Nach Meldungen der japanischen Medien ist das Wasser, welches sich im Keller von Block 1 des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi angesammelt hat, schwer radioaktiv belastet. Nach einer Probennahme durch Arbeiter wurde festgestellt, dass es mit etwa 30.000 Becquerel radioaktives Jod, 2,5 Millionen Becquerel Caesium 134 und 2,9 Millionen Becquerel Caesium 137 pro Kubikzentimeter belastet ist. Bei einer seitens Tepcos angenommenen Gesamtmenge von 2.700 Tonnen in den unterirdischen Räumen und Schächten des Gebäudes 1 handelt es sich um eine Gesamtmenge von fast fünfzehn Billiarden Becquerel der radioaktiven Stoffe.

Wasser in Reaktor 2 dürfte noch höhere Belastung haben

Diese Werte seien laut der Betreiberfirma des Kraftwerks fast die gleichen, wie die im Turbinenhaus des Blocks 2 - was nicht automatisch heißen muss, es seien die Werte wie in den Kellern des Reaktorblocks 2. Anhand älterer Meldungen lässt sich dort eine weitaus höhere Belastung vermuten. Zwischen dem 1. April und dem 6. April sind dort durch einen Riss in der Fassade des Blockes rund 520 Tonnen kontaminiertes Wasser ausgelaufen. Diese Menge war laut Schätzungen mit etwa 4,7 Billiarden Becquerel dieser Stoffe belastet.

Ähnliche Probleme in der gesamten Anlage

Das verseuchte Wasser stammt aus der andauernden Kühlung der geschmolzenen Massen, die einmal die Kerne der Reaktoren 1 bis 3 gewesen waren, und der Kühlbecken aller vier Blöcke mit Frischwasser. Da es jedoch Beschädigungen an den Druck und Sicherheitsbehältern gibt, leckt es bis dato ungehindert in die Keller. Ein angestrebtes Recycling des leckenden Wassers zur Wiederverwendung als Kühlwasser und die damit eingeschränkte Ansammlung immer neuer Mengen davon, konnten bisher noch nicht verwirklicht werden. Hohe Radioaktivität und eine unübersichtlicher Zustand der Anlage verhinderten dieses bis jetzt. Durch das Einsetzen starker Regenfälle im Gebiet im Zuge einer Unwetterfront wird befürchtet, die Keller könnten durch das neuerliche Wasser von Oben überlaufen. Bei solchen Werten würde das eine massive Verseuchung von Boden, Grundwasser und Meerwasser bedeuten, gegen die deren bisherige Verseuchung moderat zu nennen wäre.

Immer weitere Regionen verstrahlt

Unterdessen stellte sich heraus, dass immer weitere Gebiete durch eine atomare Verseuchung betroffen sind. Die Gemeinden Iitate und Namie müssen aufgrund der steigenden Strahlungswerte vollständig evakuiert werden. Die Belastung der Einwohner liegt bereits weit über der gesetzlich zugelassenen. Laut japanischen Medien liegen beide Orte innerhalb der erweiterten Evakuierungszone von 40 Kilometern. Jedoch dürfte diese nicht mehr in ihrer jetzigen Form bestehen bleiben. Eine kreisrunde Evakuierungszone entspricht nicht den Realitäten. Wind und Wetter bestimmen das tatsächlich betroffene Gebiet. Auf einer Karte, welche durch die deutsche Gesellschaft für Anlagen und Reaktorsicherheit (GRS) ohne Herkunftsverweis online publiziert wurde, sieht man vermutlich den tatsächlich betroffenen Bereich in Form einer geplanten Evakuierungszone. Da aber nicht damit zu rechnen ist, dass das Problem Fukushima schnell in den Griff zu bekommen ist und sich deswegen wohl immer mehr radioaktive Teilchen in und um dem Werk ansammeln, die durch Wind und Wasser ausgetragen werden können, dürfte es noch ein langer dynamischer Evakuierungsprozess werden.

Arbeiter in Fukushima verseucht

Dass sich auf dem Gelände des AKW auch mit entsprechender Schutzkleidung keine innere Verseuchung mehr verhindern lässt, wurde jetzt erstmals deutlich. Nachdem es in den letzten Wochen immer wieder Meldungen über verstrahlte Arbeitern gab, welche einer zu hohen Strahlenbelastung in Form von mehreren Millisievert in sehr kurzer Zeit ausgesetzt waren, hat man jetzt bei zwei Arbeitern einen erhöhten Jodwert in den Schilddrüsen festgestellt. Laut einer Meldung der Agentur JijiPress handelt es sich um zwei Männer, welche aber bereits vom Gelände abgezogen wurden. Bei einer Nachuntersuchung wurde der erhöhte Wert festgestellt.

Auch die Strahlungswerte welchen die Arbeiter durch äußerliche Quellen ausgesetzt sind, macht Kopfzerbrechen. So haben wohl über 30 von ihnen bereits eine akkumulierte Dosis von mehr als 100 Millisievert abbekommen. Laut dem Helmholtz-Institut München ist bei diesem Wert mit einem erhöhten Krebsrisiko zu rechnen. Einige wenige Arbeiter wurden dagegen mit Dosen jenseits der extra für die Arbeiten dort erlaubten 250 Millisievert belastet. Ob sich die Arbeit also für die meist bei Subunternehmen angestellten Personen lohnt, dürfte keine finanzielle Frage mehr sein. Außerdem soll sich selbst die Bezahlung für diese laut Spekulationen in Grenzen halten. Diese soll bei rund 150 bis 170 Euro am Tag liegen.

(nachträgliche Anmerkung des Autors: In allen deutschen Medien wird von Becquerel pro Kubikmeter gesprochen (benutzt in der ersten dpa-Meldung), was sich aber nicht mit den japanischen Meldungen deckt. Dort wird von Kubikzentimetern gesprochen, was auch viel sinnvoller ist, denn 2 Millionen pro Kubikmeter wären nur 2000 Becquerel pro Liter Wasser, was eine relativ schwache Belastung darstellen würde - erst ab 600 pro Kilogramm gilt ein Lebensmittel normalerweise gesetzlich als nicht mehr genießbar, im Zuge der Krise hat die EU den Grenzwert sogar auf 1250 hochgesetzt )

Quellen: NHK-World (1) – (2) – (3) - (4) - (5), The Japan Times, JijiPress (1) – (2), Tepco-Pressebericht, Helmotz-Institut, GRS-Karte

Siehe auch: Fukushima Update – 12.05, 13.05, 14.05, 15.05, 16.05, 17.05, 18.05, 19.05, 20.05, 21.05, 22.05, 23.05, 24.05, 25.05 (1) – (2), 26.05, 27.05, 28.05, 29.05, sowie Restrisiko Fukushima und IAEA/Fukushima