Fukushima: Hohe Radioaktivität bereits vor dem GAU ausgetreten

Fukushima: Radioaktivität schon vor dem GAU - Daniel Clemens
Fukushima: Radioaktivität schon vor dem GAU - Daniel Clemens
Tepco gibt am 26.05.2011 zu, dass es bereits vor dem eigentlichen GAU zum Austritt von Radioaktivität kam. Das Sicherheitssystem hatte versagt.

Bisher bestand das Bild über die Ereignisse am 11. März aus einem Grundton – durch den Tsunami, welcher dem Erdbeben folgte, wurden das gesamte Notkühlsystem des AKW Fukushima lahm gelegt. Infolgedessen konnten die Pumpen kein frisches Kühlwasser mehr in die Kerne schaffen, diese fielen trocken, die Brennelemente erhitzten sich weit über die Grenze von 2.000 Grad Celsius, der Kern schmolz, gelangte auf den Boden des Druckbehälters und beschädigte diesen. Nachdem sich Tepco mit seiner Informationspolitik besonders in den letzten zwei Wochen langsam an den Ist-Zustand der Reaktoren herangearbeitet hat, veröffentlicht das Unternehmen seit etwa drei Tagen plötzlich Studien und Analysen, welche sich mit den generischen Gründen dieses Zustands befassen. Dabei wird immer offensichtlicher – die Reaktoren waren scheinbar bereits sehr stark beschädigt gewesen, bevor die Kernschmelze ihren Höhepunkt erreichte.

Sicherheitsbehälter vor Schmelze bereits undicht

Die japanische Presseagentur JijiPress veröffentlichte heute eine Meldung, nach der eine gestern von Tepco publizierte Analyse ergeben hat, dass der Sicherheitsbehälter von Reaktor 1 bereits vor der Kernschmelze beschädigt war. Noch bis vor drei Tagen hatte das Unternehmen einen informationellen Eiertanz mit der Presse vollführt. Es ging um die Frage – wie stark der innere Druckbehälter durch die Kernschmelze beschädigt ist. Dass es Beschädigungen außerdem am Sicherheitsbehälter geben musste, schien klar, denn man fand tausende Tonnen ausgelaufenes Kühlwasser im Keller der Anlage 1. Nur vermochte die außenstehende Presse sich irgendwie keinen Reim auf die Zusammenhänge zwischen Kernschmelze und Beschädigung des außen liegenden Sicherheitsbehälters zu machen. Die jetzige Meldung vervollständigt, wie ein fehlendes Puzzleteil, das Bild hervorragend. Der Druckbehälter war schon schon recht früh beschädigt und entließ zunehmend Dampf in den Sicherheitsbehälter, welcher dem damit aufgebauten Druck und der erhöhten Temperatur nicht standhalten konnte.

Versiegelungen und Dichtungen gaben nach

In einer Meldung des Daily Yomiuri spricht man von einem Druck innerhalb des Behälters von Reaktor 1, der zwölf Stunden nach dem Erdbeben um das Doppelte über dem lag, für was der Sicherheitsbehälter eigentlich ausgelegt ist. Versiegelungen und Dichtungen hätten nachgegeben und es sei zu den Leckagen gekommen. Laut Tepco könne sich dieser Vorgang auch schneller vollzogen haben. Die Kernschmelze fand aber erst weitere vier Stunden später statt. Auch für Reaktor 2 musste man ein Leck im Sicherheitsbehälter eingestehen, welches wohl schon 21 Stunden nach dem Beben auftrat. Dort fand die Kernschmelze laut Tepco sogar erst 101 Stunden nach dem Beben statt.

Entscheidende Erdbebenschäden in Block 3

Bereits gestern wurde bekannt, dass es auch in Block 3 Schäden gab, welche bereits vor der Kernschmelze existierten. Hier handelte es sich aller Abschätzungen nach sogar um einen stark sicherheitsrelevanten Fall. Noch vor Tagen behauptete Tepco, dass es keine hauptsächlichen durch das Beben verursachten Schäden gäbe. Gestern nun ruderte das Unternehmen zurück und gab zu, dass eine sehr wichtige Rohrleitung des Notsystems wohl doch durch die Erschütterungen beschädigt wurde. Letztlich könnte die fehlende Kühlung für den Reaktor 3 auch aus dieser Beschädigung herrühren.

Alle diese neuen Erkenntnisse werfen abermals Fragen über die Sicherheit von Atomkraftwerken auf. Sollten die Druckbehälter in den Reaktoren 1 und 2 nicht erst durch die direkte Einwirkung der Kernschmelze beschädigt worden sein, muss man doch fragen, inwieweit die Konstruktion überhaupt fähig war, eine ihrer wichtigsten Aufgaben zu erfüllen – so lange wie möglich den beginnenden GAU nach außen abzuschirmen, damit alles getan werden kann, um diesen abzuwenden.

Quellen: JijiPress, Daily Yomiuri Online, NHK-World

Siehe auch: Fukushima Update – 12.05, 13.05, 14.05, 15.05, 16.05, 17.05, 18.05, 19.05, 20.05, 21.05, 22.05, 23.05, 24.05, 25.05 (1), 25.05 (2), sowie Restrisiko Fukushima und IAEA/Fukushima