weil weniger einfach nicht ausreicht”, forderte die Costa Ricanerin Figueres von den Delegierten bei ihrem ersten Auftritt nach Übernahme des schwierigen Amtes von dem Holländer Yvo de Boer im Juli 2010.
Kleinere Klima-Schritte, aber ohne Kompromisse
Die Wissenschaft habe laut Christiana Figueres gezeigt, wann und wie viel Treibhausgas-Emissionen reduziert werden müssen, um die schlimmsten Auswirkungen zu stoppen. Dabei liefe die Zeit nicht für uns, sodass Entscheidungen möglicherweise in kleineren Schritten gefällt, aber ohne Kompromisse schnell umgesetzt werden müssten.
Die einwöchigen Gespräche in Bonn sind die dritte Runde der UNO-Klimaverhandlungen nach dem Scheitern des Gipfeltreffens in Kopenhagen im Dezember 2009, die die nächste Konferenz der 191 UNFCCC-Parteien im November 2010 im mexikanischen Cancun vorbreiten sollen.
“Auf dieser Zusammenkunft in Mexiko haben die Delegierten sowohl die Verantwortung als auch die Möglichkeit, die nächsten entscheidenden Schritte einzuleiten“, sagte Figueres den Teilnehmern der Bonner Runde. Dies erfordere, das politisch Mögliche in das politisch Unumkehrbare zu verwandeln.
Industrie- und Entwicklungsländer in der Pflicht für besseres Klima
Gegenüber Reportern erwähnte sie Fortschritte auf fünf wichtigen Gebieten, auf denen die Regierungen aufbauen könnten:
Da wären erstens die öffentlichen Versprechen aller Industriestaaten, den Treibhausgasausstoß bis 2020 zu verringern sowie die Pläne von mehr als einem Drittel der Entwicklungsländer, ihr Emissionswachstum entsprechend eines international festgelegten Deckels zu limitieren.
Zweitens müssten die Regierungen ihre Bemühungen fortsetzen, den Entwicklungsländern Möglichkeiten für Aktionen gegen den Klimawandel einzuräumen, die Zunahme an Treibhausgasen einzuschränken, angemessene Finanzen bereitzustellen und die Nutzung erneuerbarer Energien zu forcieren.
Dafür sei natürlich drittens auch die Einlösung der Finanzierungsversprechen eine Schlüsselfrage. Im letzten Jahr versprachen die Geberländer 30 Milliarden US-Dollar Soforthilfe für Entwicklungsländer, damit diese sich bis zum Jahr 2012 auf die Einschränkung des Klimawandels einstellen können. Danach sollten jährlich bis zum Jahr 2020 Fonds in Höhe von 100 Milliarden Dollar fließen.
Fonds gegen Klimawandel ist Indikator für Glaubwürdigkeit
“Entwicklungsländer werten die Bereitstellung dieser Gelder als wichtiges Signal für die ernsthafte Bereitschaft der Industrienationen zu Verhandlungen auf breiterer Ebene”, sagte die neu ernannte Chefin des Sekretariats der UNO-Klimakonvention.
Darüber hinaus wollen die Länder sehen, dass ihre gegenseitigen Vereinbarungen in überschaubarer Weise gemessen, berichtet und bestätigt werden. „Die Staaten wollen sicher gehen, zu sehen, was sie bekommen“, so Figueres.
Und schließlich müssten sich die Regierungen einig werden, wie die Finanzierungsmodelle in die Realität umgesetzt werden. Die Regierungen sollten diese Kombination aus Verantwortlichkeit und verbindlichen Aktionen zuverlässig umsetzen, damit die Zivilgesellschaft und die Geschäftswelt überzeugt sind, dass sich saubere grüne Strategien sowohl global als auch lokal auszahlen.
Mehr als 3.000 Abgeordnete von Regierungen, der Privatwirtschaft, Umweltverbänden und Forschungseinrichtungen nehmen an den Bonner Gesprächen in dieser Woche teil. Die nächste Runde ist für Anfang Oktober in Tianjin, China, nur wenige Wochen vor Beginn der Cancun-Konferenz geplant.
