Fukushima: Kerne in Block 2 und 3 auch geschmolzen

Fukushima: Kernschmelze in allen Reaktoren - Daniel Clemens
Fukushima: Kernschmelze in allen Reaktoren - Daniel Clemens
Aus dem Verdacht wird am 24.05.2011 langsam Gewissheit - in Fukushima ereigneten sich Kernschmelzen in allen drei Reaktoren.

Wer hätte das gedacht - Tepcos Vermutungen haben sich nun anscheinend als richtig erwiesen. Vielleicht handelte es sich ja von Anfang an mehr als nur um Vermutungen? Seit dem 12. Mai vollführt der Betreiberkonzern des havarierten Atomkraftwerkes Fukushima 1 einen informationellen Eiertanz um den Zustand der Reaktoren 1, 2 und 3. Am 15. Mai gab Tepco einen ersten detaillierten Bericht heraus, der bestätigte, dass es in Reaktor 1 zur vollständigen Kernschmelze gekommen sei. Schon vorher wurde im Dunstkreis der Firma von der Möglichkeit gesprochen, dass die Situation in den beiden anderen Blöcken, ähnlich der in Block 1 sein könnte. Jetzt weiß man es genau.

Tage nach dem Beben geschmolzen

Tepco versucht sich weiterhin in Konjunktive zu retten, denn laut einem Vertreter der Firma – könnte - es sein, dass die Kerne teilweise geschmolzen sind. Der Zusatz hört sich dann aber ganz und gar nicht nach Eventualität an - wenn es denn aber so ist, dann passierte es in Reaktor 2 etwa 101 Stunden und in Reaktor 3 etwa 60 Stunden nach dem Beben. Diese Erkenntnisse soll eine Analyse der Zustände in den Reaktoren nach Beben und Tsunami gebracht haben. Es wird aber weder Auskunft darüber gegeben, woher die Daten für diese Analyse stammen, noch wie lange diese schon bekannt sind. Tepco betonte aber auch, dass die Lage in beiden Reaktoren unter Kontrolle zu sein scheint. Die moderaten Temperaturen würden zeigen, dass die Masse erfolgreich gekühlt wird.

Der lange Weg der Erkenntnis

Es war der 12. Mai als das Unternehmen meldete, man hätte viel weniger Kühlwasser in Reaktor 1 gefunden als vermutet. Dass würde wiederum auf Beschädigungen des Behälters hindeuten und auf eine mögliche partielle Kernschmelze. Die partielle Schmelze wich in den darauf folgenden Tagen einer totalen Verflüssigung aller Brennelemente. Am 17. Mai legte Tepco dann einen vollständig ausgearbeiteten Plan zur Rückgewinnung der Kontrolle über alle Reaktoren vor. Basierend auf der Situation in Block 1 wurde dabei einfach die Möglichkeit mitverarbeitet, dass die Kerne der Reaktoren 2 und 3 auch geschmolzen sind, obwohl man angeblich noch keine Informationen über die dortigen Zustände hatte. Man erklärte einfach, die dortigen Wasserstandanzeiger würden wahrscheinlich auch falsche Daten hergeben. Bei dem der japanischen Regierung vorgestellten Plan handelte es sich aber nicht um eine mögliche Version der Arbeiten der kommenden Monate, sondern Tepco versprach, bis Januar die Lage zu kontrollieren.

Scheibchen für Scheibchen

Um im Konjunktiv zu bleiben - könnte es nicht sein, dass man bereits mehr wusste, als man zugeben wollte? Die berühmte „Salamitaktik“ scheint doch hier Anwendung gefunden zu haben. Tepco trifft Entscheidungen auf einer möglichen Informationsbasis, die sich plötzlich Tage später als fundiert erweist. Gibt sich darüber hinaus aber unwissend. So würde auch die abschließende Aussage Tepcos am heutigen Tage dazu passen. Man sagte nämlich, dass man wahrscheinlich eine totale Schmelze verhindert habe, wenn die Anzeige des Wasserstandes im Druckbehälter dem tatsächlichen Pegel entspricht. Auch wenn einem beim Aufschneiden einer Salami dünne Scheiben serviert werden, sieht man doch das Ende kommen.

Quellen: JijiPress, Kyodo News, NHK-World

Siehe auch: Fukushima Update – 12.05, 13.05, 14.05, 15.05, 16.05, 17.05, 18.05, 19.05, 20.05, 21.05, 22.05, 23.05, sowie Restrisiko Fukushima und IAEA/Fukushima