Fukushima aktuell: 100.000 Tonnen verstrahltes Wasser

Fukushima im Super-Gau. - Thommy Weiss/pixelio.de
Fukushima im Super-Gau. - Thommy Weiss/pixelio.de
20.06.2011. Radiokative Belastung um Fukushima weitet sich aus. Sperrzone erweitert. Ummantelung des zerstörten AKW mit Plastiksarg geplant.

Die schlechten Nachrichten über die Lage in Fukushima reißen nicht ab. Nachdem vom AKW-Betreiber Tepco erst kürzlich zugegeben wurde, dass es in drei Reaktoren zur Kernschmelze gekommen war und der Wirbelsturm „Songda“ für Unwetter und Hochwasser sorgte, wurde am Samstag, 04.06.2011. bekannt, dass die Radiokativität in Reaktor 1 so hoch wie nie ist. 4000 Millisievert pro Stunde wurden gemessen. Ein Wert, der es Arbeitern unmöglich macht, sich im Reaktorgebäude aufzuhalten.

Hoch radioaktiv belastetes Kühlwasser

Sorge bereitet auch das verstrahlte Wasser im Reaktor 1, dessen Pegel durch die heftigen Regenfälle innerhalb von 24 Stunden um 40 Zentimeter gestiegen war. Das radiokativ verstrahlte Wasser ist neben der hohen Strahlung um den Block 1 das Hauptproblem. 100.000 Tonnen haben sich angesammelt und müssen dringend entsorgt werden, um ein Überlaufen zu verhindern. Die für den 18. Juni geplante Reinigung des Wassers ist bisher gescheitert, weil die Strahlung wieder enorm angestiegen war. Laut Angaben von Tepco soll der Versuch in der letzten Juni-Woche wierderholt werden. Obwohl es eigentlich schon lange klar war, wurde erst jetzt offiziell bestätigt, dass es in allen drei Reaktoren zum Super-Gau gekommen war und die Kernschmelze eingetreten ist. Mittlerweile ist auch das hoch gifitge Plutonium in dem 2 km entfernten Okuma gefunden worden. Plutonium hat eine Halbwertzeit von 24.000 Jahren. Weiterhin wurde auch eine erhöhte Strontium-Belastung im Umfeld des geborstenen Atomreaktors gemessen.

Probleme in Reaktor 5 - Kühlsystem ausgefallen

Am 29.05.2011 wurde bekannt, dass im Reaktor 5 für längere Zeit die Kühlung ausgefallen war und versucht wird, das Kühlsystem wieder in Gang zu setzen. Eine neue Pumpe wurde eingesetzt, um das auf 93,7 Grad erhitzte Wasser abzukühlen. Nach Angaben des Kraftwerkbetreibers Tepco waren die Probleme am Samstagabend aufgetreten. Mittlerweile sei es gelungen, die Temperatur des Wassers abzusenken.

Lage in Fukushima mehr als prekär

Für die Umgebung um das havarierte AKW Fukushima ist keine Entwarnung in Sicht. Im Gegenteil, die Lage am zerstörten Meiler ist prekärer als je zuvor. Nach dem Erdbeben und dem verheerenden Tsunami am 11. März 2011 wurden die Reaktorgebäude durch mehrere Explosionen zerstört. Erschreckend hoch sind die derzeit von Robotern gemessenen Werte im Reaktorblock 1. Dort entströmt Wasserdampf aus einem Loch im Boden. Es wird vermutet, dass der mit hoher Radioaktivität belastete Dampf aus einem Druckbehälter am geschmolzenen Reaktorkern stammt.

Kunstharz reicht nicht zum Schutz vor starkem Regen und Wind

Auf den Taifun war Tepco nicht vorbereitet. Zwar hatten Arbeiter über den geborstenen Gebäuden Kunstharz versprüht, um zu verhindern, dass radioaktiv belasteter Staub durch Regen ausgewaschen oder durch Wind verbreitetet wird. Das wird nicht ausreichen. Die Schicht drohte durch massive Regenfälle und Sturm ausgewaschen zu werden. Durch die Wasserstoffexplosionen nach dem Tsunami klaffen große Löcher in den Reaktorgebäuden. Die müssten abgedeckt werden. Nach Auskunft von Tepco ist eine Ummantelung der Atomruine mit Polyester geplant, um eine Ausbreitung radioaktiver Partikel durch Regen und Wind zu stoppen. Das soll bis Ende Juni 2011 geschehen.

Umgebung von Fukushima stark radioaktiv belastet

Die radioaktive Verseuchung der Umgebung von Fukushima ist besorgniserregend. Die Nachrichtenagentur Jiji Press beruft sich auf Untersuchungen des japanischen Wissenschaftsministeriums zu den bisherigen Auswirkungen durch den Super-GAU. Der Meeresboden soll bereits so stark nuklear belastet sein, dass der Verzehr von Meeresfrüchten eine Gefahr für die Gesundheit bedeutet. Weiterhin haben Messungen von Bodenproben ergeben, dass die radioaktive Anreicherung mit Cäsium-134, Cäsium-137 und Jod-131 im Umkreis von Fukushima bereits in 127 Meter Tiefe nachweisbar ist. Vor zwei Jahren waren dort turnusgemäß Messungen vorgenommen worden, die eine unbedeutende oder gar keine radioaktive Belastung ergeben hatten.

Nukleare Verseuchung mit Cäsium-134, Cäsium-137 und Jod-131

Die zwischen dem 9. und 14. Mai 2011 vorgenommene Untersuchung der Bodenproben an 12 Punkten zwischen Miyagi und Chiba im Umfeld von Fukushima hat ergeben, dass pro Kilogramm 320 Becquerel an Cäsium-137, 260 Becquerel an Cäsium-134 und 2,7 Becquerel an Jod-131 enthalten sind. Wie ernst die Lage ist, zeigt, dass im 2 km von Fukushima entfernten Okuma Plutonium gefunden wurde. Das ist ein klarer Hinweis däfür, dass die radioaktive Strahlung massiv um sich greift und nicht nur auf das AWK begrenzt ist. Mittlerweile wurde auch eine radioaktive Belastung bei Teepflanzen in Warashina gemessen, ein Gebiet, das sich 370 Kilometer südwestlich von Fukushima befindet. Es wird inzwischen die Sperrzone um Fukushima ausgeweitet, die zunächst einen Radius von 20 km um das havarierte AKW betrug.

Laut einer AFP-Meldung vom 26. Juni 2011 betragen die durch Erdbeben und Tsunami verursachten Kosten rund 147 Milliarden Euro, wobei die wirtschaftlichen Einbußen und die durch die Nuklearkatastrophe in Fukushima verursachten Schäden nicht eingerecht sind.

Bildnachweis:(c)Thommy Weiss / pixelio.de.

Quellen:

  • ZDF heute.de
  • SZ online
  • Zeit online
  • Focus online
  • tt.com
  • AFP

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Ruth Weitz, © Ruth Weitz

Ruth Weitz - Ruth Weitz, freie Journalistin, Obernburg am Main. Presse- und PR-Arbeit. Foto-Aufnahmen. Ich habe Schreiben zu meiner Profession ...

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