
- Der Boxer und sein Trainer - www.boxingpress.de
Was ist ein erfolgreicher Boxer ohne seinen Boxtrainer? Was macht einen guten Boxtrainer oder Coach aus? Zugegeben, diese Fragen sind nicht neu, aber sie wurden auch noch nie zufriedenstellend beantwortet! Denn als Boxtrainer hat man es wahrlich schwer: Man sieht, was der Schützling falsch macht. Man redet auf ihn ein, ruhig, beschwörend, gelegentlich auch laut und ungeduldig. Und oft bleibt nur das dumpfe Gefühl zurück, dass die Worte ungehört an einer unsichtbaren Mauer abprallen.
Was macht einen guten Trainer, einen guten Coach, im Boxen aus?
„Verstehst du mich?“ oder „Hörst du mich?“ Diese Fragen können viele Zuschauer während einer Boxkampfübertragung in den Rundenpausen vernehmen. Manchmal sieht man Trainer und Betreuer auch wild in der Ecke gestikulieren, mit den Armen herumfuchteln. Das ständige Drama im Boxen: Der Trainer, der Betreuer, ist am Verzweifeln. Alles, was der Coach dem Boxer ins Ohr flüstert, verhallt ohne Wirkung wie der Gong zur nächsten Runde.
Trainer, Coach, Betreuer, Sekundant - eine Funktion mit unterschiedlicher Bedeutung
Man ist der Sekundant, der Cutman eines Boxers, dessen Herz, dessen Nase blutet. Wenn sie gebrochen ist, kann man gleich das Handtuch werfen, das Blut wird weiterfließen. Sonst reibt man das Gesicht des Kämpfers sauber, führt einen mit Adrenalin getränkten Tupfer in das blutende Nasenloch. Man dreht den Tupfer wie einen Schraubenzieher, während man mit dem Daumen das andere Nasenloch zudrückt und versucht den richtigen Druck zu finden, den die verletzte Stelle gerade braucht. Der Trainer sagt dem Boxer, er soll inhalieren, damit sich das Adrenalin auf dem verletzten Gewebe verteilt, die Ader zusammenzieht und das Nasenloch erweitert. Doch der Kämpfer reagiert nicht.
Für Trainer und Betreuer im Boxkampf: Der richtige Schlüssel zum Sieg
Der Coach wird lauter: „Inhaliere!“ Nichts. Er schreit ihn förmlich an: „Inhaliere, verdammt noch mal!“ Nichts, sein boxender „Autist“ hockt nur völlig apathisch in der Ringecke da. Beinahe mit wilden Tränen in den Augen, gefangen im Ringgeflecht. Und dann bemerkt der Boxtrainer plötzlich, dass sein Schützling ihn mit diesem verzweifelten Boxerblick anstarrt, der davon zeugt, dass er in einer anderen Welt ist. Der Welt des Kampfes. Der Welt, in der es um „Alles und Nichts“ geht. Der Coach begreift, erinnert sich und befiehlt: „Einatmen!“
Wie erkannt man einen guten Trainer?
Jetzt, endlich atmet der Boxer durch das Adrenalin ein, während der Trainer mit seinen Fingern Druck auf die Wunde ausübt. Das Adrenalin wirkt, der Blutfluss lässt nach. Dem Coach wird schlecht, weil er beinahe versagt hätte. Aber irgendwas in ihm hat eine Reise zum Kampfplatz in den Kopf seines Boxers unternommen, wo niemand Wörter wie „inhalieren“ gebraucht. Das ist Magie, doch von jener Art, die weh tut, von jener Art, die einen zu einem besseren Trainer werden lässt.
Tipps für Boxtrainer im Boxkampf - Sekundieren, aber richtig
Nach den Boxregeln hat jeder Boxer im Kampf einen Anspruch auf Trainer und Sekundanten. Der Sekundant muss im Besitz einer gültigen Lizenz sein. Was viele Trainer, Betreuer und Sekundanten falsch machen: die Betreuung in der Ringpause. Oft wird der Boxer zuerst mit Wasser vollgespritzt, sobald er in der Pause in die Ringecke kommt. Anschließend wird er vollgelabert mit einem Meer an Informationen. Er hört diese Worte zwar, doch er kann sie nicht speichern. Sportwissenschaftlichen Studien zufolge ist ein Boxer im Eifer des Gefechtes ohnehin nur in der Lage, sich ein oder zwei kurze Kommandos zu merken, die er dann in der folgenden Runde tatsächlich auch umsetzen kann.
Richtige Atmung und der richtige Tipp sind wichtig für den Boxer
Die wichtigste Handlung für den Trainer besteht zunächst darin, den Boxer in der Ecke tief und richtig atmen zu lassen, den Mundschutz herauszunehmen und zu waschen. Erst wenn sich der Kämpfer einigermaßen beruhigt hat, wird ihm das „Wichtigste“ in ruhigen Worten mitgeteilt. Nur die „entscheidende“ Sache, womit er den Kampf drehen oder den Sieg sichern kann. Sobald der Zeitnehmer das Kommando zur nächsten Runde gibt, kann man dem Boxer noch eine Kleinigkeit mit auf den Weg geben: „Deckung hoch!“, „Zur Seite weg!“ oder „Bring die Führhand öfter!“ Unsinnig ist es dagegen, wenn der Trainer am Ring mitboxt oder dem Boxer entsprechende Aktionen vormacht. Denn wenn man dem Kämpfer erst jetzt zeigt, wie man schlägt, hat man im Boxtraining etwas versäumt. Es heißt nicht umsonst: Boxkämpfe werden im Boxgym, im Sparring oder beim Mentaltraining entschieden.
Alte Boxerweisheit: „Was macht einen guten Trainer aus? Die Gabe, einem anderen auf die Beine zu helfen, ohne ihm dabei auf die Füße zu treten!“
