Im Beerdigungsritus hat sich in den letzten Jahrzehnten viel geändert. In den Sechziger- und Siebzigerjahren waren es vor allem Beerdigungslieder aus dem Gesangbuch, die die Trauerfeier begleiteten, aber keinerlei persönlichen Bezug zu dem Verstorbenen herstellten. Vereinzelt gab es aber schon Geiger, Cellisten, Trompeter und Waldhornbläser, die den letzten Gang würdig untermalten. Etwa mit dem Largo aus Friedrich Smetanas "Moldau". Oder Sängerinnen und Sänger ließen das "Ave Maria" feierlich erschallen.

Spätestens seit dem Tod von Lady Di im Jahr 1997 – aber auch schon vorher – hat sich die musikalische Begleitung bei Beerdigungen gewandelt.

"Candle in the Wind" wurde ein Riesenerfolg

Der 6. September 1997: ein Tag, den die meisten zeitlebens nicht vergessen werden. Die ganze Welt hat zugeschaut bei der Beerdigung von Lady Di. Als die königliche Lafette, darauf die sterblichen Überreste der Prinzessin von Wales, überdeckt von einem Blumenmeer, zur Aussegnungsfeier im Buckingham Palace fuhr. Die Beerdigung war ein globaler Event. Nicht nur Millionen, Milliarden haben mit den Tränen gekämpft, als der gar nicht mehr so exzentrische Elton John "Goodbye, England's Rose" sang. Als er dem Abschiedsschmerz der ganzen Welt einen durchaus der Zeit angemessenen Ausdruck gab - live and unplugged.

"Candle in the Wind" war lange unangefochten die Nummer eins, und das nicht nur in England. Das britische "Funeral Service Journal" hat in seiner Ausgabe vom Februar 1998 eine Hit-Liste der am häufigsten für eine Trauerfeier gewünschten Titel veröffentlicht:

  1. Candle in the Wind – Elton John
  2. Simply the Best – Tina Turner
  3. My Way – Frank Sinatra
  4. Knocking on Heaven's Door – Bob Dylan
  5. Every Breath You Take – The Police
  6. Always Look on the Bright Side of Life – Monthy Python
  7. Stairway to Heaven - Led Zeppelin
  8. Always on My Mind – Elvis Presley
  9. Tears on Heaven – Eric Clapton
  10. Seasons in the Sun – Terry Jacks

Es muss nicht nur Pop bei der Beerdigung sein

Die Geschmäcker der Dahingeschiedenen sind vielfältig. Nicht nur Pop haben sie sich zu Lebzeiten als Begleitung auf ihrem letzten Weg gewünscht. Bei allem Wandel der Zeit, auch Choräle von Beethoven oder Bach stehen auf der Wunschliste und hallen durchs Kirchenschiff. Gerne auch ein Ohrwurm wie "Lili Marleen", wenn es ein wenig ein heiterer Abschied werden soll, oder "I'm sailing" von Rod Stewart. "Spiel mir das Lied vom Tod" aus dem gleichnamigen Film fand zu Lebzeiten auch so mancher passend für den letzten Gang. Selbst Hardrock-Nummern wie "Highway to Hell" von AC/DC haben ihre Liebhaber über den Tod hinaus.

Abgesehen von Pop ist auch Volkstümliches gefragt: "Sag' zum Abschied leise Servus" oder das "Böhmerwaldlied" werden gern von ehemaligen Volksmusikliebhaber/innen gewünscht. Immer soll die Seele damit noch einmal berührt werden und dem Verstorbenen nahe sein. Der Einsatz der modernen Technik macht heute vieles möglich.

Wenn Personen des öffentlichen Lebens zu Grabe getragen werden

Wenn die Beerdigung zu einem Staatsakt wird, weil der Verstorbene Teil des öffentlichen Lebens war, lassen die Angehörigen musikalische Vorlieben des Verstorbenen noch einmal zu Gehör kommen:

Franz Josef Strauß (bayerischer Ministerpräsident; + 1988). Für ihn wurde die Ouvertüre aus dem Trauerspiel "Coriolan" von Ludwig van Beethoven gespielt. Gefolgt vom "Requiem" von Wolfgang Amadeus Mozart. Gespielt vom Bayerischen Staatsorchester unter Begleitung des Chors der Bayerischen Staatsoper.

Detlev Karsten Rohwedder (Chef der Treuhand; + 1991). Für ihn spielte die Staatskapelle Berlin unter Leitung von Daniel Barenboim von Johann Sebastian Bach das Adagio aus den "Brandenburgischen Konzerten " Nr. 1 und Nr. 6 und von Ludwig van Beethoven die 9. Sinfonie, 3. Satz.

Willy Brandt (Altbundeskanzler und Friedensnobelpreisträger; + 1992). Während des Staatsakts spielten die Berliner Philharmoniker unter Leitung von Claudio Abbado Franz Schuberts unvollendet gebliebene 7. Sinfonie. Anschließend folgte ein militärisches Zeremoniell mit Abspielen der Nationalhymne, derweil eine Gruppe unter den ca. 7.000 Zuschauern sehr vernehmlich die "Internationale" sang. Die Zeremonie endete auf Wunsch der Witwe Brigitte Seebacher-Brandt mit dem Lied "Ich hatt' einen Kameraden".

101 Tote, Opfer des Zugunglücks in Eschede (+1998). Dem Läuten der Sterbeglocke folgte der 1. Satz aus Johannes Brahms' "Ein deutsches Requiem", dann als gemeinsames Lied die von Paul Eber eingedeutsche Version von "In Tenebris Nostrae" von Joachim Camerarius, mit der Musik von Johann Baptista Serranus. Dann eine Choralphantasie über "Allein zu dir, Herr Jesu Christ" von Johann Pachelbel. Dazwischen gemeinsame Lieder. Zum Abschluss der Gedenkfeier der 7. Satz aus dem Requiem von Brahms.

Die neueren Top Ten bei Trauerfeiern

Songs von Robbie Williams, Celine Dion und Elton John gehören bei britischen Beerdigungen zu den beliebtesten und am meisten gesungenen. Hier die Top Ten der Beerdigungs-Popsongs aus dem Jahr 2006:

  1. Wind beneath My Wings – Bette Midler
  2. My Heart will go on – Celine Dion
  3. I will always Love You – Whitney Houston
  4. Simply the Best – Tina Turner
  5. Angels – Robbie Williams
  6. You'll never walk alone – Gerry an the Pacemakers
  7. Candle in the Wind – Elton John
  8. Unchained Melody – Righteous Brothers
  9. Bridge over troubled Water – Simon and Garfunkel
  10. Time to say Goodbye – Sarah Brightman
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