Fukushima: 2.000 Millisievert bei Reaktor 1 gemessen

Fukushima: sehr hohe Strahlungswerte - Daniel Clemens
Fukushima: sehr hohe Strahlungswerte - Daniel Clemens
Laut einem Bericht NHK-World vom 15.05.2011 wurden 3.000 Tonnen, sehr schwer radioaktives Wasser aus dem Kern im Keller des Gebäudes gefunden.

NHK-World berichtet in Berufung auf Tepco, dass über 3.000 Tonnen radioaktive Brühe im Keller des Gebäudes stehen. Man vermutet, dass es sich dabei um das aus dem Brennelementebehälter austretende Kühlwasser handelt, welches sich nun in den untersten Etagen sammelt.

Messungen zeigen über 2.000 Millisievert pro Stunde

Bereits vorgestern zeigten Messungen eines Roboters im Erdgeschoss des Gebäudes eine Strahlung von cirka 2.000 Millisievert pro Stunde. Die gemessene Radioaktivität sei die höchste seit Beginn der Katastrophe.Zum Vergleich – nur einen Millisievert darf die deutsche Bevölkerung jährlich durch künstliche Quellen abbekommen. Laut Helmholtz–Institut sind 4,1 Millisievert aus künstlichen und natürlichen Quellen für den Durchschnittsbürger pro Jahr normal. 20 Millisievert stellen für AKW-Arbeiter hierzulande die gesetzliche Grenze per annum dar. 100 Millisievert über eine längere Zeit aufgenommen, erhöhen das Krebsrisiko. 150 Millisievert wurden von Tepco für Noteinsätze in Fukushima veranschlagt, bis entsprechende Arbeiter abgezogen werden sollen. 250 Millisievert in kurzer Zeit lösen die akute Strahlenkrankheit aus und 400 Millisievert pro Stunde stellen einen extremen Wert dar, dem man nur Minuten ausgesetzt sein sollte, um Langzeitschäden zu vermeiden. Alles darüber führt mit einiger Sicherheit zu gesundheitlichen Schädigungen, bevor bei 4.000 Millisievert pro Stunde jeder zweite Mensch innerhalb von Tagen oder Wochen stirbt. Bei 7.000 Millisievert ist dann ein Tod in kurzer Zeit nicht mehr abzuwenden.

Wasser im Keller stammt direkt aus dem Brennelementebehälter

Nachdem vor drei Tagen festgestellt wurde, dass das eingebrachte Kühlwasser weit unter der vermuteten Marke von 1,6 Metern unter der Spitze der Brennelemente lag und feststand, dass diese freiliegen, rätselte man über den Verbleib des Wassers. Vorgestern wurde dann bekannt, dass ein nicht unerheblicher Teil des Kernmaterials verflüssigt gewesen sein muss und sich durch den Boden des Druckbehälters gefressen hatte. Durch das entstandene Loch ist dann wohl auch das Kühlwasser abgeflossen. Nun glaubt man es im Keller des Gebäudes Eins gefunden zu haben.

Tepco will nun alles anders machen

Bereits nach den Entdeckungen vom 12. Mai war klar, dass es mit der geplanten Etablierung eines neu installierten Kühlkreislaufs wohl nichts werden würde. Als sich dann gestern auch noch die schlimmsten Befürchtungen vom Loch im Behälter bestätigten, stand man vor einem planerischen Trümmerhaufen. Nach den heutigen Erkenntnissen ziehen die Tepco-Ingenieure laut NHK unversehens einen völlig neuen Ansatz aus dem Zylinder. Man will nun einen größeren Kreislauf einrichten, in dem das verseuchte Wasser aus dem Kellergeschoß immer wieder zum Kühlen nach oben gepumpt wird. Über einen Filter für Radioaktivität und einen Wärmeaustauscher geführt, soll es zirkulieren und Kern und Schmelze dauerhaft mit Kühlwasser versorgen. Wie realistisch eine derartig improvisiert scheinende Lösung ist, wird sich zeigen. Auch wie sich die Arbeiten bei einer derart hohen Strahlung im Gebäude gestalten sollen, wurde nicht gesagt.

Derweil ist ein riesiger Tank unterwegs nach Fukushima, der seitens der Betreiberfirma in zwei Wochen erwartet wird. Er soll über 10.000 Tonnen an verseuchtem Wasser aufnehmen können. Über die Identität des gestern verstorbenen Arbeiters ist bis heute nichts veröffentlicht worden. Der 60jährige Angestellte eines Subunternehmens war beim Tragen von Gerätschaften ohnmächtig geworden und verstarb kurze Zeit später in einem Krankenhaus.

Quellen: NHK-World (Meldung 1), NHK-World (Meldung 2), Helmholtz-Institut, BMU, Stern