Fukushima: Der Gauuuuuuuuuuu und kein Ende in Sicht

Neues aus Fukushima - Daniel Clemens
Neues aus Fukushima - Daniel Clemens
Am 13.05.2011 steht fest, dass nichts feststeht. Radioaktive Schmelze frisst sich durch den Boden und Kühlwasser verschwindet einfach im Nirgendwo.

Auch am Tag 61, dem 13.05.2011, der atomaren Katastrophe im japanischen Fukushima herrscht vor allem eines unter den Experten vor Ort und weltweit – das große Rätselraten. Es wäre auch zu schön gewesen, wenn sich die Kerne einfach weiter abgekühlt hätten. Die Betreiberfirma Tepco hätte weiterhin lange Listen mit Messergebnissen über die radioaktive Verseuchung von Boden, Luft und Wasser veröffentlicht, bis man irgendwann hätte sagen können – so, die Brennelemente sind vollständig abgekühlt, es wird nicht mehr schlimmer, jetzt nur noch einige tausend Jahre, dann kann man dort auch wieder was anbauen. Doch nun scheint sich der Charakter des Unglücks zu ändern. Die Katastrophe zeigt sich von Anfang an uneinsichtig gegenüber allen Wahrscheinlichkeiten. Erst bricht sie trotz aller errechneter Unwahrscheinlichkeit aus, jetzt macht sie den Experten klar, dass sie überhaupt zu wenig von dem wissen, was bei einem Gau wirklich passiert.

Brennstäbe scheinen vollkommen freizuliegen

Es ist ja auch kein Wunder, denn dass einzige was in Fukushima wirklich zu funktionieren scheint, sind die Geigerzähler. Gestern, nachdem sich Arbeiter vor einigen Tagen erstmals Zutritt zum Gebäude von Reaktor Eins verschafft haben, konnte auch das erste Mal der Kühlwasserstand überprüft werden. Heraus kam ein viel zu niedriger Wert. Die Messgeräte hatten vorher nicht richtig funktioniert. Statt dass die Brennelemente wie angenommen zu dreiviertel im Wasser stehen, scheinen sie völlig frei zu liegen. Man hatte vermutet, dass der Wasserspiegel auf einem Niveau etwa 1,6 Meter unter ihrer Spitze liegen müsste. Gestern zeigte sich, dass er fünf Meter darunter liegt. Die Brennstäbe selber sind aber nur 4,5 Meter lang.

Man muss alles überdenken

Tepco hatte aber bisher riesige Mengen an Wasser zur Kühlung hineingepumpt und man fragte sich, wo dieses Wasser hin ist. Gestern vermutete man, es könnte durch Löcher und/oder Risse ausgetreten sein. Doch diese logische Diagnose warf neue Fragen auf und hatte folgenschwere Konsequenzen. Man fragte sich vor allem, wie die Risse in den Behälter gekommen sein könnten. Dass diese durch die Schmelze von Brennelementen verursacht wurden, schloss man noch aus. Heute bestätigte Tepco eigene Vermutungen, dass die Schmelze nun doch ein großes Loch in den Boden gebrannt haben könnte. Konsequenzen hat diese Entdeckung vor allem für den Arbeitsplan. Dieser sah vor, ein funktionierendes Kühlsystem um den Kern zu etablieren. Als erstes muss nun die Beschädigungen gefunden und abgedichtet werden - hieß es noch gestern. Sollte das Material aber wirklich ausgetreten sein, wird das auch nichts mehr helfen. Zu unübersichtlich stellt sich aber die Situation derzeit dar, um genauere Aussagen treffen zu können..

Radioaktive Schmelze schwerer abzukühlen

Selbst wenn der Klumpen jetzt träger geworden ist, bringt er neue Probleme mit sich. Ein ehemaliger Leiter des Nuklearprogramms von Toshiba sagte der Japan Times, dass die Masse im Inneren noch eine hohe Hitze haben könnte. Die Abkühlung eines solchen Klumpens könnte sich länger hinziehen, als wenn es sich nur um schmale Brennstäbe handelte. Zusätzlich kann ja auch nicht an die Installation eines Kühlsystems gedacht werden, wenn der Behälter wirklich derart beschädigt ist, was die Sache ja noch zusätzlich erschwert. Wie viele Brennstäbe da im flüssigen Zustand auf den Boden gelangt sind, konnte man auch am heutigen Tag nicht klären. Jedoch scheint jetzt sicher zu sein, dass der Kern zu einem nicht unerheblichen Teil beschädigt ist.

Dass sich die Situation in den Reaktoren Zwei und Drei genauso darstellen könnte, schloss Tepco gestern und heute nicht aus. Anscheinend hatte sich zu viel Verunsicherung über die tatsächliche Lage durch die überraschenden Entdeckungen breit gemacht.

Quellen: The Japan Times, The Japan Times 12.05, Frankfurter Rundschau, taz, Verivox