Fukushima: Tepco gibt Austreten der Kernschmelze indirekt zu

Fukushima: Kernschmelze durchgebrochen - Daniel Clemens
Fukushima: Kernschmelze durchgebrochen - Daniel Clemens
Am 24.04.2011 hat sich nicht nur die Lage in den Blöcken 2 und 3 offiziell verschlimmert, denn auch für Reaktor 1 gibt es eine neue Hiobsbotschaft.

Die Katastrophe in Japan hat weltweit am 24.05.2011 plötzlich medial Fahrt aufgenommen. Dabei hat Tepco nichts weiter gemacht, als Offensichtlichkeiten zu bestätigen. Denn die dafür gestern veröffentlichte Analyse wurde am 16. Mai von der NISA, der japanischen Atomsicherheitsbehörde, in Auftrag gegeben. Ebenfalls am 16. Mai befürchtete Goshi Hosono, der Berater des japanischen Premierministers, eine Kernschmelze in allen Reaktoren. Es ist nahe liegend, wenn auch nicht sicher, dass beide Ereignisse in Zusammenhang stehen. Am darauf folgenden Tag stellte Tepco auf Anforderung der Regierung seine „Road Map“ vor, also den Plan für die Rückgewinnung der Kontrolle über die Blöcke 1 bis 4 in den nächsten acht Monaten. In diesem ging das Unternehmen einfach davon aus, dass die Lage in den Reaktoren 2 und 3 ähnlich der in Reaktor 1 ist, obwohl man angab, nichts Essentielles über deren Zustand zu wissen.

Tepco bestätigt in den folgenden Tagen diese Vermutungen

Für Reaktor 1 stand zum damaligen Zeitpunkt zumindest eine Schmelze großer Teile des Kerns bereits fest. Bis zum heutigen Tag haben sich dann alle damals befürchteten Zustände für Block 2 und 3 bestätigt. Tag für Tag schien sich ein weiteres Fenster zu den Situationen in den Blöcken des AKW zu öffnen. Ein großes wurde dann eben gestern endgültig geöffnet - aber auch ein kleines daneben. Und während die Weltpresse sich vor dem Panoramafenster drängelte, steckte niemand seinen Kopf durch das kleine Oberlicht. Tepco bestätigt nämlich in derselben Analyse den Austritt von Kernmaterial aus dem Druckbehälter von Reaktor 1. Einzig eine NHK-World Meldung des heutigen Tages verweist explizit auf diese Vorkommnisse. Laut dem Bericht wurde der Druckbehälter zwei Stunden nach beginnender Kernschmelze, also 18 Stunden nach dem Beben, beschädigt.

Auch Austritt der Kernschmelze schon länger vermutet

Eine ältere NHK-Meldung von vor fünf Tagen ließ schon einmal aufhorchen. In dieser wurden einem Tepco-Sprecher Worte zugewiesen, die eindeutig die Annahme zuließen, Material sei ausgetreten und für die Beschädigungen am Sicherheitsbehälter verantwortlich, durch die seit längerem stark kontaminiertes Wasser austritt. Bis dahin bestritt das Unternehmen einen solchen Zustand immer. Es hieß, dass es zwar Beschädigungen gebe, das Material aber noch im Druckbehälter sei. Die gestrig veröffentlichte Analyse legt den Fokus auf die Anlagen 2 und 3, in den Feldern für den Kernzustand dieser beiden Reaktoren wird nur auf den dann vorgestellten Anhang verwiesen, doch liest man über den Zustand von Kern 1 folgendes, „… es ist denkbar, dass ein großer Teil des Kerns im Druckbehälter gekühlt wird.“ Was nichts anderes heißt, als dass in jedem Fall Material aus dem Kern in den Sicherheitsbehälter gelangt ist. Was auch heißen kann, dass es ein Austritt großer Teile des Kerns aus dem Druckbehälter vorstellbar ist.

Schmelze der Anlagen 2 und 3 laut Tepco noch im Druckbehälter

Ist es so, sind alle Versuche, das Material zu kühlen, sehr schwierig. Man stelle sich vor, das Material befinde sich aufgeteilt, einmal im Druckbehälter und einmal auf der Betoneinspannung im Sicherheitsbehälter (siehe GRS-Skizze). Doch Tepco will laut vorgelegter „Road Map“ einen großen Kühlkreislauf installieren. Dabei soll aus dem Behälter leckendes kontaminiertes Kühlwasser aufgefangen und durch einen Radioaktivitätsfilter und einen Wärmetaustauscher zurück in den Reaktor gepumpt werden. Wenn alles klappt, will man so bis Januar 2012 das Material inaktiv bekommen. Für Reaktor 2 und 3 wird, auch nach den neuen Erkenntnissen über Reaktor 1 und abweichend zur Aussage bei Vorstellung der „Road Map“, angenommen, dass sich das geschmolzene Kernmaterial in den Druckbehältern befindet. Ganz sicher ist man sich aber nicht, weitergehende Analysen sollen Aufschluss bringen. Für die Keller der beiden Anlagen zeichnet man jedenfalls eine ähnliche Situation wie in denen des Blockes 1. Sie stehen metertief unter Wasser, Kühlwasser aus dem Reaktor.

Quellen: Tepco-Analyse, NHK-World, GRS-Skizze

Siehe auch: Fukushima Update – 12.05, 13.05, 14.05, 15.05, 16.05, 17.05, 18.05, 19.05, 20.05, 21.05, 22.05, 23.05, 24.05, sowie Restrisiko Fukushima und IAEA/Fukushima