Es ist endlich wieder soweit. Die Wartezeit hat ein Ende. Die Fußballbundesliga startet in die neue Saison. Diesmal wird Meister Borussia Dortmund von 17 Mannschaften mehr oder weniger herausgefordert. Und doch scheint, wie eigentlich vor jeder Saison, der FC Bayern München der große Favorit auf den Titel zu sein.
Der Titelverteidiger Borussia Dortmund
Als Meister zählt die Borussia aus Dortmund naturgemäß auch in der neuen Spielzeit zu den Titelaspiranten. Bis auf den durchaus schmerzlichen Verlust von Mittelfeldstratege Nuri Sahin (Real Madrid), blieb die Meistertruppe zusammen. Mit den Neuzugängen Gündogan, Perisic, Leitner und Löwe, bleibt sich die Führungsriege des Revierclubs treu, auf junge, hungrige und ausbaufähige Fußballer zu setzen. Es wird sich zeigen, inwiefern die jüngste Bundesligameistermannschaft die Doppelbelastung durch die Champions League zu meistern in der Lage ist. Mit Jürgen Klopp steht ein ebenso begeisterungsfähiger wie charismatischer und analytischer Trainer der „Jugend-Forscht“-Mannschaft vor, der seinem Team schon die passenden Worte auf den Weg geben wird. Und vielleicht erobern die Senkrechtstarter der letzten Saison um Mats Hummels, Mario Götze, Shinji Kagawa und Kevin Großkreutz mit ihrer euphorischen und begeisternden Art der Fußballzelebration demnächst auch noch Europa.
Die Herausforderer aus Leverkusen und München
Mit dem aus Freiburg gekommenen neuen Trainer Robin Dutt streckt auch die Werks-Elf aus Leverkusen die Hand nach der Schale. Zwar verließ Arturo Vidal, einer der besten Mittelfeldspieler der abgelaufenen Runde, den Verein in Richtung Turin, jedoch konnte der Shootingstar aus Mainz und große deutsche Sturmhoffnung, André Schürrle, an den Rhein gelockt werden. Nach der für bajuwarische Verhältnisse reichlich verkorksten Saison 2010/2011 ohne Titel und verpaßter direkter Champions League-Qualifikation, bläst der FC Bayern München wieder zur Attacke. Es zwickte in der Vergangenheit deutlich in der Defensive und so investierte der Rekordmeister von der Isar kräftig in neue Abwehrspieler. Nun sollen Manuel Neuer, Jerome Boateng und Rafinha gemeinsam mit Holger Badstuber und Philipp Lahm zu einem neuen für die gegnerischen Stürmer unüberwindbaren Bollwerk zusammenwachsen. Interessant wird zu beobachten sein, ob die Bayern mögliche Ausfälle ihrer begnadeten, aber verletzungsanfälligen Superstars Franck Ribery und Arjen Robben kompensieren können.
Positive Überraschungen aus Hannover, Mainz und Nürnberg
Neben dem glorreichen Auftreten von Sensationsmeister Borussia Dortmund zählte zweifellos das Abschneiden von Hannover 96, Mainz 05 sowie dem 1. FC Nürnberg auf den Plätzen 4-6 zu den Überraschungen der vergangenen Spielzeit. Die Hannoveraner mussten keine Stammkräfte abgeben und vertrauen auf ein eingespieltes Team, während die Mainzer in Schürrle, Christian Fuchs und Lewis Holtby den Abgang von gleich drei absoluten Leistungsträgern verschmerzen müssen, die durch bundesligaunerfahrene Spieler wie Zoltan Stieber (Aachen), Nicolai Müller (Fürth) und Julian Baumgartlinger (Austria Wien) ersetzt werden müssen. Im Frankenland drehte sich das Spielerkarussell ebenfalls. Vier wesentliche Pfeiler des Erfolgs (Ilkay Gündogan, Mehmet Ekici, Julian Schieber, Andreas Wolf) verließen die Nürnberger, die Neuzugänge Markus Feulner, Daniel Didavi und Tomas Pekhart sollen die Lücken schließen. Die Wiederholung des letztjährigen Erfolges scheint bei allen drei Mannschaften zumindest fragwürdig.
Das zweite Jahr für Kaiserslautern, Neuanfang in Hamburg, neuer Trainer in Freiburg
Eine überragende Saison absolvierte auch der 1. FC Kaiserslautern. Als Aufsteiger belegten die „Roten Teufel“ den 7. Rang. Doch nun folgt das schwierige zweite Jahr der Klassenzugehörigkeit und mit Serdan Lakic, Jan Moravek und Erwin Hoffer verloren die Pfälzer ihre treffsichersten Schützen. Ob die weithin unbekannten Neuen wie Itay Shechter, Olcay Sahan, Richard Sukuta-Pasu und Gil Vermouth ebensogut einschlagen werden wie ihre Vorgänger? Totale Tristesse dagegen herrschte im hohen Norden der Republik. Ein völlig enttäuschender 9. Platz für den Hamburger SV hatte eine Radikalkur im Teamgefüge zur Folge. Der neue Sportdirektor Frank Arnesen und Trainer Michael Oenning misteten gnadenlos aus und trennten sich von alten Zöpfen wie Zé Roberto, Frank Rost, Ruud van Nistelrooy und Jooris Mathijsen. Mit Gökhan Töre, Jeffrey Bruma, Michael Mancienne und Jacopo Sala lotste Arnesen vier Spieler aus dem Reservoir des FC Chelsea an die Elbe. Ein bewußter Neuanfang für den HSV, ein Platz im internationalen Geschäft wäre als großer Erfolg zu werten. Dank der unglaublichen 26 Tore von Demba Papiss Cissé präsentierte sich der SC Freiburg mit einem souveränen 9. Platz überaus erfolgreich im Endklassement der vorigen Runde. Doch immer noch droht am Horizont der Abgang des Senegalesen, der für die „Breisgau-Brasilianer“ kaum zu verkraften wäre. Mal sehen, wieviel Sorgen auf den neuen Trainer Marcus Sorg zukommen.
Der Mittelmaß aus Köln, Hoffenheim und Stuttgart
Neues auch in Köln. Dort soll Stale Solbakken, Erfolgstrainer vom FC Kopenhagen, der launischen Diva vom Rhein in eine neue taktische Richtung vorgeben und den FC in sichere Tabellenregionen führen. Seine Absetzung von „Prinz Poldi“ Lukas Podolski als Kapitän der Mannschaft sorgte jedoch logischerweise für viel Wirbel im Kölner Medienklüngel-Dschungel. Das Umfeld befrieden muss Stalbakkens oberstes Gebot sein und wenn Podolski und Milivoje Novakovic vorne weiterhin harmonieren und Geromel und Michael Rensing hinten dicht halten, ist ein Top-Ten-Platz drin. In Hoffenheim muss es ebenfalls ein neuer Trainer richten, nämlich der eigentlich mit dem FC St. Pauli verheiratete Holger Stanislawski. Nach 18 Jahren Kiez-Club versucht er nun der zuletzt Durchschnittskost bietenden TSG wieder attraktiven und erfolgreichen Fußball beizubringen. In Stuttgart will man ein Fußballjahr wie 2010/2011 auch nicht noch einmal erleben. Knapp dem Abstieg entkommen, kann nur eine Konsolidierung im Spielbetrieb das Motto von Bruno Labbadia heißen.
Die Enttäuschten und die Aufsteiger
Ähnlich verhält es sich bei Werder Bremen, Schalke 04 und dem VfL Wolfsburg. Am Rande des Abgrunds taumelnd, die 2. Liga soeben noch verhindert und eigentlich wollte man ins internationale Geschäft. In Bremen hielt man trotz der Misere am Trainerurgestein Thomas Schaaf fest, während auf Schalke Felix Magath bereits während der letzten Saison entmachtet wurde und der zurückgeholte Ralf Rangnick den nächsten Neuaufbau formen darf. Der im Revier geschasste Magath kehrte zu seinem Meisterverein nach Wolfsburg zurück und muss aus den Trümmern der letzten Spielrunde eine schlagkräftige Truppe bauen. Erstaunlicherweise konnte bei Fast-Absteiger Mönchengladbach Marco Reus auch für die kommende Spielzeit gehalten werden und für die Aufsteiger Hertha Berlin und dem FC Augsburg geht es einzig und allein um den Klassenerhalt.
