
- Fukushima: Block 3 doch Erdbebenschäden - Daniel Clemens
Laut einer Meldung von NHK-World gab es doch signifikante Schäden durch das Erdbeben. So signifikant, dass alleine sie ausgereicht hätten, eine Katastrophe auszulösen. Anscheinend wurde eine Röhre des Notsystems durch das Beben so schwer beschädigt, dass sie nicht mehr funktionierte.
Sicherheitssystem versagte wegen Erdbebenschaden
Betreffende Röhre gehört laut Meldung zum Herzstück des Notsystems, welches den Wasserstand innerhalb des Reaktors kontrollieren sollte. Dieses ist kurz nach Mittag des 12. März angesprungen. Der Innendruck fiel von 75 Atmosphären auf 10 Atmosphären, was laut Tepco mit den Entdeckungen um das beschädigte Rohr übereinstimmen würde. Gleichzeitig verwies das Unternehmen aber auch auf die Möglichkeit, dass diese Vermutung auf falschen Daten beruht, die durch Messfehler entstanden sein könnten.
Also doch katastrophale Erdbebenschäden im AKW
Es ist noch keine drei Tage her, da beteuerte Tepco, es hätte keine hauptsächlichen Schäden durch das Erdbeben selber gegeben. Vielmehr sei es zur Zuspitzung der Ereignisse erst nach dem darauf folgenden Tsunami gekommen. Dieser hätte die Notsysteme lahm gelegt, so dass eine erfolgreiche Kühlung der Kerne in den Blöcken 1 bis 3 nicht mehr möglich war. Der neue Fakt wirft altbekannte Fragen bezüglich der Sicherheit von Atomkraftwerken auf. Bisher hatte man auch in der deutschen Debatte immer auf den Umstand verwiesen, dass es sich bei der Katastrophe in Japan um die Verkettung zweier immenser Naturgewalten handelte, Beben und Tsunami. Man suggerierte damit, absichtlich oder unabsichtlich, auch, dass eine dieser Naturgewalten durch das AKW durchaus verkraftbar gewesen wäre. Die neuen Erkenntnisse, sollten sie sich bestätigen, beweisen nun aber durchaus eine Anfälligkeit der AKW.
Zweifel an Theorie des doppelten Unglücks schon älter
Dass es nicht die Kombination aus beiden Naturgewalten war, sondern schon das Beben ausreichte wird schon länger vermutet. Der Spiegel berichtete vor einigen Tagen, dass sich bereits kurz nach dem Beben Radioaktivität im Block 1 ausgebreitet hätte. Eine anonyme Quelle innerhalb des Betreiberkonzerns sprach von ausschlagenden Dosimetern vor dem eintreffenden Tsunami. Schätzungen ergaben eine schnell auftretende Strahlung von 300 Millisievert kurz nach dem Beben.
Folgen für die Atomdebatte
Sollten sie sich als richtig erweisen, haben die neuen Erkenntnisse auch Auswirkungen auf die in Deutschland geführte Debatte um den Atomausstieg. Ist diese zwar in den letzten Wochen unter dem aktionsreichen Auftreten der Bundesregierung abgeflaut, kann es trotzdem in Zukunft keine irgendwie geartete Argumentation seitens der Relativisten und Atomkraftbefürworter geben, die Katastrophe in Japan sei Produkt zweier starker Naturgewalten. Die Mär vom doppelten Unglück ist ehedem nichts mehr als die Wiederauferstehung des Restrisikos, der Unwahrscheinlichkeit extremer Umstände. Und jetzt wird aus dem Märchen eine Gruselgeschichte, denn anscheinend hätte einzig das Beben gereicht, um eine atomare Katastrophe auszulösen. Pragmatische elf Jahre gilt es dieses Restrisiko noch zu akzeptieren.
Quellen: NHK-World 25.05 – 23.05, SpiegelOnline
Siehe auch: Fukushima Update – 12.05, 13.05, 14.05, 15.05, 16.05, 17.05, 18.05, 19.05, 20.05, 21.05, 22.05, 23.05, 24.05, 25.05 (1), sowie Restrisiko Fukushima und IAEA/Fukushima
