
- Fukushima: 20 Terabecquerel ins Meer gelangt - Daniel Clemens
Insgesamt 41 Stunden strömte aus einer Öffnung an Block 3 hoch verseuchtes Wasser aus. Tepco-Ingenieure sprechen von sechs Kubikmeter pro Stunde, was einem Gesamtvolumen von etwa 250 Kubikmetern der mit radioaktiven Substanzen angereicherten Flüssigkeit entspricht. Anhand von Messungen errechnete man eine wahrscheinliche Gesamtmenge von zwanzig Terabecquerel an den radioaktiven Isotopen Jod 131, Caesium 134 und Caesium 137.
Arbeiter hörte ausströmendes Wasser
Laut der Pressemitteilung hörte ein Arbeiter gegen 12.30 Mittags des 11. Mai das Geräusch ausströmenden Wassers in der Nähe des eigentlichen Wassereinlass des Blocks 3. Nachdem er eine Abdeckung über einem Kabelschacht geöffnet hatte, sah er die Quelle des Geräusches. Etwa eine Stunde später wurden die Messungen durchgeführt, auf denen die gestern veröffentlichte Hochrechnung basiert. Man verfolgte den Weg des Wassers durch mehrere mit einander verbundene Kabel und Röhrenschächte, durch die es letztlich zum Einlass für Gebäude 3 gelangte. Da man die Pegelstände des im Keller stehenden Wassers kontrollierte, konnte man nachvollziehen, wann der Ausfluss ungefähr begonnen hatte. Zwei Stunden nach Mitternacht am 10. Mai, fing der bis dahin steigende Pegel plötzlich an zu sinken. Von da an bis zum Stopp des Ausflusses gegen 19 Uhr am Abend des 11. Mai vergingen 41 Stunden, in denen das Wasser ins Meer gelangte.
Unglaubliche Menge an radioaktiven Material
Die Menge an zerfallsbereitem Jod und Caesium ist immens. Um eine Vorstellung davon zu bekommen, wie viel radioaktives Material da ins Meer gelangt ist, sollte man Folgendes bedenken. In Deutschland liegt der gesetzliche Grenzwert für radioaktive Stoffe pro Kilogramm Lebensmittel bei 600 Becquerel. Nur bei Milch und Babynahrung liegt er darunter. Wird ein Wert über dieser Grenze festgestellt, gilt das Kilogramm dieses Lebensmittels als zu stark belastet und darf nicht zum Verzehr genutzt werden. Die zwanzig Terabecquerel vollständig in Nahrung angereichert bedeutet, dass mehr als 300.000 Tonnen als verseucht gelten würden.
Nun ist eine solche gedachte Anreicherung sehr fiktiv, jedoch dürfte anhand dieser Zahlen deutlicher werden, welche Auswirkungen eine solche Menge auf das Ökosystem vor der Küste des havarierten Atomkraftwerks haben könnte. Außerdem lässt es schlimme Vermutungen über den Grad der Verseuchung des restlichen Wassers in den Kellern der Gebäude zu. Immerhin handelt es sich laut Tepco um annähernd 100.000 Tonnen, die da in der gesamten Anlage vermutet werden. Auch wenn nur ein geringer Teil dessen so schwer verseucht sein sollte, wie das in der zweiten Maiwoche ausgetretene Wasser, dürfte das Schadenpotential für die Umgebung jenseits der Vorstellungskraft liegen.
Quellen: Tepco Pressebericht, WeltOnline, JijiPress 1 – 2
Siehe auch: 12.05, 13.05, 14.05, 15.05, 16.05, 17.05, 18.05, 19.05, 20.05, 21.05, sowie Restrisiko Fukushima und IAEA/Fukushima
