
- Fukushima fordert ersten Toten - Daniel Clemens
Laut einem Sprecher der Fukushima Betreiberfirma sei der Mann während der Arbeit bewusstlos zusammengebrochen und sei dann auf dem schnellsten Weg ins Krankenhaus gebracht worden. Erst hieß es, er sei in einem ernsten Zustand, bevor nun bekannt wurde, dass er gestorben ist. Die Identität des Arbeiters steht noch nicht fest. Lediglich scheint klar, dass er um die 60 Jahre alt war und gerade dabei war, Gerätschaften in ein Gebäude zu tragen. Ein anderer Arbeiter, welcher mit dem Opfer zusammenarbeitete, zeigt laut Tepco keine gesundheitlichen Auffälligkeiten.
Todesursache unbekannt
Der Mann soll seit Freitag auf dem Gelände gearbeitet haben. Nach Angaben des Unternehmens war er voll ausgerüstet und man konnte keine Anzeichen einer radioaktiven Verseuchung an ihm feststellen. Bislang hätte er lediglich eine Strahlungsdosis von 0,17 Millisievert abbekommen. Die Todesursache sei somit nicht geklärt. Zum Vergleich – in Deutschland liegen die gesetzlichen Grenzwerte bei einer jährlichen Dosis von einem Millisievert für die Bevölkerung und bei zwanzig Millisievert für Personen in strahlenexponierten Berufen. Die japanische Regierung hatte noch im März die Dosis für AKW-Mitarbeiter auf 250 Millisievert im Jahr hoch gesetzt. Tepco mutete seinen Arbeitern in Fukushima eine Dosis von 150 Millisievert pro Noteinsatz zu, bevor sie vom Standort abgezogen wurden.
Seit Beginn der Katastrophe nur Verstrahlungen
Neben den tausenden Opfern des Unglücks, welche ihre Dörfer und Städte verlassen mussten, kamen bisher nur einige wenige direkt durch die Strahlung erkrankte Betroffene hinzu. Diese waren ausschließlich Personen, welche als Arbeiter direkt am Versuch der Eindämmung der Katastrophe beteiligt waren. Ende März wurden drei Arbeiter schwer verstrahlt, als sie in einem Gebäude mit kontaminiertem Wasser in Berührung kamen. Alle drei hatten teils starke Verbrennungen an Beinen und Füßen. In der Folge ging die Betreiberfirma von einer Schuld der Arbeiter aus. Diese hätten sich nicht entsprechend den gebotenen Sicherheitsbestimmungen verhalten und keine ausreichende Schutzkleidung getragen, als sie sich in die radioaktive Brühe wagten. Später während der Katastrophe wurden zwei Arbeiterinnen verstrahlt und mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden.
Toter war Angestellter eines Subunternehmens
Der Mann, der heute starb, war ein Angestellter bei einem von Tepco angeheuerten Subunternehmen. Die Arbeitsbedingungen dieser Angestellten wurden schon des Öfteren in der Presse angeprangert. Essen, Schlafen und die langen Arbeitseinsätze sollen eine wahre Tortur sein. Wie die derzeitige Lage der Arbeiter ist, kann man nicht genau sagen, zu wenige Informationen dringen über diesen Aspekt nach außen. Vor einem Monat sollen rund 90 Prozent der Arbeiter bei Subunternehmen angestellt gewesen sein. Manchmal mit nur geringer Bezahlung von etwa 150 Euro am Tag. Auch eine Atomkatastrophe wird anscheinend betriebswirtschaftlich durchgerechnet. Strahlung oder Arbeitsbedingungen hin oder her – die atomare Katastrophe von Fukushima hat sein erstes offizielles Todesopfer.
Quellen: Spiegel, Fokus, NHK, Sidney Morning Herald, BMU,
