
- Fukushima: Kernschmelze aller Kerne befürchtet - Daniel Clemens
In einer gestern gehaltenen Fernsehrede bezeichnete es Goshi Hosono, der Berater des japanischen Premierministers, als wahrscheinlich, dass die Reaktoren 2 und 3 des Atomkraftwerkes in Fukushima auch eine Kernschmelze erlitten haben könnten. Die Kühlung der inneren Teile hatte dort zwar lediglich zwischen sechs bis sieben Stunden nach dem Erdbeben auf sich warten lassen, jedoch sei auch das ein zu langer Zeitraum.
Ausmaße der Kernschmelze in Reaktor 1 immer noch schleierhaft
Derweil kann auch heute über den tatsächlichen Zustand des Reaktors im Gebäude 1 der Anlage spekuliert werden. Nachdem gestern unterschiedliche, sich teils widersprechende Informationen nach Außen weitergegeben wurden, steht einzig fest – der Kern ist geschmolzen und die Schmelze ist auf den Boden des Druckbehälters gelangt. Darüber hinaus sprechen Tepco-Vertreter von einer möglichen Beschädigung des Behälters in Form von kleinen Löchern. Durch diese würde zwar Kühlwasser beständig auslaufen, dass es aber zu einem Austritt verflüssigten Kernmaterials gekommen sei, wollte man nicht bestätigen. Die Arbeiter pumpen zurzeit nach neuen Angaben stündlich acht bis zehn Tonnen Wasser in den Reaktor, was einer Wassermenge von 190 bis 240 Kubikmetern täglich entspräche. Gleichzeitig schaffen sie es aber nicht, den Pegel des Kühlwassers zu heben. Indessen scheint sich das auslaufende radioaktiv verseuchte Wasser, weiterhin im Keller des Gebäudes zu sammeln.
Ein Teil der Schmelze immer noch ohne Kühlung
Wenn schon der „Worst Case“ eingetreten ist, wie für Reaktor 1 jetzt bestätigt, dann hoffte man noch vor einigen Tagen, dass sich der Klumpen Kernmaterial am Boden des Druckbehälters vollständig in Kühlung befindet. Sich seine Aktivität also langsam einschränken lässt. Wie gestern verlautbart wurde, könne es aber auch sein, dass Teile der Masse oberhalb des Wasserpegels liegen und deshalb nicht gekühlt werden. Sollte es so sein, hätte man ein sehr großes Problem. Man kann aus bekannten Gründen den Pegel nicht erhöhen. Man kann aber sicher ebenso wenig die Ursache dessen bekämpfen. Eine Versiegelung des Behälters direkt unter der noch aktiven Masse, umgeben von auströmenden schwer radioaktivem Wasser, scheint nicht machbar.
Tepco präsentiert heute neue „Road Map“
Was der angeschlagene und seit gestern ausgezählte Betreiberkonzern Tepco plant, soll er heute der japanischen Regierung vorstellen. Diese erwartet seit dem Abkommen über eine finanzielle Unterstützung des Unternehmens seitens des Steuerzahlers, vollständige Aufklärung über die Planungen zur Rückgewinnung der Kontrolle über die Reaktoren. Schon vorgestern wurde ein neuer Ansatz publiziert. Man will anscheinend das sich im Keller sammelnde Wasser über einen Filter für Radioaktivität, um eine akkumulierte Verseuchung zu minimieren, und einen Wärmeaustauscher wieder dem Reaktor zuführen. Nachdem man entdeckt hatte, dass der Druckbehälter beschädigt sein musste, trat man vom ursprünglichen Plan zurück, um diesen einen geschlossenen Kreislauf zu etablieren. Inwieweit die Tepco-Ingenieure immer noch bereit sind, diesen doch sehr improvisiert wirkenden Plan, in die Tat zu setzen, wird man heute sehen. Wird er jedoch Teil der „Road Map“, verdeutlicht man damit auch, dass es nur noch wenige Strohhalme zum "drum Klammern" gibt. Denn mit Eindämmung von Kontamination hätte ein solches Vorgehen nichts mehr zu tun. Das Risiko einzugehen, einen derart offenen Kreislauf einzurichten, würde gleichzeitig zeigen, welche Gefahr in den Augen der Ingenieure vom noch aktiven Klumpen Kernmaterial ausgeht.
Quellen: JijiPress, NHK-World 1 - 2
siehe auch: Fukushima Update - 12.05, 13.05, 14.05, 15.05, 16.05, sowie Restrisiko Fukushima
