Über die Maßnahmen „… kann nicht gesagt werden, dass sie ausreichend sind“, urteilte Goshi Hosono, der Berater des japanischen Ministerpräsidenten, bezüglich der Vorbereitungen auf das erwartete schlechte Wetter an diesem Wochenende. Japan ist mitten in der Taifunsaison und mit dem Taifun Songda befindet sich gerade ein besonders schwerer über dem westlichen Pazifik. Derzeit treibt er noch bei den Philippinen sein Unwesen. Im Laufe des nächsten Tages soll er aber einen Haken schlagen und auf Japan zusteuern. Vor allen das südlich gelegene Okinawa könnte betroffen sein. Doch auch das havarierte AKW Fukushima könnte allen Befürchtungen nach in den Einfluss des Unwetters geraten. Windgeschwindigkeiten mit bis zu 170 Stundenkilometer und starker Regen werden für große Teile Nippons erwartet.

Starkregen und Wind bedrohen die ungeschützten „Reaktorstümpfe“

In den letzten Tagen vermeldete Tepco vermehrt, Mittel zur Staubunterdrückung über das Gelände verteilt zu haben. Das Mittel wurde schon in den letzten Wochen versprüht, es soll verhindern, dass sich radioaktive Kleinstteilchen durch Wind und Wetter auf und davon machen und noch größere Flächen kontaminieren. Wie sich der Stoff und die radioaktiven Teilchen bei dem befürchteten Starkregen verhalten, kann nur vermutet werden. Das es bei Niederschlag zum Abfluss dann kontaminierten Regenwassers in den nahe gelegenen Ozean kommt, lässt sich wohl nicht vermeiden. Große Sorgen machen aber anscheinend die „Reaktorstümpfe“ der Anlagen 1 und 3. Durch Explosionen Tage nach dem Beben ist ihre Hülle vor allem im oberen Teil komplett zerstört. Regen und Wind können dort ungehindert einwirken.

Schutz erst im Juni bereit

Bereits Ende März geisterte eine Idee durch Kreise der Verantwortlichen, die Reaktoren durch Planen abzudecken. Seitdem ist man aber keinen Schritt weiter gekommen. Zwischenzeitlich wurde diese Variante unter Experten und in den Medien einige Male als vorübergehende Notlösung diskutiert, aber seitens des AKW-Betreibers nie wirklich in Angriff genommen. Im Hinblick auf den heranziehenden Taifun musste Tepco nun eingestehen, dass die angedachten Maßnahmen wohl erst Mitte Juni bereit stehen würden.

Schlechtes Wetter – Schlechte Aussichten

Die Auswirkungen eines derartigen Unwetters liegen klar auf der Hand. Die Aufräumarbeiten werden derzeit schon von Wasser behindert - aber dieses kommt noch von unten. In die Reaktoren wird zur Kühlung der Kernschmelze, die wahrscheinlich zähflüssig und verkrustet am Boden der Druck und/oder Sicherheitsbehälter liegt, weiterhin Wasser gepresst. Die immer noch entstehende Nachwärme in der Schmelzmasse gilt es abzuführen, um ein neuerliches Aufleben des noch aktiven Materials zu verhindern. Vor über einer Woche wurden deswegen offiziell fast 100.000 Tonnen kontaminiertes Wasser in den Kellern des AKW vermutet. Diese Marke dürfte jetzt wohl deutlich überschritten sein, denn als man am 20. Mai im Keller von Block 1 noch 4,2 Meter Wasserhöhe maß, sind es seit einer gestrigen Messung bereits fünf Meter und noch immer weiß man nicht, wohin damit.

Wassermassen sind ein großes Problem

Die Mengen aus einem Gebäude in ein dafür extra umbenanntes – weniger umfunktioniertes – anderes Gebäude zu pumpen, scheint nichts zu bringen. Das Wasser sucht sich, wie gestern seitens Tepco bestätigt, wohl eh wieder seinen Weg in die unterirdischen Schächte des AKW. Wenn jetzt auch noch Wassermassen von Oben dazu kommen, dürfte die Lage gänzlich unkontrollierbar werden. Eine Bloomberg Meldung beruft sich auf einen IAEA-Spezialisten, der davon berichtet, dass Tepco ein massives Problem mit dem kontaminierten Wasser hat. Der japanische Fernsehsender NHK vermeldet einen ständig steigenden Wasserpegel in den AKW-Gebäuden. In den Blöcken 2 und 3 liege der Wasserspiegel schon rund einen halben Meter unter der Oberfläche. Die erwarteten Regenfälle könnten dann zum Ausfluten der „Brühe“ führen. Diese würde dann sowohl ins Erdreich, als auch in den Ozean gelangen.

Genauso schlimm dürfte der starke Wind sein, der bereits kontaminiertes Regenwasser neu vaporisieren könnte und dann vielleicht über weite Flächen verteilt. Es bleibt zu hoffen, dass die Wettervorhersage ihrem schlechten Ruf gerecht wird und Fukushima dem Schlimmsten fürs Erste entgeht.

Quellen: The Mainichi Daily News, Stern.de, NHK-World (1) – (2) - (3), JijiPress, MeteoGroup Deutschland (YouTube Channel), Bloomberg

Siehe auch: Fukushima Update – 12.05, 13.05, 14.05, 15.05, 16.05, 17.05, 18.05, 19.05, 20.05, 21.05, 22.05, 23.05, 24.05, 25.05 (1) – (2), 26.05, 27.05, sowie Restrisiko Fukushima und IAEA/Fukushima