Fürstenjagd und Sonntagsjäger

Das Jagdrecht im Wandel der Zeiten

Jagd im Mittelalter - Wikimedia Commons
Jagd im Mittelalter - Wikimedia Commons
Im Mittelalter und bis weit in die Neuzeit war Jagen das Privileg des Adels. Erst die Revolution von 1848 machte den Weg ins Jagdrevier für jedermann frei.

Wer heute jagen will, kann – sofern er unbescholten ist – einen Jägerkurs besuchen, die Prüfung ablegen und einen Jagdschein lösen. Wenn er dann noch eine Jagdgelegenheit findet, steht dem ersten Waidmannsheil nichts mehr im Wege. Beruf, Herkunft, Stand oder ähnliches spielt dabei keine Rolle. Allerdings war das nicht immer so.

Das Jagdregal, die Hohe und die Niedere Jagd

Ursprünglich einmal konnte jeder auf die Jagd gehen, der körperlich dazu in der Lage war. Wer hätte auch einen Steinzeitmenschen nach Jagdschein oder Waffenbesitzkarte fragen sollen? Auch zu der Zeit der alten Germanen war es noch nicht anders: Jeder freie Mann durfte auch jagen. Es gab ja noch genügend Platz sowie Land, das noch nicht einmal jemandem gehörte und als Allmende bezeichnet wurde.

Das wurde anders als sich in Mitteleuropa der Adel bildete: Zunächst gaben die Bauern ihre Freiheit auf um vom Kriegsdienst befreit zu werden, der früher die Pflicht eines jeden freien Mannes war. Sie wurden hörig, später sogar leibeigen und mussten Abgaben an den Adel entrichten. Der wurde mit der Zeit so mächtig, dass viele Adelige im Prinzip tun und lassen konnten was sie wollten.

Mittlerweile war die Jagd auch kaum mehr Nahrungserwerb sondern, wie auch noch heute, ein Freizeitvergnügen, das die Adeligen gerne betrieben. Um möglichst viel jagen zu können, zogen sie das Jagdrecht komplett an sich und verbaten den Bauern sogar auf ihrem eigenen Grund und Boden zu jagen. Dieses ausschließliche Recht der Adeligen zu jagen bezeichnet man als Jagdregal oder Feudale Jagd.

Man teilte das Wild damals auch in Arten ein, die nur vom hohen Adel bejagt werden durften und in solche, auf die auch niedere Adelige jagen durften. Daher stammt auch die heute noch übliche Einteilung des Wildes in Hoch- und Niederwild.

Prunkjagden, Jagdfron und Bauernaufstände

Da die Jagd früher einmal auch bei den Bauern sehr beliebt war und das Recht dazu als natürliches Jedermannsrecht angesehen wurde, waren die Bauern äußerst verbittert über das Jagdregal. Einerseits hatte das Jagdrecht offenbar einen starken Symbolcharakter, andererseits litten die Bauern auch materiell unter der Feudaljagd: Nicht nur, dass sie selbst nicht mehr jagen durften, sie durften oft noch nicht einmal das Wild verscheuchen, wenn es an ihren landwirtschaftlichen Kulturen zu Schaden ging.

Zu allem Überfluss mussten die Bauern den Adeligen auch noch beim Jagen Hilfsdienste leisten, die so genannte Jagdfron. Als im Barock immer prunkvollere Jagden veranstaltet wurden, mussten die Bauern das Wild oft wochenlang aus riesigen Gebieten zusammen treiben, damit die erlauchten Damen und Herren es schlussendlich in einer Art Zirkusarena Stück für Stück niederknallen konnten. Da die Bauern derart stark unter der Feudalen Jagd litten, war das Jagdrecht auch bei den Bauernaufständen des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit immer wieder ein Thema.

Die riesigen Jagdgebiete, die den Adeligen zur Verfügung standen konnten diese natürlich nicht alleine bejagen, sondern brauchten Berufsjäger. So entwickelte sich das Jagdhandwerk als regelrechter Beruf mit Lehrzeit, Prüfung und vielen Regeln und Bräuchen, die teilweise noch heute beachtet werden.

Die Bürgerliche Jagd

Eines der wenigen Dinge, die mit der Revolution von 1848 erreicht wurden, war die Abschaffung der Feudalen Jagd. Das Jagdrecht wurde an das Eigentumsrecht an Grund und Boden gekoppelt.

Zunächst durfte jedermann auf seinem Grund und Boden jagen wie er Lust hatte. Da dies verheerende Folgen für die Wildbestände hatte, führte man einige Jahre später das Reviersystem ein, welches auch heute bei uns noch gilt: Ausreichend große Grundstücke, in Preußen beispielsweise ab 300 Morgen, durften weiterhin vom Eigentümer bejagt werden. Kleinere wurden zu gemeinschaftlichen Revieren zusammengefasst und dann meist verpachtet.

Inzwischen hatte sich in den Städten ein wohlhabendes Bürgertum gebildet. Mancher höhere Beamte, Handwerksmeister oder Kaufmann konnte es sich leisten, sich eine Jagd auf dem Land zu pachten. Da es damals noch keine Autos gab, konnten diese Leute nicht schnell einmal abends ins Revier fahren, wie man das heute macht. Samstags arbeitete man damals ja noch und so blieb zum Jagen nur der Sonntag. Daher kommt also der Ausdruck „Sonntagsjäger“. Die wohlhabenderen Bauern, die damals auf die Jagd gingen, hatten es besser: Sie waren vor Ort, konnten praktisch jede freie Minute dem Waidwerk widmen und kannten ihre Reviere daher auch besser. Wahrscheinlich waren es diese Bauernjäger, die Berufsjäger und die Förster, die den mehr als nur leicht abfälligen Ausdruck „Sonntagsjäger“ prägten.

Die Jagd heute

Die heutigen Privatjäger sind also gewissermaßen die Nachkommen der Sonntagsjäger aus der Kaiserzeit. Auch Berufsjäger gibt es heute noch, da zum Beispiel ein Hochgebirgsrevier von einem solchen Fachmann betreut werden muss. Berufsjäger ist heute ein Lehrberuf mit Ausbildungsordnung, Abschlussprüfung und der Möglichkeit Meister zu werden.

Volker Wollny, Journalist, Autor und Blogger, Saskia Wollny

Volker Wollny - Tätig als Publizist und Freier Dozent, abgeschlossenes Studium als Ingenieur für Produktionstechnik, Gesellenbriefe im ...

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