
- Fukushima: 60 Tonnen Wasser ausgelaufen - Daniel Clemens
Seit einigen Tagen pumpte Tepco radioaktives Wasser aus dem Turbinengebäude von Block 3 in ein umfunktioniertes Lager für diese „Brühe“ am Rande des Atomkraftwerkes. Diesen Mittwoch musste man diesen Vorgang allerdings stoppen, da die Füllhöhe von 4.000 Tonnen fast erreicht war. Nachdem aber über diesen Stopp einige Zeit vergangen war, bemerkte man eine leichte Pegelsenkung im Auffanggebäude. Durch anschließende Berechnungen kam man auf circa 60 Tonnen Wasser, die da einfach verschwunden waren und niemand weiß, wohin. Derweil warten aber noch etwa 100.000 Tonnen weiteres leicht, mittel und sicherlich zu nicht unerheblichen Teilen schwer verseuchtes Wasser darauf, irgendwo sicher untergebracht zu werden.
Tepco: Keine erhöhte Radioaktivität im Grundwasser
Das Betreiberunternehmen des havarierten AKW beeilte sich gestern mitzuteilen, dass trotz Verschwinden des Wassers, keine Veränderungen in der Radioaktivität des Grundwassers feststellbar wären. Man sprach die Vermutung aus, das fehlende Wasser könnte sich in einem Verbindungsschacht unterhalb des Gebäudes gesammelt haben. Schaut man etwas genauer in den aktualisierten Bericht Tepcos zu den bisherigen Arbeitsschritten, so stellt man fest, dass jenes Lagergebäude bereits mehrfach zur Lagerung radioaktiven Wassers genutzt wurde.
Schon öfter floss radioaktives Wasser ins Meer
Es scheint dasselbe Gebäude zu sein, aus dem Tepco nach Zeitungsberichten vom 4. April insgesamt zehn Millionen Liter „leicht“ verseuchtes Wasser ablassen musste, um Platz für stärker verseuchtes Wasser zu machen. Im Tepco-Bericht ist zu lesen, dass mit diesem Ablassen etwa 150 Milliarden Becquerel radioaktive Stoffe in den Ozean geflossen sind. Tepco hat allein für diesen Ablass einen Wert von 0,6 Millisievert pro Jahr pro Erwachsenen errechnet, sollte dieser Fisch oder Algen aus dem betroffenen Gebiet verzehren. Dieser Wert ist mehr als die Hälfte dessen, was zum Beispiel in Deutschland als jährliche Dosis aus künstlichen Quellen für den Bürger überhaupt erlaubt ist.
Radioaktives Wasser gelangt kontrolliert und unkontrolliert in den Ozean
Zur selben Zeit hatte Tepco ein anderes Problem mit radioaktivem Wasser. Diesmal floss es aber unkontrolliert aus Block 2. Dort hatte sich an einer Außenwand ein Riss gebildet, durch den unablässig radioaktive „Brühe“ strömte. An dieser Stelle wurde die tödliche Dosis von 1.000 Millisievert gemessen. Laut dem Tepco-Bericht sind dort zwischen dem 1. April und dem 6. April, als man das Leck endlich schließen konnte, insgesamt 4,7 Billiarden Becquerel radioaktive Stoffe ausgelaufen. Dass ist die mehr als 30.000-fache Menge bei gleichzeitig dem zwanzigsten Teil ausgetretenen Wassers, wie im Fall des vorherigen kontrollierten Ablassens. Berechnungen über das Strahlungspotential für Lebensmittel wurden in diesem Fall, sofern es sie gab, nicht veröffentlicht. Erst ab dem 5. April wurde damit begonnen, den sonstigen Wassereinlass, dort wird sonst Kühlwasser für den Kondensor im Turbinenhaus aufgenommen, des Blockes 2 mit Sandsäcken und Feinfilternetzen abzuschirmen, um so viel Radioaktivität vom Meer fernzuhalten wie möglich. Über die Effektivität solcher Mittel kann nur spekuliert werden.
Kontaminiertes Wasser aus Block 3 gelangt ins Meer
Erst am 21. Mai musste der AKW-Betreiber zugeben, dass zwischen dem 10. und 11. Mai weitere 20 Billionen Becquerel ausgetreten sind. Diesmal lief das Wasser durch mehrere Kabel und Röhrenschächte in den sonstigen Wassereinlass von Block 3. Nachdem ein Arbeiter gegen Mittag des zweiten Tages strömendes Wasser vernahm und dieses nach Anheben einer Verdeckplatte entdeckte, dauerte es noch sieben Stunden, bis der Ausfluss gestoppt werden konnte.
100.000 Tonnen radioaktives Wasser in Fukushima
Auch wenn nicht alles Wasser in den Kellern der Anlagen 1 bis 6 auf dem Gebiet von Fukushima 1 so stark verseucht sein dürfte, wie dass des Blockes 2, fragt man sich doch – wohin damit? Das "riesenhafte" Tankfloß, das vor einigen Tagen vor Anker ging, kann nur 10.000 Tonnen leicht kontaminiertes Wasser aufnehmen. Es handelt sich laut Schätzungen aber um fast 100.000 Tonnen, die wegen den andauernd notwendigen Kühlmaßnahmen vor allem durch die lecken Druck und Sicherheitsbehälter der Reaktoren 1 bis 3 in die Keller gelangten. Von dieser unglaublichen Menge sind gestern wahrscheinlich etwas mehr als 0,06 Prozent in Verbindungsschächten verschwunden. Diese ziehen sich unter dem gesamten Gelände entlang und in diesen steht , nach einigen Meldungen zu urteilen, eh schon Kühlwasser. Wie sich die Grundmauern der Reaktorblöcke und Turbinengebäude gegenüber den dort noch existierenden Wassermassen verhalten, mag derweil niemand beurteilen. Kühlwasser ist ausgelaufen, Kühlwasser wird auslaufen – das bringen die wenig kontrollierbare Situation und die anstehenden Mengen von sich aus mit. Dass gestern versehentlich 60 Tonnen davon verloren gingen und dass dieses medial so zentriert wurde, lässt leider ungewollt einen Schein eigentlich nicht wirklich existenter Kontrolle aufblitzen. Das Biotop vor der Küste Fukushimas ist durch weitere Verseuchung bedroht. Die von Greenpeace angeprangerten radioaktiven Werte könnten weiter steigen.
Quellen: Tepco Pressebericht (zum 10./11.Mai),Tepco-Fortschrittsbericht, NHK-World– (Video/YouTube), Daily Yomiuri Online , FocusOnline, ZeitOnline, UniBerkeley
Siehe auch: Fukushima Update – 12.05, 13.05, 14.05, 15.05, 16.05, 17.05, 18.05, 19.05, 20.05, 21.05, 22.05, 23.05, 24.05, 25.05 (1) – (2), 26.05, sowie Restrisiko Fukushima und IAEA/Fukushima
