
- Fukushima: Explosion fahlässig verursacht? - Daniel Clemens
Man hätte den Überdruck in Reaktor 1 ablassen müssen, doch Tepco verzichtete zu lange auf diese vorgeschriebene Notoperation. Damit verstieß der Betreiber des havarierten Atomkraftwerks Fukushima gegen geltende Sicherheitsvorschriften. Eine Richtlinie, welche der japanischen Rundfunkgesellschaft NHK vorliegt, verlangt bei Überdruck im Reaktor, diesen durch Ventilation zu entlasten.
Eine Explosion wäre vermeidbar gewesen
Als nämlich der Druck innerhalb des Kessels, aufgrund der fehlenden Kühlung, auf das Doppelte des normalen Betriebsdruckes angestiegen war, hätte er abgelassen werden müssen. Dieses war laut NHK bereits dreizehn Stunden vor der am 12. März erfolgten Wasserstoffexplosion der Fall. Tepco entschloss sich aber erst sechs Stunden davor, die Prozedur zu beginnen. Angeblich aufgrund einer Behinderung durch bereits auftretende Radioaktivität, konnte dann aber erst eineinhalb Stunden vor der Explosion ventiliert werden. Diese Verzögerung erhöhte die Gefahr einer Explosion. Tepco wollte sich zu diesen Vorwürfen bisher nicht äußern.
Wärmeaustauscher für Kühlbecken noch diese Woche
Unterdessen bekräftigte das Unternehmen seinen Plan für das Kühlbecken in Block 2, noch diese Woche einen Wärmeaustauscher zu installieren. Dieser wurde nötig, da Mitte der letzten Woche, bei erstmaligem Betreten des Gebäudes, Unmengen an sichteinschränkendem Wasserdampf gefunden wurden. Diesen zu reduzieren, muss allen anderen Arbeiten notwendigerweise voraus gehen. Die Temperatur soll, nach Etablierung des Gerätes im benachbarten Turbinenhaus, innerhalb von zwei Tagen von über 80 Grad Celsius auf 65 Grad Celsius gesenkt werden. Danach versucht man sie innerhalb eines Monats schrittweise um weitere 25 Grad Celsius zu reduzieren. An den Kühlbecken in den zerstörten Blöcken 1 und 3 soll im Juni ein gleiches Verfahren angewandt werden, worauf im Juli das Becken in Block 4 ebenfalls mit einem Wärmeaustauscher versorgt wird.
Tepco: Keine Schäden durch Erdbeben verursacht
Eine Veröffentlichung erster Ergebnisse einer internen Untersuchung der Vorgänge die im März zur atomaren Katastrophe geführt haben, kommt außerdem zu dem Schluss, dass nach dem Beben keine gefährlichen Schäden an den Reaktoren bestanden hätten. Erst als folgender Tsunami die Notsysteme lahm legte, sei es zu einer Zuspitzung der Ereignisse gekommen. Dieses zeigten sowohl die Protokolle jenes Tages, als auch die Aussagen der damals anwesenden Arbeiter. Nur im Block 1 sei es durch die Handabschaltung der Notsysteme zu einer negativen Entwicklung gekommen, doch sollen die Umstände die dazu führten, erst mit einem vervollständigtem Bericht vorgestellt und bewertet werden. Laut Medienberichten der letzten Tage wurde die manuelle Abschaltung vorgenommen, um einen befürchteten Schaden am Reaktor abzuwenden. Dieser hätte kurz nach dem Beben plötzlich extrem an Druck verloren und man erhoffte sich mit ausbleibender Kühlung einen gegenteiligen Effekt.
Vom Arbeitsamt nach Fukushima
In den japanischen Medien wird derweil Hintergründiges berichtet. Vor einigen Tagen veröffentlichte Japan Today einen Artikel, in dem davon ausgegangen wird, dass es sich bei einem Teil der Arbeiter in Fukushima um ehemalige Arbeitssuchende handelt. An Fallbeispielen wird dort berichtet, wie in örtlichen „Arbeitsämtern“ Jobs bei von Tepco beauftragten Subunternehmen angeboten wurden. Oberflächlich handelte es sich dabei um Arbeiten im Transportgewerbe, welche mit einem Tagesverdienst von umgerechnet etwa 105 Euro ausgeschrieben wurden. Arbeitslose welche aber das Angebot angenommen haben, fanden sich schnell bei den Aufräumarbeiten auf dem Gelände von Fukushima 1 wieder. Auch der am 14. Mai verstorbene 60jährige Arbeiter soll bei einem Subunternehmen angestellt gewesen sein. Laut einer nicht genannten Quelle soll man gerade für Fukushima Arbeiter dieses Jahrgangs gesucht haben. Man kann sich denken warum.
Quellen: NHK 1 – 2 – 3, JijiPress, Japan Today, Frankfurter Rundschau
Siehe auch: Fukushima Update – 12.05, 13.05, 14.05, 15.05, 16.05, 17.05, 18.05, 19.05, 20.05, 21.05, 22.05, sowie Restrisiko Fukushima und IAEA/Fukushima
