Für Wildschweine ist Deutschland ein Schlaraffenland

Wildschwein Frischlinge - Hartmut910/pixelio.de
Wildschwein Frischlinge - Hartmut910/pixelio.de
Aufgrund der Klimaveränderungen nimmt der Bestand der Wildschweine enorm zu. Eine verstärkte Jagd ist schwierig, da die Allesfresser ortsungebunden sind.

Derzeit vermehren sich Wildschweine so rasant wie die letzten 300 Jahre nicht mehr, was zunächst daran liegt, dass die bis zu 200 Kilogramm schweren Tiere keine natürlichen Feinde haben. Doch auch die Klimaveränderung ist für den rapiden Anstieg der Wildschweinpopulation verantwortlich, denn Eichen und Buchen produzieren seit längerem Samen in hohen Mengen – für ausreichend Nahrung ist folglich gesorgt. Ein weiterer Grund für die hohe Anzahl von Wildschweinen – man geht von mehreren Millionen aus – sind aber auch die Maisanbauflächen. Momentan nehmen Maisfelder fünf Prozent der Gesamtfläche Deutschlands ein – für Wildschweine ein Schlaraffenland, schließlich ist Mais ihre bevorzugte Speise.

Wildschweine werden schnell geschlechtsreif

Aufgrund der ausreichend vorhandenen Nahrung, ist es den Wildschweinbachen möglich, jedes halbe Jahr sieben Frischlinge zur Welt zu bringen. Und diese Jungtiere sind nach rund 8 Monaten selbst wieder geschlechtsreif. Hierbei spielt aber nicht das Alter eine Rolle, sondern das Gewicht – ist ein Gewicht von 20 Kilogramm erreicht, sind die Frischlinge folglich fähig, eigenen Nachwuchs zu zeugen beziehungsweise zu gebären. So wächst eine einzige Wildschweinrotte mit einst 20 Tieren innerhalb eines Jahres auf 60 Tiere heran. Noch vor wenigen Jahren konnte eine Bache nur zwischen März und Mai werfen, doch wegen der günstigen Umweltbedingungen ist es nun ganzjährig möglich, Frischlinge zu gebären.

Verschärfte Bejagung – Wildschweinbestand soll reduziert werden

Da die Wildschweine sich so rasant vermehren, fordern Experten, den Bestand der Allesfresser enorm zu reduzieren. Doch dies scheint aussichtslos zu sein – zwar leben in Deutschland mehrere Millionen Wildschweine, doch selbst Jäger unterschätzen den Bestand in ihrem Revier um gut die Hälfte. Und Biologen haben errechnet, dass man etwa 80 Prozent aller Frischlinge erlegen müsste, um die enorme Vermehrung zu stoppen. Da die Wildschweinjagd jedoch zur zeitintensivsten Jagd zählt, wird die Bestandsreduzierung schwer umsetzbar sein – durchschnittlich benötigen Jäger nämlich 16 Stunden, um ein Wildschwein zu erlegen.

Wildschweine haben ein unvorhersehbares Verhalten

Dass die Wildschweinjagd so zeitaufwändig ist, liegt hauptsächlich an der nicht vorhandenen Ortsgebundenheit. Ebenso sind Wildschweine fähig, schnell zu reagieren, weshalb sie ein undurchschaubares Verhaltensmuster an den Tag legen. Da die wilden Allesfresser im Dickicht gut getarnt sind, kann man sie außerdem kaum ausfindig machen – eine effektive Jagd ist deshalb fast nur in der Nacht bei Vollmond sinnvoll.

In Nordrhein-Westfalen jagt man die Wildschweine mittlerweile sogar mit Hilfe von Wärmebildkameras und Luftaufnahmen, wobei man hofft, auf versteckte Nester – sogenannte Kessel – im Dickicht zu stoßen.

Wildschweine können dem Menschen gefährlich werden

Fühlen sich Wildschweine bedroht, kommt es in der Regel zu einem Gegenangriff, der von einem Grunzen begleitet wird. Auch deshalb gestaltet sich das Jagen als gefährliches Unterfangen. Da Wildschweine mit ihren knapp 200 Kilogramm Geschwindigkeiten von bis zu 60 Kilometer je Stunde erreichen können, entpuppen sie sich zu einem lebensgefährlichen Rammbock – hunderte solcher Attacken ereignen sich jedes Jahr, manchmal enden sie für den Menschen tödlich. Selbst Wölfe und Großkatzen gehen den aggressiven Wildschweinen aus dem Weg.

Bildquellenangabe: Hartmut910/pixelio.de

M. Fernholz, M. Fernholz

M. Fernholz - Nach meiner Ausbildung zum Siebdrucker, die ich in einem Disc-Presswerk absolvierte, arbeitete ich dort zunächst als Anlagenfahrer an ...

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