
- Atomkraftwerk Isar 1 bei Landshut - C.v.Gerstenberg
Die Aufräumarbeiten in der Atomruine Fukushima gestalten sich nach wie vor sehr schwierig. Kurz nachdem der Kraftwerksbetreiber Tepco eine neue Anlage zur Dekontaminierung des hochgradig verseuchten Wassers in Betrieb genommen hatte, mussten die Arbeiten wieder unterbrochen werden. Der Grund: zu hohe Strahlenwerte. Über die Hintergründe des neuerlichen Rückschlags erfahren Sie mehr in diesem Artikel.
Neue technische Anlage fällt schon nach wenigen Stunden aus
Nur wenige Stunden nach dem Start der Aktion, bei dem erstmals eine neu erbaute Anlage zur Dekontamination von radioaktiv verstrahltem Wasser in Betrieb genommen wurde, mussten die Arbeiten auch schon wieder abgebrochen werden. Die Strahlenwerte waren schneller als erwartet gestiegen und ließen eine Fortsetzung der Aktion nicht zu. Die mit französischer und US-amerikanischer Technologie konstruierte Anlage sollte in der Atomruine täglich 1.200 Tonnen cäsiumverseuchtes Wasser reinigen. Doch die noch unerprobte Anlage machte den Technikern von Tepo einen Strich durch die Rechnung. Obwohl sie mehrere Wochen betrieben werden sollte, erreichte sie bereits innerhalb weniger Stunden ihre maximale Aufnahmekapazität. Wie ein Tepco-Sprecher mitteilte, könne man derzeit nicht sagen, wann die Anlage wieder in Betrieb gehen wird. Er räumte ein, dass es Probleme geben könnte, das verstrahlte Wasser zu dekontaminieren, falls der Betrieb der Anlage nicht innerhalb einer Woche erneut starten könne.
In dem havarierten AKW schwappen derzeit noch 100.000 Tonnen hochgradig radioaktiv verseuchtes Wasser herum, das von den Einsatzkräften in der Vergangenheit zur Kühlung der Reaktoren eingesetzt worden war. Im April 2011 hatte Tepco bereits 10.000 Tonnen schwach radioaktiv verstrahltes Wasser ins Meer gepumpt. Diese Vorgehensweise war von den Nachbarländern China und Südkorea wegen der schädlichen Auswirkungen auf die Umwelt kritisiert worden. In der Region rund um Fukushima weisen die Fische und Meeresfrüchte stark erhöhte Strahlenwerte auf, die sie für den menschlichen Verzehr ungeeignet machen. Die Fischer bangen deshalb um ihre Existenzgrundlage. Experten gehen derzeit davon aus, dass die Region für mindestens 200 bis 300 Jahre verstrahlt sein wird. Das bedeutet, dass die früheren Bewohner nie wieder in ihre verlassenen Häuser zurückkehren können.
Japan: Gedenkfeiern für die vielen Opfer der Naturkatastrophe
Die Reinigung des radioaktiv verseuchten Wassers gehört in Fukushima zu den vordringlichsten Aufgaben. Kernkraftwerksbetreiber Tepco hat es bis zum heutigen Tag nicht geschafft, den Austritt weiterer radioaktiver Strahlung aus der Atomruine zu verhindern. Die in den letzten Wochen diskutierten Pläne, das AKW unter einer Hülle aus Sand oder Beton zu begraben bzw. mit großen Polyesterplanen abzudecken, wurden bisher nicht realisiert. Nach dem schweren Erdbeben der Stärke 9,0 vom 11. März 2011 und dem darauf folgenden Tsunami wurde rund um das Atomkraftwerk eine 20-Kilometer-Schutzzone eingerichtet, die nur mit Sondergenehmigung betreten werden darf.
In Japan nahmen unterdessen Tausende von Menschen an Gedenkfeiern für die Opfer der Naturkatastrophe statt, die weite Teile des Nordostens dem Erdboden gleichgemacht hatte. Aus den Trümmern konnten bisher 15.400 Leichen geborgen werden. Noch immer gelten rund 7.700 Menschen als vermisst. Dass diese mehr als drei Monate nach der verheerenden Katastrophe noch gefunden werden, gilt als unwahrscheinlich. Das Erdbeben vom März 2011 gilt als das schlimmste, das Japan jemals heimgesucht hat.
Quellen
- spiegel.de
- focus.de
