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Fukushima: Tepco vermutet 100.000 Tonnen verseuchtes Wasser

Fukushima: 100.000 Tonnen verseuchtes Wasser - Daniel Clemens
Fukushima: 100.000 Tonnen verseuchtes Wasser - Daniel Clemens
Medien berichten zum 19.05.2011 über eine geborstene Kondensationskammer in Reaktor 2, 100.000 Tonnen verseuchtes Wasser und strahlendes Viehfutter.

Die japanische Agentur JijiPress berichtet, dass man auf dem gesamten Gelände des betroffenen Atomkraftwerkes in Fukushima insgesamt an die 100.000 Tonnen verseuchtes Wasser vermutet. Dabei wurde das Wasser in den Kellern und unteren Stockwerken aller Reaktor- und Turbinengebäude berücksichtigt, aber auch die Wassermengen welche sich noch in den Reaktoren befinden. 7.500 Tonnen davon wurden bereits abgepumpt. Wo die ganze "radioaktive Brühe" später gelagert werden soll, scheint unklar. Das auf dem Weg befindliche riesenhafte Tankfloß soll ja nur leicht verseuchtes Wasser aufnehmen. Jedoch kann man davon ausgehen, dass ein erheblicher Teil des Wassers auf dem Gelände nicht nur leicht strahlt.

Reaktor 2 erstmals betreten

Über eine Woche nachdem erstmals Arbeiter das Gebäude 1 des Atomkraftwerkes in Fukushima betreten konnten, inspizierte man gestern in einem ersten Versuch das Gebäude des Reaktors 2. Vier Angestellte wurden dabei laut Angaben des Betreibers Tepco einer Strahlung von 4,27 Millisievert pro Stunde ausgesetzt. In der Anlage selber fand man vor allem Unmengen an Wasserdampf, die sich in dem äußerlich unbeschädigten Bauwerk angesammelt hatten.

Ventilation zur Druckregulation schlug fehl

Als die Arbeiter sich mit einer Wolframweste und einem speziellen wasserabweisenden Anorak in das Bauwerk wagten, wussten sie nicht, welche Radioaktivität sie dort erwarten würde. Die letzten Messungen wurden einen Monat früher, am 18. April, durch einen Roboter gemacht. Damals wurde dort eine leicht niedrigere Strahlung von 4,1 Millisievert gemessen. Der Roboter selber konnte aber seine Erkundung nicht fortsetzen, da die Sicht durch den Dampf eingeschränkt wurde. Die Mengen an Wasserdampf im Gebäude stammen laut einem Bericht der Japan Times wahrscheinlich aus der unter dem Sicherheitsbehälter liegenden Kondensationskammer. Man geht davon aus, dass sich dort die vier Tage nach dem Erdbeben im Gebäude 2 registrierte Explosion ereignete. Der Kondensationsraum ist unter anderem dafür da, um im Ernstfall durch Wasserdampf entstehenden Druck von den darüber liegenden Einheiten zu nehmen. Durch das Öffnen von Entlastungsventilen am 12. März und am 15. März sollte Dampf aus dieser reifenförmigen Kammer abgelassen werden, was aber aus noch unbekannten Gründen fehlschlug. Wahrscheinlich führte der übermäßige Druckaufbau dann zum Bersten des Behälters und zum Ausströmen von Dampf ins Innere des Reaktorgebäudes.

Innerhalb von zwei Wochen soll Kühlsystem angelegt werden

Nach der 14-minütigen Begehung verkündete Tepco, man werde innerhalb der nächsten zwei Wochen ein Kühlsystem vor allem für das im Gebäude 2 befindliche Abkühlbecken installieren. Neben der geborstenen Kondensationskammer, scheint dieses Becken die Hauptquelle des Wasserdampfes zu sein. Dieser muss aber reduziert werden, da er weiterführende Arbeiten behindert. In welchem Zustand sich der Kern befindet und wie die Arbeiten nach den zwei Wochen in der Anlage weiter gehen sollen, scheint jedoch noch nicht festzustehen.

Verseuchtes Futtergras für Vieh außerhalb der Evakuierungszone gefunden

Laut einem Bericht von NHK-World wurde in der Fukushima Nachbarpräfektur Miyagi verseuchtes Futtergras gefunden. Auf einem Bauernhof bei der Stadt Marumori, etwa 60 Kilometer vom havarierten Atomkraftwerk entfernt, wurde Gras gefunden, welches mit etwa 1.530 Becquerel pro Kilogramm einen über fünfmal so hohen Wert an zerfallsbereitem Caesium aufwies, wie gesetzlich erlaubt. In doppelter Entfernung zum Kraftwerk, in der nördlich gelegenen Stadt Osaki, wurden derweil Proben mit einem leicht über dem Grenzwert liegenden Wert von etwa 350 Becquerel pro Kilogramm entdeckt. Die Werte an schnell zerfallendem radioaktivem Jod sollen aber in beiden Fällen unter dem Grenzwert liegen. Die Landesregierung der Präfektur hat die etwa 6.000 Viehbauern gebeten, ihren Nutztieren weder frisches Futtergras zu geben, noch sie auf die Weide zu bringen.

Quellen: The Japan Times, NHK-World 12, JijiPress 12, GRS Skizze, Stern

Siehe auch: Fukushima-Update – 12.05, 13.05, 14.05, 15.05, 16.05, 17.05, 18.05, sowie Restrisiko Fukushima und IAEA/Fukushima